Kategorie: Ausbauverlauf

Eckbank im LKW-Ausbau

 

 

Es gibt diese Momente im Ausbau, da denkst du: „Ach, das wird jetzt ein entspanntes Projekt.“
Und dann lacht dich dein eigener Grundriss aus.

So geschehen bei unserer Eckbank.

Wie ihr bereits wisst, haben wir unsere ursprüngliche Planung ja ganz heldenhaft über Bord geworfen – nicht aus Spaß, sondern wegen… sagen wir mal… räumlicher Realitätsnähe (Ursprünglicher Plan vs. Realität). Und weil wir uns den Traum der Umschlüsselung erfüllen wollen (Warum wir uns das antun), musste plötzlich alles ganz schnell gehen.
Die Eckbank wurde vom „machen wir irgendwann mal“ Projekt zum „ohne dich geht hier gar nichts mehr“ Bauteil.

 

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner     (C) Ernst und Meike Wagner

 

Kein Druck also.

Wenn eine Bank zur Projektleitung wird

Man könnte meinen, man baut einfach eine Bank. Ein bisschen Holz, ein paar Schrauben, fertig.
Was man stattdessen bekommt: ein Projekt, das dir ganz klar zeigt, dass du eigentlich gar nichts im Griff hast.

Denn bevor wir überhaupt daran denken durften, die Eckbank einzubauen, kam erstmal… alles andere.

Allen voran Martha (Hier wohnt Martha jetzt).
Martha musste zuerst rein. Warum? Weil sie genau da sitzt, wo man später nie wieder hinkommt. Klingt logisch – ist es auch. Wenn man das vorher weiss. Wir wussten es natürlich erst, als es fast zu spät war – Aber zum Glück noch daran gedacht haben.

Und dann kam unser Gasmann.
Mit einer dieser Aussagen, die mit „Eigentlich kein Problem, aber…“ anfangen und mit einer kompletten Umplanung enden. Ergebnis: Zwei Türen im Glaskasten? Nö. Dürfen wir nicht. Also nochmal alles neu denken (Die Umplanung unseres Lebens).

 

(C) Ernst und Meike Wagner     (C) Ernst und Meike Wagner

 

Zu diesem Zeitpunkt war klar: Die Eckbank wird nicht gebaut.
Die Eckbank wird verdient!!

Gas, Strom und die Kunst, Dinge vorher zu wissen

Bevor die Eckbank überhaupt ihren Platz sehen durfte, mussten wir uns um die Gasinstallation kümmern. Und zwar so, als würden wir danach nie wieder drankommen.
Weil… Spoiler: Tun wir auch nicht.

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Das bedeutete:
Der Standort der Gasflasche musste festgelegt werden. Endgültig. Kein „ach, vielleicht doch anders“.
Denn davon hing direkt das berühmte 100 cm² große Loch im Boden ab.

Und ja – wir haben wirklich ein Loch in unseren LKW gebohrt.
Mit einer 120 mm Lochsäge.
Und ja – es fühlt sich exakt so falsch an, wie es klingt.

Aber hey: Wer nicht bohrt, der nicht gewinnt.

Natürlich hörte es da nicht auf. Gasleitungen mussten durch den Boden geführt werden, damit sie sich unten hübsch treffen können – quasi ein kleines Leitungs-Speed-Dating unterm Fahrzeug.
Und weil wir aus unseren Fehlern lernen (manchmal), haben wir auch gleich die Gasaußenversorgung mit einem zusätzlichen Ventil versehen und fest verbaut. Damit wir später nicht wieder sagen müssen:
„Ach, da hätten wir mal früher dran denken sollen.“

 

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Elektrik – oder wie man Kabel auf Vorrat kürzt

Parallel dazu durften wir uns mit der Elektrik beschäftigen.
Und „durften“ ist hier bewusst gewählt.

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

 

Alle Leitungen mussten abgelängt und vorbereitet werden, weil – Überraschung – nach der Eckbank kommt man da auch nicht mehr ran.
Also haben wir fröhlich Kabel zugeschnitten für:

  • 12V Außenversorgung
  • 12V Anschluss oberhalb der Eckbank
  • zusätzliche Wasserpumpe
  • Solaranlage
  • 230V Anschlüsse innen und außen

Kurz gesagt: Wir haben alles vorbereitet, was man sich vorstellen kann – und vermutlich auch ein bisschen mehr, einfach aus Angst, etwas zu vergessen.

Der Elektrowürfel (ja, das ist ein offizieller Fachbegriff… in unserem Kopf) wurde dann oberhalb der Eckbank an seinen Platz gezwungen. Mit Winkeln. Viele Winkel. Sehr viele Winkel.

 

Und dann… die Terrasse. Natürlich.

Gerade als wir dachten: „Jetzt aber wirklich Eckbank!“, fiel uns ein kleines Detail wieder ein.

Die Terrassentür (Hier der Ursprung unserer Outdoor-Träume).
Dort sollten ja noch Plissees rein.

Und ratet mal, wo man danach nie wieder hinkommt?

Richtig.
Hinter die Eckbank.
Direkt bei Martha.

Also haben wir auch das auch noch schnell erledigt. Weil wir inzwischen gelernt haben:
„Schnell noch“ ist im Ausbau gleichbedeutend mit „Das dauert jetzt wieder drei Tage“.

 

Der Moment der Wahrheit

Irgendwann – und wir wissen selbst nicht mehr genau wie – war es dann soweit.

Alle Leitungen lagen.
Alle Löcher waren gebohrt (und wir emotional halbwegs darüber hinweg).
Die Gasinstallation war vorbereitet.
Die Terrasse war geblindet.
Martha sass zufrieden auf ihrem Platz.

Und dann kam sie:
Die Eckbank.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Endlich durfte sie rein. Wurde ausgerichtet, verschraubt, nochmal gelöst, nochmal ausgerichtet (weil natürlich nichts beim ersten Mal passt) und schließlich fixiert.

Der Gaskasten wurde mit ihr verbunden, am Boden gesichert und bekam seinen Deckel – damit auch wirklich nichts mehr verrutschen kann. Außer vielleicht unsere Nerven.

Zum Abschluss kamen noch die Sitzfläche mit Scharnieren und die Rückwand drauf.

Und da stand sie dann.
Unsere Eckbank.

 

Fazit: Mehr als nur ein Möbelstück

Was wir gelernt haben?

Die Eckbank ist kein Möbelstück.
Sie ist ein Gatekeeper.

Wenn du sie baust, hast du vorher schon alles andere durchdacht – oder du wirst gnadenlos dazu gezwungen.
Sie ist der Punkt im Ausbau, an dem „ach, das machen wir später“ einfach nicht mehr funktioniert.

Und ganz ehrlich:
Wir hätten uns viel Stress sparen können, wenn wir das früher gewusst hätten.

Aber dann hätten wir auch weniger zu lachen gehabt.
Zumindest im Nachhinein.

Währenddessen… eher so mittel.

Elektroschrank wird weiterentwickelt

(C) Ernst und Meike Wagner

Schwer, störrisch und irgendwie immer im Weg

Bevor überhaupt irgendwas geregelt werden konnte, mussten erst mal die Batterien an ihren Platz.
Klingt banal – ist aber ungefähr so, als würdest du versuchen, einen Kühlschrank in ein Schuhregal zu integrieren… nur teurer.

