Kategorie: Rechliches

Wiegen vor Umschlüsselung

(C) Ernst und Meike Wagner

Wiegen vor der Umschlüsselung – oder: Der Moment, in dem dein Ausbau dich auslacht

Es gibt genau diesen einen Moment im Ausbau, vor dem du dich drückst. Nicht bewusst. Eher so unterschwellig.
Du baust, schraubst, planst, wiegst Holz in der Hand und denkst dir: „Ach, das bisschen wird schon nicht ins Gewicht fallen.“

Spoiler: Doch. Tut es. Immer.

Im Zuge unserer Vorbereitungen zur Umschlüsselung (wenn du wissen willst, wie wir uns da reingeritten haben) stand also der große Realitätscheck an: die Waage.
Oder wie wir es nennen: der Tag, an dem Zahlen deine Illusionen beleidigen.

Übrigens: wenn ihr wissen wollt wie unser BMI vorher war, könnt ihr das auf unserer Datenblattseite ansehen.

Vorbereitung: Alles sichern – vor allem unseren Stolz

Bevor es losgehen konnte, mussten wir unseren Innenraum in etwas verwandeln, das nicht bei der ersten Kurve zur Installation „fliegender Innenausbau“ wird.

Also haben wir angefangen, alles raus-zu-räumen, festzuschrauben oder so zu verkeilen, dass es selbst bei einer Vollbremsung nur beleidigt knarzt, aber nicht durch die Gegend fliegt.

Dabei sind uns Dinge begegnet wie:
„Warum haben wir das überhaupt?“
„Seit wann ist das hier?“
und mein persönlicher Favorit:
„Das brauchen wir bestimmt noch.“

Im Führerhaus dann der klassische TÜV-Endgegner:
Unterlegkeil, Warnwesten, Warndreieck, Leuchte, Erste-Hilfe-Kasten – alles da. Überraschend. Fast verdächtig.

Dann Batterie anklemmen, Licht testen… und natürlich erst mal irgendwo kein Licht. Wäre ja auch komisch gewesen, wenn etwas sofort funktioniert.

Zum krönenden Abschluss ging es aufs Dach. Abdeckungen runter von den Solarplatten – und was uns dort erwartete, war weniger „leichter Staub“ und mehr „ökologisches Langzeitprojekt“.
Ein Jahr Standzeit reicht offenbar, um ein eigenes kleines Ökosystem zu gründen. Ohne unsere Zustimmung nätürlich.

Die erste Fahrt: Vertrauen ist gut, Angst ist realistischer

Dann ging es endlich los.

Die ersten Meter fühlten sich an wie:
„Ich fahre ein Haus.“
„Warum sitze ich so hoch?“
„War das Bremsen oder eine Meinungsäußerung des Fahrzeugs?“

Alles ist größer, träger, irgendwie… ernster.
Und du selbst? Sitzt da und tust so, als hättest du alles im Griff.

Nach ein paar Kilometern wird es besser. Also nicht gut. Aber besser genug, um weiterzufahren, ohne dauerhaft den Atem anzuhalten.

Die Waage: Der Ort, an dem Träume gewogen werden

Dann kam der Moment.

Die Waage.

Die eine Zahl, die darüber entscheidet, ob dein Projekt weiterhin „clever ausgebaut“ ist oder offiziell als „leicht eskalierter Materialkauf“ gilt.

Also Achse für Achse:

Vorderachse: 2060 kg
→ Okay. Das sieht noch nach Kontrolle aus.

Hinterachse: 3880 kg
→ Hm. Schon etwas… engagierter – könnte etwas mehr sein um das werksseitige Verhältnis von 1:2 beizubehalten..

Dann das große Ganze:

5960 kg

Unter 6 Tonnen.

Ganz ehrlich: Wir haben uns kurz gefühlt wie absolute Profis.
So für ungefähr 12 Sekunden.

