Wer ist Martha

 

Du kennst das vielleicht.
Du baust seit Wochen an deinem LKW-Kofferaufbau, misst, sägst, fluchst – und plötzlich starrt dich ein großes, leeres Fenster an. Und dieses Fenster denkt sich: „Hier fehlt was.“

Nicht technisch. Nicht funktional.
Sondern emotional.

Genau da standen wir. Mitten im Ausbauverlauf unseres LKW-Kofferaufbaus. Die Eckbank war eingebaut, der Rücken zur Fensterseite – großartig zum Sitzen, eher mäßig für die Aussicht. Der untere Bereich des Fensters? Dauerhaft verdeckt. Der obere? Zu viel Einblick von draußen.

Und so begann die Suche nach… nun ja… einem Mitreisenden.

Heute ist es Zeit, euch Martha vorzustellen:

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Martha ist kurzsichtig. Sie trägt Brille. Und sie reist ab sofort immer mit uns.

Warum ein Lama?
Warum mit Brille?
Warum überhaupt?

Ganz einfach: Weil wir es können. Und weil der LKW-Kofferaufbau nicht nur Technik ist, sondern Persönlichkeit.

Durch unsere Eckbank – Rücken zur Fensterseite – bleibt der untere Bereich des Fensters dauerhaft verdeckt. Von innen siehst du dort: nichts. Absolut nichts.

Und genau dort sitzt Martha.

Ja, richtig gelesen.
Unser kurzsichtiges Lama mit Brille klebt im Bereich, den man von innen gar nicht sieht.

Und Warum?
Weil genau dieser Teil von außen sichtbar ist – und wir keine Lust auf „nacktes Fenster“ hatten.  Der obere Bereich des Fensters – also von der Oberkante der Eckbank bis zur Decke – bleibt weiterhin frei. Und genau dort könnten künftig Blisses angebracht werden, um diesen sichtbaren Restbereich bei Bedarf abzudecken.

Kurz gesagt:
Unten klebt das Lama.
Oben wäre Platz für Blisses.
Innen sieht man davon… nichts.
Aussen hingegen reist jetzt Martha mit.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Wenn du eine Fensterfolie aufbringen willst, brauchst du:

  • Ein perfekt gereinigtes Fenster
  • Destilliertes Wasser (wir haben Osmosewasser verwendet – man gönnt sich ja sonst nichts)
  • Eine Rakel
  • Ein Kuttermesser oder Teppichmesser
  • Und die naive Hoffnung, dass alles beim ersten Mal klappt

Das Fenster wurde also penibel gereinigt. Wirklich penibel. So sauber war es wahrscheinlich nicht mal beim Einbau.

Dann: ordentlich mit Osmosewasser einsprühen. Schön einnässen. Nicht zaghaft. Das Glas soll aussehen, als hätte es gerade ein Wellness-Wochenende hinter sich.

Anschließend die Folie von der Trägerfolie lösen.

Und genau hier passierte es.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Statische Aufladung – oder wie man sich unsichtbare Feinde ins Kunstwerk holt

Beim Abziehen entstand eine statische Aufladung.
Was wir nicht bemerkten: Diese lud charmant sämtliche in der Werkstatt schwebenden Schmutzpartikel ein.

Wir bemerkten es nicht.

Wir sprühten die Folie ebenfalls mit Osmosewasser ein.
Legten sie nass auf die Scheibe.
Strichen mit der Rakel von innen nach außen Luft und Wasser heraus.
Schnitten die Überstände mit dem Teppichmeser ab.

Und standen da.
Bewunderten Martha.
Feierten uns ein kleines bisschen.

Exakt auf Mass?
Übrigens eher hinderlich. Beim Aufbringen merkten wir schnell: Ein paar Millimeter mehr Spielraum wären deutlich entspannter gewesen. Also wurde sauber nachgeschnitten.

Fertig war das Kunstwerk.

Dachten wir.

Ein paar Tage später, das Licht fiel schräg ins Fenster.

Und da waren sie.
Die kleinen, fiesen Schmutzpartikel. Eingeschlossen. Für die Ewigkeit konserviert.

Nicht dramatisch.
Aber sichtbar.

Also falls du gerade planst, deinen LKW-Ausbau mit einer Fensterfolie aufzuhübschen:

👉 Eine Werkstatt ist dafür nicht der richtige Ort.
Wirklich nicht.

Staub gewinnt hier immer.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Warum Martha trotzdem bleibt

Ja, da sind kleine Partikel.
Ja, wir wissen jetzt, wie es besser geht.
Ja, wir würden es beim nächsten Mal anders machen.

Aber ganz ehrlich?

Martha gehört inzwischen dazu. Sie sitzt da, kurzsichtig wie eh und je, blickt nach draußen und erinnert uns daran, dass der Ausbauverlauf eines LKW-Kofferaufbaus nicht perfekt sein muss.

Er muss nur unserer sein. Und wenn wir irgendwann Blisses nachrüsten, dann nur, wenn Martha damit einverstanden ist.

Für alle, die es technisch exakt wissen wollen:

Fenster reinigen.
Mit destilliertem Wasser oder Osmosewasser einsprühen.
Folie vorsichtig von der Trägerfolie lösen.
Auch die Folie befeuchten.
Nass auflegen.
Mit Rakel von innen nach außen ausstreichen.
Überstände mit scharfem Kuttermesser oder Teppichmesser sauber schneiden.
Staub vermeiden. Unbedingt.

Und falls doch etwas schiefgeht:
Ein Lama mit Brille macht alles besser.

Wenn du mehr über unseren Ausbau erfahren willst, stöbere gerne weiter im Ausbauverlauf. Hier wird geschraubt, geflucht, gelacht – und manchmal klebt auch einfach ein Lama am Fenster.