Zusätzlich wollten wir clever sein (was erfahrungsgemäß immer gefährlich ist) und direkt eine Bodenplatte so konstruieren, dass später auch größere Batterien reinpassen.
Heißt im Klartext:

  • stabil genug für den Alltag
  • flexibel genug für die Zukunft
  • und bitte so verbaut, dass man im Notfall wieder drankommt

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Parallel dazu durften wir unsere 50cm – 70mm²-Kabel bändigen. Diese Kabel haben ungefähr den Charme eines störrischen Gartenschlauchs im Winter – nur mit deutlich mehr Konsequenzen, wenn man Mist baut.

Also:
Minusseite → Shunt
Plusseite → 400A-Sicherung + Hauptschalter

Und das alles so platziert, dass unsere zusätzlich eingebaute schlaue Bodenplatte im Zweifel auch wieder raus kann.
(Spoiler: Wir haben mehrfach überprüft. Und dann nochmal. Und dann sicherheitshalber nochmal.)

(C) Ernst und Meike Wagner

Das große Prinzip – Endlich ein Plan!

An dieser Stelle haben wir uns tatsächlich wie richtige Erwachsene gefühlt, denn: Es gab ein System.

Von der Hauptbatterie gehen zuerst die Versorgungsschienen weg.
Darauf landen dann:

  • alle Ladeleitungen (Solar, Booster, Ladegeräte)
  • große Verbraucher (z. B. Kühlschrank – der kleine Strom-Vielfraß)
  • und die sogenannten „Fühlerleitungen“ für Geräte, die wissen wollen, was die Batterie gerade so treibt

Von dort aus gehen 6mm²-Leitungen weiter zu den DC-DC-Wandlern.
Und diese übernehmen dann die Versorgung der Endgeräte.

(C) Ernst und Meike Wagner

Der Vorteil?
Deine empfindlichen Geräte bekommen eine saubere, stabile Spannung von 12–12,5V.
Keine Spannungsspitzen, keine bösen Überraschungen.

(C) Ernst und Meike Wagner

Ein Paradebeispiel: der MaxxFan.
Der mag nämlich keine elektrischen Achterbahnfahrten.

Der Frieden mit den Solarkabeln

Dann kam der Moment, auf den wir heimlich hingearbeitet haben:
Die starren Solarkabel endlich anschließen.

Diese Dinger lagen seit der Kabeldurchführung rum und waren IMMER im Weg.
Egal wo du standest – sie waren da.
Egal was du gemacht hast – sie haben gestört.

Jetzt: 30A-Sicherung rein, ordentlich verlegt, angeschlossen.
Fertig.

Wir haben kurz überlegt, eine kleine Einweihungsfeier zu machen.

Von dort ging’s mit 6mm² weiter zum Laderegler – abgesichert mit 60A.
Und ja: Die Wege sind kurz. Sehr kurz. Etwa 80 cm.
Aber hey – auch auf kurzen Strecken kann man ordentlich Chaos anrichten.

Wichtig war uns die Reihenfolge:

  1. Erst Laderegler an Batterie anschließen
  2. Dann erst die Solarplatten zuschalten

Beim Abschalten natürlich andersrum.
(Man lernt ja dazu… meistens zumindest.)

(C) Ernst und Meike Wagner

Phase 3: Die Wandler und der Kampf gegen die Physik

Jetzt wurde es spannend: DC-DC-Wandler anschließen.

Dabei fiel uns auf: Die Dinger haben Lüfter.
Und Holz… nun ja… Holz liebt es, Geräusche zu verstärken.

Einmal falsch montiert und dein Ausbau klingt wie ein startender Helikopter.

Also haben wir einen Platz gesucht, der möglichst wenig als Resonanzkörper dient.
Gefunden haben wir ihn tatsächlich: an der Türseite gegenüber dem Anschlag. – Dort ist viel Alu-Profile verbaut.

Manchmal hat man auch einfach Glück. Selten, aber es passiert.

Angeschlossen wurde alles mit 6mm² und jeweils 40A abgesichert. -Wird aber voraussichtlich mit 30A oder 35A ausgetauscht – mal sehen was die Praxis einen so lehrt.

Zwei Stromkreise, unendlich viele Gedanken

Von den Wandlern ging es weiter zur Sicherungsleiste – dem Verteilerzentrum unseres kleinen Strom-Universums.

Spannend: Die Wandler lassen sich separat schalten.
Heißt: zwei Stromkreise.

Aber Achtung:
Maximal 20A pro Wandler gleichzeitig.

Also mussten wir uns überlegen: Wer darf, wer nicht?

Der Kühlschrank?
Zu durstig → fliegt raus.

Der Rest?

  • Licht
  • Lüfter
  • Steckdosen (aka Zigarettenanzünder)
  • Pumpen

Alles machbar.

Unsere Lösung:

  • Lichter + Pumpen auf einen Wandler
  • Osmoseanlage und Fahrradladegerät jeweils eigene Wandler

Klingt durchdacht. War es auch… nach dem dritten Versuch.

(C) Ernst und Meike Wagner

Schalter, Schalter überall

Natürlich braucht das Ganze auch Bedienelemente.

Also haben wir Schalter verteilt wie ein Eichhörnchen seine Nüsse:

  • Küche → Arbeitslicht, Wasserpumpe, Osmose
  • Eingang → Garderobenlicht
  • Bett → Nachtlicht

Und ja, ein Teil davon sitzt direkt im Schaltschrank.
Der Rest da, wo man ihn wirklich braucht. (Revolutionär, wir wissen.)

Zukunftssicher (oder zumindest tun wir so)

Wir kennen uns inzwischen gut genug, um zu wissen:
Uns wird noch Zeug einfallen.

Deshalb haben wir bewusst Platz im Schaltschrank gelassen.
Für spontane Ideen, unnötige Spielereien oder „das brauchen wir unbedingt noch“-Momente.

Der Realitätscheck

Am Ende kommt der wichtigste Schritt:
Ein echter Elektriker schaut sich das Ganze an.

Denn wie es so schön im TÜV-Merkblatt heißt:
„Die elektrische Anlage soll fachgerecht installiert sein.“

Und „wir haben uns wirklich Mühe gegeben“ zählt da leider nicht.

Unser innerer Monk gab mir keine Ruhe. So haben wir das nochmals auf unserer Weite geprüft:
Mittels Dauerlast von 2,5KW für ca 1 Std. das Ergebnis beruhigt:

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Aber:
Wenn der Fachmann nickt – dann schlafen wir definitiv ruhiger.

Und unser LKW hoffentlich auch.

Vorbereitungen für die Umschlüsselung

 

 

Es gibt diese Momente im Ausbau eines Fernreisemobils, in denen man plötzlich merkt: Jetzt wird’s ernst. Nicht mehr nur Flex, Holzstaub und „Ach, das machen wir später noch hübsch“, sondern Behörden, Vorschriften und Menschen mit Klemmbrett. In unserem Fall bedeutete das: Die Umschlüsselung unseres LKW zum Wohnmobil rückt näher.

Und genau an diesem Punkt wurde uns klar, dass wir uns langsam – wirklich langsam – einen Terminplan überlegen sollten. Also nicht nur das klassische „Das bauen wir irgendwann mal ein“, sondern eher „Wann genau muss das Ding so aussehen, dass der TÜV nicht spontan in Ohnmacht fällt?“.

Wer unseren bisherigen Ausbau verfolgt hat, weiss ja: Perfektion ist bei uns eher ein dynamischer Zielzustand. Wer sich das Elend bzw. den Fortschritt noch einmal ansehen möchte, findet den bisherigen Wahnsinn übrigens hier in unserer Kategorie: „Ausbauverlauf“ – dort sieht man sehr schön, wie aus einem LKW nach und nach etwas entsteht, das irgendwann einmal entfernt an ein Wohnmobil erinnern könnte.