Die Rechnung danach: Willkommen zurück in der Realität

Denn natürlich reicht es nicht, sich einfach über die 5960 kg zu freuen und so zu tun, als wäre das die ganze Wahrheit.

Also haben wir gerechnet. Ehrlich. Schonungslos. Ohne „das passt schon“.

Dazu kommen nämlich noch:

3 Personen à 75 kg
→ Also wir. In optimistisch gerechnet.

Diesel nicht voll: +45 kg
AdBlue nicht voll: +10 kg
Frischwasser: +250 kg
→ Ja, Wasser ist schwer. Wer hätte das gedacht.

Und dann der ganze Ausbau-Kram, der entweder schon drin ist oder garantiert noch reinkommt:

Kühlschrank, Eingangstreppe, Duschtasse, gefüllte Systeme, Holzofen, Holz für den Ausbau… also im Prinzip alles, was wir jemals mit „Ach, das bauen wir später noch ein“ kommentiert haben.

Am Ende landen wir bei einem geschätzten Leergewicht von:

6820 kg

Was bedeutet:
Wir haben noch etwa 670 kg Zuladung.

Oder anders gesagt:
Noch genau genug Spielraum, um uns selbst in falscher Sicherheit zu wiegen.

Der Plan: Mehr wiegen, weniger träumen

Natürlich bleibt es nicht bei dieser einen Wiegung.

Das hier war nur die erste ehrliche Begegnung mit der Realität.

Sobald der Ausbau weiter ist, geht es wieder auf die Waage. Dann sehen wir, ob wir wirklich so gut gerechnet haben – oder ob wir einfach nur sehr optimistisch im Kopfrechnen sind.

Und ganz am Ende, im reisefertigen Zustand, mit allem an Bord, was man „unbedingt braucht“ (und mindestens genauso viel, was man definitiv nicht braucht), kommt die finale Wiegung.

Das wird dann der Moment, in dem sich entscheidet, ob wir gut geplant haben – oder einfach nur sehr motiviert waren.

Fazit: Wir dürfen weitermachen (noch)

Aktuell sieht es gut aus.

Unter 6 Tonnen geblieben.
Zuladung vorhanden.
Keine sofortigen Rückbau-Maßnahmen nötig.

Also zurück in die Werkstatt.

Weiterbauen. Weiter hoffen. Weiter Dinge einbauen, von denen wir jetzt schon wissen, dass sie „eigentlich nicht so schwer sind“.

Und beim nächsten Mal berichten wir dann, wie wir es geschafft haben, 670 kg Zuladung mit erschreckender Effizienz zu verbrauchen.

Spoiler: Es wird wieder mit Holz zu tun haben. Und mit unserer Fähigkeit, Gewicht konsequent zu unterschätzen.

Vorbereitungen für die Umschlüsselung

2 Comments

 

 

Es gibt diese Momente im Ausbau eines Fernreisemobils, in denen man plötzlich merkt: Jetzt wird’s ernst. Nicht mehr nur Flex, Holzstaub und „Ach, das machen wir später noch hübsch“, sondern Behörden, Vorschriften und Menschen mit Klemmbrett. In unserem Fall bedeutete das: Die Umschlüsselung unseres LKW zum Wohnmobil rückt näher.

Und genau an diesem Punkt wurde uns klar, dass wir uns langsam – wirklich langsam – einen Terminplan überlegen sollten. Also nicht nur das klassische „Das bauen wir irgendwann mal ein“, sondern eher „Wann genau muss das Ding so aussehen, dass der TÜV nicht spontan in Ohnmacht fällt?“.

Wer unseren bisherigen Ausbau verfolgt hat, weiss ja: Perfektion ist bei uns eher ein dynamischer Zielzustand. Wer sich das Elend bzw. den Fortschritt noch einmal ansehen möchte, findet den bisherigen Wahnsinn übrigens hier in unserer Kategorie: „Ausbauverlauf“ – dort sieht man sehr schön, wie aus einem LKW nach und nach etwas entsteht, das irgendwann einmal entfernt an ein Wohnmobil erinnern könnte.