Unser Fahrzeug ist aktuell noch ganz offiziell für den Güterverkehr zugelassen. Das klingt wichtig, fühlt sich aber im Moment ungefähr so passend an wie ein Smoking beim Ölwechsel. Ziel ist natürlich die Umschlüsselung zum Sonderkraftfahrzeug Wohnmobil.

Das bedeutet allerdings:
Man braucht jemanden, der sich das ganze Projekt anschaut und am Ende sagt: „Ja, das kann man guten Gewissens als Wohnmobil durchgehen lassen.“

Klingt einfach.

Ist es nicht.

Denn wie wir lernen durften, darf das nicht jeder TÜV-Prüfer machen. Auch hier gibt es – Überraschung – Vorschriften. Der Prüfer benötigt nämlich eine besondere Befähigung, um ein Vollgutachten nach §21 StVZO durchführen zu dürfen.

Mit anderen Worten:
Man braucht einen Prüfer, der nicht nur Ahnung hat, sondern auch offiziell Ahnung haben darf.

Also begann eine kleine Odyssee durch Telefonate, E-Mails und gelegentlich ratlose Gesichter. Der typische Gesprächsverlauf war ungefähr so:

„Hallo, wir bauen gerade einen LKW zum Wohnmobil um…“

Kurze Pause.

„…ah.“

Noch längere Pause.

„Dafür brauchen Sie jemanden mit §21.“

Genau. Den suchen wir ja.

Nach einigen Umwegen – und vermutlich dank einer guten Portion Glück – haben wir dann tatsächlich einen Prüfer gefunden, der sich unseres Projekts annehmen wollte. Auch wenn „Zeit haben“ bei ihm eher bedeutet: ein sehr kleines Zeitfenster zwischen zwei sehr großen Terminen.

An dieser Stelle möchten wir wirklich einmal ein großes Dankeschön aussprechen. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass jemand sich die Zeit nimmt, sich ein halb fertiges, staubiges und teilweise noch sehr optimistisches Ausbauprojekt anzuschauen.

Der Prüfer war also bereits bei uns und hat sich unser Fahrzeug im aktuellen Zustand angesehen. Das ist ungefähr so, als würde man einem Architekten eine Baustelle zeigen, bei der noch nicht ganz klar ist, ob es ein Haus oder doch eher ein modernes Kunstprojekt wird.

Wir haben ihm also unseren aktuellen Ausbaustand präsentiert – inklusive der typischen Baustellenklassiker:

  • „Hier kommt später noch etwas hin.“

  • „Das ist nur provisorisch.“

  • „Die Schrauben tauschen wir natürlich noch.“

Er blieb erstaunlich ruhig.

Und dann kam das Dokument ins Spiel, das jeder angehende Wohnmobilbauer irgendwann kennenlernen sollte:

👉 https://shop.tuev-verband.de/merkblaetter/MB-FZMO-Fahrzeug-und-Mobilitaet/Anforderungen-an-die-Fahrzeugart-Wohnmobil-MB-FZMO-740

Das TÜV-Verband Merkblatt MB FZMO 740 beschreibt ziemlich genau, welche Anforderungen ein Fahrzeug erfüllen muss, um als Wohnmobil zu gelten. Wir können nur jedem ans Herz legen, da einmal reinzuschauen – idealerweise bevor man anfängt, Dinge fest einzubauen, die später wieder raus müssen.

Glücklicherweise konnten wir bei unserem Ausbau bereits einige dieser Anforderungen berücksichtigen. Nicht unbedingt, weil wir besonders clever sind, sondern eher, weil wir uns frühzeitig ein bisschen eingelesen haben. Und weil wir das Internet sehr intensiv mit Fragen genervt haben.

Wer sehen möchte, wie sich diese Planung in unserem Ausbau niedergeschlagen hat, findet dazu ebenfalls einige Beiträge im bisherigen Ausbauverlauf:

Nach der Besichtigung kam der Satz, der uns für den Rest der Woche erstaunlich gute Laune beschert hat:

„Ihr seid eigentlich ganz gut dabei.“

Man muss verstehen: Für uns klang das ungefähr so, als hätte jemand gesagt:
„Das wird am Ende vermutlich wirklich ein Wohnmobil.“

Natürlich gab es auch einige Hinweise und Vorgaben. Dinge, die noch umgesetzt werden müssen, Dinge, die so bleiben können, und Dinge, bei denen man besser nicht nachfragt, warum sie so sind.

Aber insgesamt war das Feedback positiv genug, dass wir gemeinsam einen groben Terminplan für die Abnahme festlegen konnten.

Wenn alles halbwegs nach Plan läuft – und wir nicht wieder in eine spontane „Das könnten wir auch noch schnell ändern“-Phase verfallen – möchten wir Ende April den ersten Versuch der Umschlüsselung wagen.

Bis dahin muss das Fahrzeug im Groben den Anforderungen für ein Wohnmobil entsprechen.

Das bedeutet:

Schlafen, sitzen, kochen und wohnen muss erkennbar sein.

Ob alles perfekt ist?
Natürlich nicht.

Aber perfekt ist im Fahrzeugausbau ohnehin ein sehr theoretisches Konzept.

Falls jetzt jemand denkt, dass mit der Umschlüsselung der Ausbau abgeschlossen ist, müssen wir leider enttäuschen.

Ein Fahrzeugausbau ist wie eine Dauerbaustelle mit Rädern.

Es gibt immer noch etwas zu verbessern, umzubauen oder komplett neu zu denken. Wer uns also weiterhin bei diesem kreativen Chaos begleiten möchte, wird auch in Zukunft genügend Material im Ausbauverlauf finden:

Denn eines können wir jetzt schon versprechen:

Langweilig wird es ganz bestimmt nicht.

230V-Anlage zieht ein

(C) Ernst und Meike Wagner

Wer unseren bisherigen Ausbauverlauf verfolgt hat, weiss: Beim Projekt HeilixBlechle wird viel geplant, viel geflucht – und erstaunlich oft funktioniert am Ende sogar etwas. Nachdem wir bereits unseren Elektroschrank gebaut haben (siehe unseren Beitrag zum Elektroschrank im Kofferaufbau), stand nun der nächste logische Schritt an:
Die 230-Volt-Anlage zieht ein.

Und ja, ab diesem Punkt wird aus „ein bisschen Camper basteln“ plötzlich „bitte nichts falsch machen, sonst wird’s spektakulär“.

Unser Elektroschrank steht bereits und ist mehr als nur eine hübsche Holzkiste mit Kabeln. Er ist ein zentraler Baustein – nicht zuletzt auch im Hinblick auf die spätere Umschlüsselung des Fahrzeugs. Ohne saubere Elektrik kein „Prüferlächeln“, und ohne „Prüferlächeln“ kein Wohnmobil.

Mit anderen Worten:
Der Schrank ist das Gehirn unseres fahrenden Chaosprojekts.

Wer unsere bisherigen Bauetappen kennt, weiss: Planung ist bei uns meistens eine Mischung aus Skizze, Kaffeesatz und optimistischem Schulterzucken. Trotzdem musste hier ausnahmsweise einmal präzise gedacht werden.

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

 

Für unsere 230-Volt-Versorgung haben wir uns einen 2,5-kW-Wechselrichter gegönnt. Klingt erst mal harmlos. Ist es aber nicht.

Denn bevor das gute Stück überhaupt irgendwo festgeschraubt werden durfte, mussten wir zuerst klären, wo unsere Batterien überhaupt wohnen sollen.

Und plötzlich wird klar:
Eine Batterie ist nicht einfach nur eine Batterie. Sie ist ein ziemlich energiereiches Objekt, das im Zweifel mehr Leistung freisetzen kann als unsere gesamte Planungskompetenz verkraftet.

Um es plastisch auszudrücken:
Wenn da theoretisch 5 kW Energie gleichzeitig frei werden, dann ist das kein „Oops“, sondern eher ein „Feuerwehr bitte sofort“.

Also kam als erstes ein Deckel auf die Batterie. Ganz simpel, ganz unspektakulär – aber extrem wichtig.
Denn nichts wäre peinlicher, als wenn irgendeine Schraube, ein Werkzeug oder ein besonders neugieriger Bastlerfinger plötzlich einen Kurzschluss produziert.

Bei der Batterieposition ging es nicht nur um Platz, sondern auch um Logik.

Der Not-Aus-Schalter soll vorne im Schrank sitzen, gut erreichbar – also auch dann, wenn man gerade hektisch versucht herauszufinden, warum irgendwo etwas komisch riecht.

Daraus ergab sich automatisch:

  • Pluspol links

  • Minuspol rechts bzw. an der Rückwand

Am Minuspol sitzt später auch direkt der Shunt, damit wir jederzeit sehen können, was unsere Batterie gerade treibt.

Oder anders gesagt:
Ob sie fleissig Energie liefert – oder still und heimlich beleidigt leer wird.

(C) Ernst und Meike Wagner

Nachdem Batterieposition und Sicherheitsüberlegungen geklärt waren, ging es wieder zum eigentlichen Thema zurück:
Der Wechselrichter braucht ein Zuhause.

Und hier kam unser nächstes kleines Ausbau-Detail ins Spiel.

Unsere Schrankwände bestehen aus 10-mm-Holzplatten. Das ist leicht, stabil – und für viele Dinge absolut ausreichend.

Aber ein Wechselrichter in einem LKW-Koffer erlebt während der Fahrt etwas, das man höflich „ständige Vibrationen“ nennt.

Oder weniger höflich:
Dauerhafte Schüttelprüfung für jedes Bauteil.

Deshalb wollten wir das Gerät nicht einfach ins Holz schrauben. Stattdessen haben wir Alu-Profile verbaut, auf denen der Wechselrichter stabil befestigt wird.

Das Ergebnis:
Mehr Stabilität, weniger Risiko, und eine deutlich geringere Wahrscheinlichkeit, dass uns irgendwann während der Fahrt ein 2,5-kW-Gerät entgegenkommt.

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Direkt neben dem Wechselrichter sitzt unser Sicherungskasten.

Dabei war uns ein Punkt besonders wichtig:
230-Volt-Kabel und 12-Volt-Kabel sollen sich möglichst nicht begegnen.

Nicht weil sie sich nicht mögen – sondern weil wir später noch verstehen möchten, welches Kabel eigentlich wofür zuständig ist.

Also haben wir die Leitungen sauber getrennt geführt.
Alle Kabel laufen ordentlich in den Sicherungskasten, werden dort verklemmt, und von dort aus gehen die Leitungen weiter zu den Steckdosen.

Das Ziel war klar:
Wenn irgendwann etwas nicht funktioniert, möchten wir nicht archäologisch nach Kabeln graben müssen.

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Nachdem alle Steckdosen verkabelt und verschraubt waren, folgte der wichtigste Schritt:

Nachmessen. Alles. Mehrfach.

Denn Elektrik ist kein Bereich, in dem man mit einem optimistischen
„Das wird schon passen“ arbeiten sollte.

Erst nachdem wirklich alles überprüft war, wurde die Batterie an den Wechselrichter angeschlossen. Danach haben wir die Vorrangschaltung und Ladeeinheit getestet, kontrolliert ob alles sauber arbeitet – und uns langsam an den ersten Test der Anlage herangetastet.

Ein Moment voller Spannung.

Im wahrsten Sinne des Wortes.

Nun ja.

Sagen wir so:
Es hat nichts gebrannt, nichts hat geknallt und wir mussten keinen Feuerlöscher benutzen.

Für ein DIY-Projekt unserer Kategorie ist das bereits ein sehr solides Zwischenergebnis.

Und damit steht fest:
Unsere 230-Volt-Anlage im LKW-Kofferaufbau lebt.

Wie es weitergeht – und welche neuen Herausforderungen unser Ausbauprojekt für uns bereithält – erfahrt ihr natürlich im nächsten Beitrag unseres Ausbauverlaufs.

Wir ahnen bereits:
Langweilig wird es nicht.

Fortsetzung folgt …

Es wird wieder umgeplant

 

 

Wer unseren Ausbauverlauf schon eine Weile verfolgt, weiß: Bei uns ist ein Plan ungefähr so stabil wie ein Kartenhaus im Ventilator. Wir machen uns Gedanken, zeichnen Skizzen, messen alles dreimal nach… und bauen es dann trotzdem anders. Manchmal freiwillig. Manchmal, weil uns die Realität freundlich aber bestimmt darauf hinweist, dass unser Plan ungefähr so praxisnah war wie ein Whirlpool im Handschuhfach.

Diesmal ging es um das Thema Gasinstallation im LKW-Kofferaufbau.
Ein Thema, bei dem man als Selbstausbauer sehr schnell merkt, dass „Pi mal Daumen“ keine offiziell anerkannte Maßeinheit ist.

Unsere Idee war eigentlich ziemlich genial. Also zumindest fanden wir das.

Die Gasflasche sollte auf der Fahrerseite hinter einer Außenklappe sitzen. Schön zugänglich, ordentlich befestigt und natürlich so, dass wir jederzeit an die Verschlüsse der Halterung kommen.

Direkt daneben wollten wir noch eine zusätzliche Zwischentür in den Gaskasten einbauen. Dadurch hätten wir durch die gleiche Außenklappe nicht nur die Gasflasche erreichen können, sondern auch unsere Wasserversorgung und die Anschlüsse der Außenversorgung direkt neben Martha.

(C) Ernst und Meike Wagner

Kurz gesagt:
Ein cleverer, kompakter Technikbereich.

Ein kleines Meisterwerk deutscher Garageningenieurskunst.

Also… auf dem Papier.

Das einzige kleine Detail:
Der Gaskasten hätte dafür zwei Türen gebraucht.

Und genau hier beginnt die Stelle der Geschichte, an der wir uns selbst fragen, warum wir nicht vorher jemanden gefragt haben, der sich wirklich damit auskennt.

Bevor wir also fröhlich Löcher in unseren Kofferaufbau schneiden und danach versuchen zu erklären, warum da plötzlich zwei Türen im Gaskasten sind, hatten wir eine seltene Eingebung:

Wir fragen vorher den Gasmann.

Eine Entscheidung, die im Nachhinein betrachtet ungefähr so klug war wie ein Sicherheitsgurt im Auto.

Der gute Mann hörte sich unsere grandiose Planung geduldig an, nickte ein paar Mal und sagte dann einen Satz, der in etwa die Wirkung eines Presslufthammers auf ein Kartenhaus hatte:

„Ein Gaskasten darf nur eine Tür haben.“

Ende der Planung.

Applaus.

Vorhang.

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

Das besonders Ironische daran:

Diese Seite unseres Aufbaus hat ohnehin schon eine gewisse… Geschichte.

Kurz gesagt:
Diese Seite unseres Fahrzeugs scheint ein Eigenleben zu führen.

Denn genau hier haben wir bereits einmal eindrucksvoll bewiesen, dass man auch mit viel Enthusiasmus komplett danebenliegen kann.