Unser Fahrzeug ist aktuell noch ganz offiziell für den Güterverkehr zugelassen. Das klingt wichtig, fühlt sich aber im Moment ungefähr so passend an wie ein Smoking beim Ölwechsel. Ziel ist natürlich die Umschlüsselung zum Sonderkraftfahrzeug Wohnmobil.

Das bedeutet allerdings:
Man braucht jemanden, der sich das ganze Projekt anschaut und am Ende sagt: „Ja, das kann man guten Gewissens als Wohnmobil durchgehen lassen.“

Klingt einfach.

Ist es nicht.

Denn wie wir lernen durften, darf das nicht jeder TÜV-Prüfer machen. Auch hier gibt es – Überraschung – Vorschriften. Der Prüfer benötigt nämlich eine besondere Befähigung, um ein Vollgutachten nach §21 StVZO durchführen zu dürfen.

Mit anderen Worten:
Man braucht einen Prüfer, der nicht nur Ahnung hat, sondern auch offiziell Ahnung haben darf.

Also begann eine kleine Odyssee durch Telefonate, E-Mails und gelegentlich ratlose Gesichter. Der typische Gesprächsverlauf war ungefähr so:

„Hallo, wir bauen gerade einen LKW zum Wohnmobil um…“

Kurze Pause.

„…ah.“

Noch längere Pause.

„Dafür brauchen Sie jemanden mit §21.“

Genau. Den suchen wir ja.

Nach einigen Umwegen – und vermutlich dank einer guten Portion Glück – haben wir dann tatsächlich einen Prüfer gefunden, der sich unseres Projekts annehmen wollte. Auch wenn „Zeit haben“ bei ihm eher bedeutet: ein sehr kleines Zeitfenster zwischen zwei sehr großen Terminen.

An dieser Stelle möchten wir wirklich einmal ein großes Dankeschön aussprechen. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass jemand sich die Zeit nimmt, sich ein halb fertiges, staubiges und teilweise noch sehr optimistisches Ausbauprojekt anzuschauen.

Der Prüfer war also bereits bei uns und hat sich unser Fahrzeug im aktuellen Zustand angesehen. Das ist ungefähr so, als würde man einem Architekten eine Baustelle zeigen, bei der noch nicht ganz klar ist, ob es ein Haus oder doch eher ein modernes Kunstprojekt wird.

Wir haben ihm also unseren aktuellen Ausbaustand präsentiert – inklusive der typischen Baustellenklassiker:

  • „Hier kommt später noch etwas hin.“

  • „Das ist nur provisorisch.“

  • „Die Schrauben tauschen wir natürlich noch.“

Er blieb erstaunlich ruhig.

Und dann kam das Dokument ins Spiel, das jeder angehende Wohnmobilbauer irgendwann kennenlernen sollte:

👉 https://shop.tuev-verband.de/merkblaetter/MB-FZMO-Fahrzeug-und-Mobilitaet/Anforderungen-an-die-Fahrzeugart-Wohnmobil-MB-FZMO-740

Das TÜV-Verband Merkblatt MB FZMO 740 beschreibt ziemlich genau, welche Anforderungen ein Fahrzeug erfüllen muss, um als Wohnmobil zu gelten. Wir können nur jedem ans Herz legen, da einmal reinzuschauen – idealerweise bevor man anfängt, Dinge fest einzubauen, die später wieder raus müssen.

Glücklicherweise konnten wir bei unserem Ausbau bereits einige dieser Anforderungen berücksichtigen. Nicht unbedingt, weil wir besonders clever sind, sondern eher, weil wir uns frühzeitig ein bisschen eingelesen haben. Und weil wir das Internet sehr intensiv mit Fragen genervt haben.