Wer sich noch einmal anschauen möchte, wie wir diese Fahrzeugseite bereits einmal erfolgreich verhunzt haben, darf gerne hier nachlesen:

Und weil wir offensichtlich der Meinung waren, dass ein Fehler alleine sich langweilt, folgte kurz darauf noch eine Planänderung, die uns eine wunderbar sichtbare Alu-Profilstange quer durch das obere Drittel der Außenklappe beschert hat:

Kurz gesagt:
Diese Seite unseres Fahrzeugs scheint ein Eigenleben zu führen.

Ich bin inzwischen relativ sicher, dass irgendwo im Blech ein kleiner Dämon wohnt, der immer dann aktiv wird, wenn wir glauben, einen guten Plan zu haben.

Und genau dort wollten wir jetzt auch noch die Gasinstallation unterbringen.

Was soll da schon schiefgehen.

Während ich noch damit beschäftigt war, unsere Planung innerlich zu betrauern und überlegte, ob man einen Gaskasten vielleicht einfach unsichtbar denken kann, kam von Meike eine neue Idee.

Eine von diesen Ideen, bei denen man kurz denkt:
„Moment… das ist eigentlich ziemlich clever.“

Ihre Lösung:

Der Gaskasten kommt einfach in das 2. Segment der Eckbank.

Genauer gesagt in das mittlere Segment der Sitzbank.

(C) Ernst und Meike Wagner

Der Raum ist dort zwar ungefähr so großzügig bemessen wie eine Economy-Class-Beinfreiheit bei Billigfliegern, aber technisch funktioniert es.

Der Zugriff erfolgt von oben über die Sitzfläche.
Das bedeutet zwar, dass man im Zweifel erst einmal das Sitzpolster anheben muss, aber dafür erfüllt der Gaskasten eine ganz wichtige Vorschrift:

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

Er hat nur eine Tür.

Der ursprüngliche Raum hinter der Außenklappe bleibt dadurch frei für unsere:

  • Wasserversorgung

  • Außenanschlüsse

Und ganz ehrlich:
In kreativen Umplanungen und gepflegtem Improvisationspfusch haben wir inzwischen wirklich Übung.

Jetzt muss nur noch der Gasmann seinen Segen geben.
Und vielleicht ein kleines Stoßgebet sprechen.

Die Gasflasche soll an der Innenwand an zwei Punkten befestigt werden.

Davor sitzt der Crashsensor von GOK, der über einen Schlauch an ein starres Gasrohr angeschlossen wird.

Dieses Gasrohr verschwindet dann durch den Boden nach draußen.

Dasselbe Prinzip gilt für:

  • unsere Gas-Außenversorgung

  • den Herd mit Backfunktion

Unter dem Fahrzeug werden diese drei Gasleitungen miteinander verbunden.

Der Vorteil:
Im Innenraum bleiben die Rohrstrecken möglichst kurz.

Und je weniger Gasleitungen im Innenraum herumturnen, desto besser schläft man nachts. Besonders wenn man weiß, wer sie eingebaut hat.

Natürlich wäre es kein echter Ausbaufortschritt bei uns, wenn nicht irgendwo noch ein kleines Problem lauern würde.

Unser Herd hat nämlich einen sehr eigenen Charakter.

Der starre Gasanschluss sitzt – von vorne betrachtet – hinten auf der linken Seite.

Das wäre vollkommen unproblematisch…
wenn der Herd nicht bereits eingebaut wäre.

Das bedeutet nun, dass wir irgendwie ein starres Gasrohr anschließen müssen, während der Herd bereits fest im Möbel sitzt und uns dabei ungefähr so viel Bewegungsfreiheit lässt wie ein Zahnarzttermin mit Handschellen.

Die aktuelle Idee sieht folgendermaßen aus:

Das Gasrohr wird am Herd angeschlossen, dann nach rechts bis zur Küchenseitenwand geführt, die sich in Richtung Schiebetür befindet. Dort machen wir eine 90-Grad-Biegung nach unten, bevor das Rohr durch den Boden nach draußen verschwindet.

Durch diese Führung sollte ein kleines bisschen Spiel im Rohr entstehen – gerade genug, um den Anschluss am Herd überhaupt montieren zu können, ohne gleichzeitig die komplette Küche wieder zu zerlegen.

Zumindest ist das der Plan.

Und wie wir inzwischen wissen, ist ein Plan bei uns vor allem eines:

Eine spannende Vermutung darüber, wie es vielleicht funktionieren könnte.

Wenn man eines aus unserem Ausbauprojekt lernen kann, dann vermutlich das:

Selbstausbau besteht zu etwa

  • 20 % aus Planung

  • 30 % aus Bauen

  • und zu 50 % aus Umplanen

Manchmal fühlt sich das Ganze ein bisschen so an, als würde man ein Puzzle zusammensetzen, bei dem ständig jemand neue Teile dazulegt.

Aber genau das macht den Ausbauverlauf von Heilix Blechle auch aus:
Es läuft nicht perfekt.

Es läuft realistisch.

Mit Ideen, Fehlplanungen, spontanen Geistesblitzen und der gelegentlichen Erkenntnis, dass man vielleicht doch noch einmal jemanden fragen sollte, der sich wirklich damit auskennt.

Und deshalb sind wir uns ziemlich sicher:

Dieser Plan wird auch nicht der letzte gewesen sein.

Fortsetzung folgt.
Sehr wahrscheinlich nach der nächsten Planänderung.

Categories: Ausbauverlauf, Gas, Koffer

Wer ist Martha

 

Du kennst das vielleicht.
Du baust seit Wochen an deinem LKW-Kofferaufbau, misst, sägst, fluchst – und plötzlich starrt dich ein großes, leeres Fenster an. Und dieses Fenster denkt sich: „Hier fehlt was.“

Nicht technisch. Nicht funktional.
Sondern emotional.

Genau da standen wir. Mitten im Ausbauverlauf unseres LKW-Kofferaufbaus. Die Eckbank war eingebaut, der Rücken zur Fensterseite – großartig zum Sitzen, eher mäßig für die Aussicht. Der untere Bereich des Fensters? Dauerhaft verdeckt. Der obere? Zu viel Einblick von draußen.

Und so begann die Suche nach… nun ja… einem Mitreisenden.

Heute ist es Zeit, euch Martha vorzustellen:

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Martha ist kurzsichtig. Sie trägt Brille. Und sie reist ab sofort immer mit uns.

Warum ein Lama?
Warum mit Brille?
Warum überhaupt?

Ganz einfach: Weil wir es können. Und weil der LKW-Kofferaufbau nicht nur Technik ist, sondern Persönlichkeit.

Durch unsere Eckbank – Rücken zur Fensterseite – bleibt der untere Bereich des Fensters dauerhaft verdeckt. Von innen siehst du dort: nichts. Absolut nichts.

Und genau dort sitzt Martha.

Ja, richtig gelesen.
Unser kurzsichtiges Lama mit Brille klebt im Bereich, den man von innen gar nicht sieht.

Und Warum?
Weil genau dieser Teil von außen sichtbar ist – und wir keine Lust auf „nacktes Fenster“ hatten.  Der obere Bereich des Fensters – also von der Oberkante der Eckbank bis zur Decke – bleibt weiterhin frei. Und genau dort könnten künftig Blisses angebracht werden, um diesen sichtbaren Restbereich bei Bedarf abzudecken.

Kurz gesagt:
Unten klebt das Lama.
Oben wäre Platz für Blisses.
Innen sieht man davon… nichts.
Aussen hingegen reist jetzt Martha mit.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Wenn du eine Fensterfolie aufbringen willst, brauchst du:

  • Ein perfekt gereinigtes Fenster
  • Destilliertes Wasser (wir haben Osmosewasser verwendet – man gönnt sich ja sonst nichts)
  • Eine Rakel
  • Ein Kuttermesser oder Teppichmesser
  • Und die naive Hoffnung, dass alles beim ersten Mal klappt

Das Fenster wurde also penibel gereinigt. Wirklich penibel. So sauber war es wahrscheinlich nicht mal beim Einbau.

Dann: ordentlich mit Osmosewasser einsprühen. Schön einnässen. Nicht zaghaft. Das Glas soll aussehen, als hätte es gerade ein Wellness-Wochenende hinter sich.

Anschließend die Folie von der Trägerfolie lösen.

Und genau hier passierte es.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Statische Aufladung – oder wie man sich unsichtbare Feinde ins Kunstwerk holt

Beim Abziehen entstand eine statische Aufladung.
Was wir nicht bemerkten: Diese lud charmant sämtliche in der Werkstatt schwebenden Schmutzpartikel ein.

Wir bemerkten es nicht.

Wir sprühten die Folie ebenfalls mit Osmosewasser ein.
Legten sie nass auf die Scheibe.
Strichen mit der Rakel von innen nach außen Luft und Wasser heraus.
Schnitten die Überstände mit dem Teppichmeser ab.

Und standen da.
Bewunderten Martha.
Feierten uns ein kleines bisschen.

Exakt auf Mass?
Übrigens eher hinderlich. Beim Aufbringen merkten wir schnell: Ein paar Millimeter mehr Spielraum wären deutlich entspannter gewesen. Also wurde sauber nachgeschnitten.

Fertig war das Kunstwerk.

Dachten wir.

Ein paar Tage später, das Licht fiel schräg ins Fenster.

Und da waren sie.
Die kleinen, fiesen Schmutzpartikel. Eingeschlossen. Für die Ewigkeit konserviert.

Nicht dramatisch.
Aber sichtbar.

Also falls du gerade planst, deinen LKW-Ausbau mit einer Fensterfolie aufzuhübschen:

👉 Eine Werkstatt ist dafür nicht der richtige Ort.
Wirklich nicht.

Staub gewinnt hier immer.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Warum Martha trotzdem bleibt

Ja, da sind kleine Partikel.
Ja, wir wissen jetzt, wie es besser geht.
Ja, wir würden es beim nächsten Mal anders machen.

Aber ganz ehrlich?

Martha gehört inzwischen dazu. Sie sitzt da, kurzsichtig wie eh und je, blickt nach draußen und erinnert uns daran, dass der Ausbauverlauf eines LKW-Kofferaufbaus nicht perfekt sein muss.

Er muss nur unserer sein. Und wenn wir irgendwann Blisses nachrüsten, dann nur, wenn Martha damit einverstanden ist.

Für alle, die es technisch exakt wissen wollen:

Fenster reinigen.
Mit destilliertem Wasser oder Osmosewasser einsprühen.
Folie vorsichtig von der Trägerfolie lösen.
Auch die Folie befeuchten.
Nass auflegen.
Mit Rakel von innen nach außen ausstreichen.
Überstände mit scharfem Kuttermesser oder Teppichmesser sauber schneiden.
Staub vermeiden. Unbedingt.

Und falls doch etwas schiefgeht:
Ein Lama mit Brille macht alles besser.

Wenn du mehr über unseren Ausbau erfahren willst, stöbere gerne weiter im Ausbauverlauf. Hier wird geschraubt, geflucht, gelacht – und manchmal klebt auch einfach ein Lama am Fenster.

Elektroschrank wird eingebaut

(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Es gibt Projekte im Ausbau, da denkst du: „Das wird entspannt. Ein bisschen Aluprofil, ein paar Platten, paar Schrauben – Feierabendbier.“
Und dann gibt es Projekte wie unseren Elektroschrank im LKW-Kofferaufbau.

Kurzfassung: Ich war naiv. Sehr naiv. Fast schon bewundernswert naiv.

Was als „Ach, das bauen wir schnell rein“ begann, entwickelte sich zu einer Mischung aus Millimeter-Tetris, Zirkusakrobatik im Kofferaufbau und einem dauerhaften Duell mit einem Solarkabel, das offensichtlich eigene Lebensziele hatte.

 

Fangen wir mit dem Elefanten im Raum an.
Beziehungsweise mit dem Kabel an der Decke.

Im Rahmen unseres Solar-Projekts (ja, genau der Beitrag im Ausbauverlauf, in dem wir noch voller Euphorie waren) haben wir die Deckendurchführung minimal zu weit Richtung Ausgangstür gesetzt. Minimal im Sinne von: „Ach, das merkt man nie.“

Doch. Man merkt es. Immer. Bei jedem Handgriff.

Während des gesamten Einbaus hing dieses Solarkabel exakt da, wo wir gerade arbeiten mussten. Es war wie ein hyperaktiver Mitbewohner, der ständig fragt: „Was machst du da?“ – und sich dabei mitten ins Gesicht hängt.

 

(C) Ernst und Meike Wagner   (C) Ernst und Meike Wagner

 

Und als wäre das nicht genug, darf das Loch jetzt natürlich auch noch kaschiert werden. Dekorativ. Elegant. So, als wäre es gewollt gewesen. Architektonisches Statement quasi.

Spoiler: War es nicht.

(C) Ernst und Meike Wagner

Wie bei fast allem im Ausbauverlauf haben wir die Konstruktion zunächst aus Aluprofilen gebaut. Das klingt professionell. Stabil. Durchdacht.

In der Realität sah das so aus:

Einbauen.
Feststellen: Die obere horizontale Stange kollidiert mit dem Solarkabel.
Alles wieder lösen.
Stange raus.
Neu ausrichten.
Wieder einbauen.
Wieder fluchen.

Die obere Stange war in diesem Projekt ungefähr so beliebt wie ein Zahnarzttermin.

 

(C) Ernst und Meike Wagner     (C) Ernst und Meike Wagner

 

Das Beste: Wir konnten das Gestell nicht als Ganzes ausserhalb des Fahrzeugs zusammenbauen und dann einfach hineinstellen. Nein. Die Geometrie unseres LKW-Kofferaufbaus hatte andere Pläne. Ein elegantes „Eindrehen“? Nicht möglich. Nicht mal mit gutem Zureden.

Also haben wir das Gestell in drei Teilen ins Fahrzeug gebracht und es dort zusammengebaut. In einem Raum, in dem man sich ohnehin schon vorkommt wie ein überdimensionierter Origami-Kranich.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Erst als das Gestell an Ort und Stelle stand, konnten wir die exakten Masse für die Wände nehmen. Und hier kam der Boden ins Spiel.

Unser Boden ist in schwebender Bauweise konstruiert (siehe Unterkonstruktion im Ausbauverlauf). Klingt cool. Ist es auch.
Er ist nur… sagen wir mal… minimal beweglich.

Minimal heisst in unserem Fall: genug, um dich bei jedem Zuschnitt zu verunsichern.

Die Wände mussten an die Aussenwand angepasst werden, an die parallelstehende Wand und an einen Boden, der philosophisch eher als „Interpretation von Gerade“ durchgeht.

Wer glaubt, ein LKW-Kofferaufbau sei ein perfekter Quader, glaubt wahrscheinlich auch, dass beim Baumarkt immer alle Schrauben am richtigen Platz liegen.