Wer sehen möchte, wie sich diese Planung in unserem Ausbau niedergeschlagen hat, findet dazu ebenfalls einige Beiträge im bisherigen Ausbauverlauf:

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Nach der Besichtigung kam der Satz, der uns für den Rest der Woche erstaunlich gute Laune beschert hat:

„Ihr seid eigentlich ganz gut dabei.“

Man muss verstehen: Für uns klang das ungefähr so, als hätte jemand gesagt:
„Das wird am Ende vermutlich wirklich ein Wohnmobil.“

Natürlich gab es auch einige Hinweise und Vorgaben. Dinge, die noch umgesetzt werden müssen, Dinge, die so bleiben können, und Dinge, bei denen man besser nicht nachfragt, warum sie so sind.

Aber insgesamt war das Feedback positiv genug, dass wir gemeinsam einen groben Terminplan für die Abnahme festlegen konnten.

Wenn alles halbwegs nach Plan läuft – und wir nicht wieder in eine spontane „Das könnten wir auch noch schnell ändern“-Phase verfallen – möchten wir Ende April den ersten Versuch der Umschlüsselung wagen.

Bis dahin muss das Fahrzeug im Groben den Anforderungen für ein Wohnmobil entsprechen.

Das bedeutet:

Schlafen, sitzen, kochen und wohnen muss erkennbar sein.

Ob alles perfekt ist?
Natürlich nicht.

Aber perfekt ist im Fahrzeugausbau ohnehin ein sehr theoretisches Konzept.

Falls jetzt jemand denkt, dass mit der Umschlüsselung der Ausbau abgeschlossen ist, müssen wir leider enttäuschen.

Ein Fahrzeugausbau ist wie eine Dauerbaustelle mit Rädern.

Es gibt immer noch etwas zu verbessern, umzubauen oder komplett neu zu denken. Wer uns also weiterhin bei diesem kreativen Chaos begleiten möchte, wird auch in Zukunft genügend Material im Ausbauverlauf finden:

Denn eines können wir jetzt schon versprechen:

Langweilig wird es ganz bestimmt nicht.

Werbung

 

Hat sich hier Werbung eingeschlichen?

 

Wir versuchen diese Internetpräsenz Werbefrei zu halten. Die hier im Hintergrund verwendeten Webanalytictools, dokumentieren die Zugriffe dieser Präsenz. Die dienen also ausschließlich nur dieser Webeiten. Tools von Drittanbietern (also Diejenigen die mit diesen Daten dann auch noch Geld verdienen wollen), sollen hier nicht zum Einsatz kommen und sind nicht erwünscht! Wir wollen hiermit kein Geld verdienen, dann sollen Andere sich an unserem geistigen Eigentum auch nicht bereichern dürfen. Zudem haben die einen erheblichen Overhead und verlangsamen diese Webseiten.

 

Sollen hier Werbeinformationen von Drittanbietern erscheinen, bitten wir Euch uns das umgehend mitzuteilen, um weitere Maßnahmen einleiten zu können. Für Eure Mithilfe und Euren Beitrag hierfür, bedanken wir uns bereits heute.
Bitte nutzt hierfür unser Kontaktformular.

 

Categories: Rechliches, Werbung

Rechte an Bild und Text

 

Alles, was Ihr hier an Bildern und selbst verfassten Beiträgen findet, ist unser eigenes, stolz gehütetes Hirngespinst. Alle Texte (außer die Kommentare von Euch lieben Lesern und Abonnenten) und Bilder sind von uns selbst zusammengeklöppelt – inklusive aller charmanten Rechtschreib- und Zeichensetzungsabenteuer. Wer unsere Meisterwerke verwenden möchte, muss vorher höflich um schriftliche Erlaubnis betteln. Anfragen sind jederzeit über unser Kontaktformular willkommen! Das Verlinken dieses Blogs ist dagegen kein Problem und darf gerne ohne Umwege gemacht werden.

 

Categories: Rechliches