Einschraubmuttern – 1 mm daneben und du weinst leise

Jetzt wurde es ernst.

 

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

 

Um die Einschraubmuttern exakt zu positionieren, musste alles komplett montiert und an der finalen Position fixiert sein. Und wenn ich „fixiert“ sage, meine ich: so viele Schraubzwingen, dass man meinen könnte, wir bauen ein mittelgrosses Holzschiff.

Wir haben Kreppband aufgeklebt und die Linien der Aluprofile eingezeichnet. In diesem Moment war es mucksmäuschenstill. Man hörte nur das leise Flüstern unserer Kleiderschrank-Erfahrung:

„Ein Millimeter daneben – und die Schraube passt nicht.“

Und ja. Ein Millimeter ist kein „Ach passt schon“.
Ein Millimeter ist der Unterschied zwischen „läuft“ und „alles nochmal“.

Also wieder alles abbauen. Auf eine gerade Fläche legen. Im zusammengebauten Zustand die Aluprofile exakt auf die aufgezeichneten Linien ausrichten. Festzwingen. Kontrollieren. Nochmal kontrollieren. Noch ein letztes Mal kontrollieren, weil Misstrauen mittlerweile unser Grundgefühl war.

Dann durch das Aluprofil in die Platte bohren. Aber nicht durchbohren!

Ich habe selten so konzentriert gebohrt. Wahrscheinlich hätte man mit dieser Fokussierung auch Herzchirurg werden können.

Reihenfolge – das unterschätzte Endgegner-Level

Nachdem alle Löcher gesetzt und mit Einschraubmuttern versehen waren, begann das grosse Finale. Und hier entscheidet die Reihenfolge darüber, ob du dich wie ein Profi fühlst – oder wie jemand, der gleich alles wieder auseinanderbauen darf.

Zuerst das Gestell an die Wand. Mit Abstandhaltern.
Dann die obere Stange einsetzen und verschrauben. Schraubensicherung nicht vergessen (wir haben inzwischen ein leicht paranoides Verhältnis dazu).
Dann die Innenwände verschrauben und verkleben.

Gerade auf der Garderobenseite war es wichtig, dass die Trennwand zwischen Elektroschrank und Garderobe vorher exakt ausgerichtet war. Sonst sieht das am Ende aus wie „gewollt und nicht gekonnt“ – und davon haben wir schon genug in unserem mentalen Archiv.

 

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

 

Zum Schluss das letzte Alu-Gestellteil einsetzen, verschrauben, verkleben.
Dann die Seitenwände einschieben und fixieren.

Und plötzlich – ganz plötzlich – sah es aus wie ein durchdachter, sauber integrierter Elektroschrank im LKW-Kofferaufbau. Fast so, als hätten wir gewusst, was wir tun.

Fast.

Der emotionalste Moment: Das Kabel verschwindet

Und dann kam er.
Der Moment, in dem ich endlich dieses Solarkabel ordentlich verlegen durfte.

Dieses Kabel, das uns Wochen lang begleitet, blockiert, provoziert hat. Dieses Kabel, das immer da war, wenn man es nicht brauchte.

Ich habe es verlegt mit einer Mischung aus Triumph und Genugtuung.
Es war kein grosser Meilenstein. Keine spektakuläre Technik. Kein Instagram-Moment.

 

Aber es war der Moment, in dem ich dachte:
„Jetzt habe ich dich besiegt.“

Zumindest bis zum nächsten Ausbauabschnitt.

Fazit: Elektroschrank bauen ist Charakterbildung

Der Bau unseres Elektroschranks war kein technisches Hexenwerk.
Er war eine Übung in Geduld. In Demut. Und in der Erkenntnis, dass Millimeter in einem LKW-Kofferaufbau eine eigene politische Partei gründen könnten.

Wenn du also gerade selbst an deinem Elektroschrank sitzt und dich fragst, warum nichts so passt, wie es sollte – willkommen im Club.

Du bist nicht unfähig.
Du bist nur in einem Kofferaufbau.

Und wenn am Ende alles sitzt, nichts wackelt und du die letzte Schraube festziehst, dann weisst du:
Du hast nicht nur einen Schrank gebaut.

Du hast ein Solarkabel gezähmt.

Und das ist mindestens genauso viel wert. 🚚🔧

Elektrik zieht ein

(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Irgendwann kommt in jedem Kofferaufbau der Moment, an dem man merkt: Jetzt wird’s ernst. Kein Holz, kein Blech, kein Dämmstoff mehr – sondern Elektrik. Diese unsichtbare Macht, die alles kann, aber nur dann, wenn man sie respektiert. Oder zumindest so tut, als wüsste man genau, was man da gerade verkabelt.

Bei uns zog die Elektrik nicht leise ein. Sie kam mit Kabeltrommeln, Kabelkanälen, Stirnrunzeln und der leisen Frage im Hinterkopf: „Haben wir das wirklich richtig geplant?“

Das Herzstück: Der Elektrokasten neben dem Eingang

Der Standort unserer zentralen elektrischen Anlage befindet sich direkt neben dem Eingang. Quasi der Ort, an dem alle Fäden – oder besser gesagt Kabel – zusammenlaufen. Von hier aus werden sämtliche Leitungen im Fahrzeug verteilt. Eine Entscheidung, die sich später als goldrichtig herausgestellt hat. Kurze Wege, gute Zugänglichkeit und im Notfall kommt man schnell ran, ohne halb im Bettkasten verschwinden zu müssen.

(C) Ernst und Meike Wagner

Ganz wichtig: Trennung von 230V und Gleichstrom. Nicht nur, weil Vorschriften das so wollen, sondern auch, weil wir keine Lust auf spontane Effekte hatten, die man sonst nur aus YouTube-Videos kennt. Um die beiden Stromarten schon auf den ersten Blick unterscheiden zu können, haben wir uns für orange Kabel bei 230V entschieden. Eindeutig, unmissverständlich und selbst im Halbschlaf zu erkennen.

Kabel auf Abstand – weil Wasser und Strom keine Freunde sind

Eine unserer besten Entscheidungen: Alle Leitungen werden hängend im Zwischenboden verlegt. Warum? Ganz einfach. Wasser hält sich nicht an Baupläne. Es sucht sich immer den tiefsten Punkt und breitet sich dort aus, als hätte es das alleinige Nutzungsrecht. Elektrik hingegen reagiert darauf eher… gereizt.

Durch die räumliche Trennung von Wasser und Elektrik stellen wir sicher: Sollte es jemals zu einem Wasserbruch kommen, bleibt die Elektrik davon unbeeindruckt. Oder zumindest größtenteils. Und genau deshalb bleibt der Boden frei und die Kabel schweben elegant darüber.

Die Unterkonstruktion aus Aluprofilen hat hier gleich zwei Vorteile. Erstens: stabil. Zweitens: perfekt, um Kabelkanäle daran zu befestigen. Und falls man später feststellt, dass ein Kabel doch lieber links statt rechts laufen sollte – kein Problem. Umsetzen, neu befestigen, keine Spuren. Das hat sich wirklich bewährt.

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Erste Etappe: Kleiderschrank, Bett und Nasszelle

Zuerst ging es mit allen Leitungen Richtung Kleiderschrank, Bett und Nasszelle. Für den Kleiderschrank haben wir ein 4 mm² Doppelkabel als Hauptleitung verlegt, an dem später die USB-Dosen hängen. Parallel dazu ein weiteres 4 mm² Kabel Richtung Bett – zuständig für Licht im Kleiderschrank, im Bettkasten, unter dem Bett und natürlich für die legendäre Bayernluft.

Von diesen Hauptleitungen zweigen dann 1,5 mm² Kabel zu den einzelnen Verbrauchern ab. Am Kopfende des Betts haben wir zusätzlich zwei 4 mm² Kabel verlegt: eines für die Nasszelle und eines für Bettkastenlicht, Nachtlicht und den Ventilator am Bett. Prioritäten müssen sein.

(C) Ernst und Meike Wagner

230V: Robust, orange und nicht beleidigt bei Berührung

Zusätzlich wurden 230V-Kabel vom Unterbett (aka Keller) Richtung Elektrokasten geführt – und von dort wieder zurück in den Keller sowie weiter zur Nasszelle. Hier kamen 2,5 mm² Kabel zum Einsatz. Robust gegen Scheuern, Öl und Säure. Ein Kabel, das nicht gleich beleidigt ist, wenn es mal etwas rauer zugeht. Genau das, was man in einem LKW-Kofferaufbau braucht.

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Zweite Bauphase: Boiler, Küche und die große Freiheit draußen

In der zweiten Bauphase gingen die 230V-Leitungen weiter Richtung Boiler, Kühlschrank und Wohnbereich. Ein weiteres Kabel versorgt die Küche, den hinteren Wohnbereich und den Außenbereich. Natürlich alles fein säuberlich in eigenen Kabelkanälen, so wie es die Vorschriften verlangen – und unser innerer Monk es sowieso nicht anders zugelassen hätte.

Parallel dazu wurden auch reichlich 12V-Kabel verlegt:
Ein 6 mm² Doppelkabel für den Kühlschrank, 4 mm² Doppelkabel für den Wohnbereich mit USB-Dosen und ein 2 mm² Doppelkabel für die Lichtversorgung innen und außen. Für die Außenversorgung kam noch ein 4 mm² Doppelkabel dazu, sowie ein 6 mm² Doppelkabel für den externen Solaranschluss.

Kabel, Kabel, nichts als Kabel

Inzwischen haben wir mehrere Meter Kabel verlegt. Viele Meter. Sehr viele Meter. Und trotzdem fühlt es sich so an, als wären wir gerade mal warmgelaufen. Denn vergessen wir nicht: Alle Schalter wollen ebenfalls versorgt werden. Und Schalter vermehren sich in einem Ausbauprojekt ungefähr so schnell wie gute Ideen kurz vor dem Einschlafen.

Aber Schritt für Schritt nimmt alles Form an. Und auch wenn es zwischendurch aussieht wie ein farbenfrohes Spaghetti-Monster im Zwischenboden – am Ende wissen wir, wofür jedes einzelne Kabel da ist. Meistens zumindest.

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Einbau des Kleiderschranks – Das Finale

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(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Da wir die Bayernluft ungewöhnlich verbauen (ja, wir lieben Herausforderungen), mussten wir das Ansaugrohr mit Amaflex dämmen, damit sich bei der hohen Luftfeuchte nicht sofort Kondenswasser bildet. Der Taupunkt sollte so weit wie möglich im Rohrwandbereich sein – physikalisch sinnvoll, emotional eher dramatisch. Also Dämmung unter den Zwischenboden, dann Rohrverbindungen im Schrankinneren. Hätte ein Physik-Professor gehofft, es wäre elegant. Wir nennen es: funktional mit B-Note.

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Endlich durften die IKEA-Körbe rein! – Hurra! Doch Stop. Die Sichtwand, die dem Schrank „ein Gesicht geben sollte“, hatte sich leicht verzogen (ständiges Stehen war wohl zu viel für ihren selbstbewussten Charakter).

Also standen wir wieder vor Ungenauigkeiten beim Verschrauben. Zwei Schrauben fanden ihren vorgesehenen Platz nicht. Eine davon hat beim Versuch des Wiederanschraubens sogar die Einschraubmutter mit herausgezogen. Herzlichen Glückwunsch, liebe Physik – wir sehen uns wieder beim nächsten Projekt.

(C) Ernst und Meike Wagner

Der vorletzte Schritt: Die Bayernluft endgültig wasserdicht und dämmtechnisch abgeschlossen. Rohre fixieren, damit sie während der Fahrt nicht anfangen zu tanzen.

Was noch fehlt, um diesen Kleiderschrank zur Legende zu machen:

  • Ein Boden oberhalb des IKEA-Korbsystems,

  • die Türen,

  • eine Kleiderstange,

  • und natürlich der Anschluss der Elektrik.

Aber hey: Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut – und wir haben immerhin den Schraubenzieher wieder gefunden. 😄

Beginn – Einbau des Kleiderschranks

(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Wenn du dachtest, einen Kleiderschrank in einen LKW zu bauen sei ungefähr so kompliziert wie ein IKEA-BILLY ohne Anleitung… dann herzlichen Glückwunsch, du liegst richtig. Willkommen zu einem weiteren Kapitel unseres unperfekten Perfektionismus – diesmal mit Aluminium, IKEA und der Bayernluft, die uns ständig in die Quere kommt.

Schon ganz früh, bevor Woodies und Schraubenliebe uns als Paar verband, wussten wir: Ein Schrank soll rein. Und zwar einer, der am Ende nicht aussieht, als hätte ihn ein Betrunkener konzipiert. 😉

Alles begann mit einem Rahmen aus Aluprofilen. Nicht irgendein Rahmen. Ein Rahmen, der perfekte Maße haben sollte. Also haben wir ihn gebaut, wieder angepasst, wieder verworfen, und wieder neu angepasst. Klingt nach Perfektion? – War es nicht. Aber immerhin mussten wir erstmal den Zwischenboden und die Lüftungsrohre der Bayernluft verbauen, die natürlich abhängig von der späteren Position des Schrankes sind. Und ohne IKEA-Korbsystem? Vergiss es. Das musste vorher drin sein, sonst hätte nix gepasst. – So ähnlich hatten wir es mit der Küche bereits praktiziert.

(C) Ernst und Meike Wagner (C) Ernst und Meike Wagner

Mit dem Rahmen in ungefähren Maßen von: „Sollte ungefähr passen“ gingen wir zur Holzwand über. Schraubzwingen dran, erstmal mit 3 mm Löchern vorbohren (so wie wir es bereits mit unseren Bettkasten geübt hatten) – damit man später auch schön gerade bohren kann, dachten wir. Und dann: sägen. Natürlich mit etwa 2 cm Überhang – weil wir bei allem Optimismus nie vergessen, ein bisschen Chaos mit einzubauen.

(C) Ernst und Meike Wagner

In einem besonders brillanten Moment hatten wir die glorreiche Idee, die Schranktür in den Schrank verschwinden zu lassen.
Spoiler: war keine gute Idee. 🤦‍♂️

Mit auf 5 mm aufgebohrten Löchern und Senkkopf-Fräskunst war das Aluprofil endlich bereit für Schrauben, die wir mit Einschraubmuttern so platzierten, dass von außen wirklich nichts zu sehen ist. – Wenn man denn richtige Einschraubmuttern in einem 11 mm Brett findet, ohne dass sie wieder rausschauen. Kleiner Tipp: Viel Kaffee hilft. Und Gelassenheit. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

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Nachdem das Gestell 20-mal an- und abgebaut war (gefühlte 200), kam der große Moment: Der definitive Einbau.
Zuerst die Wand am Bett fixiert, dann das Alugestell festgeschraubt und final an der Außenwand verschraubt. – Puh. Anschließend alle Kabel durch den Boden in den Schrank verlegt, Kabelkanäle verschraubt (damit es auch schick aussieht) und die Löcher für Zigarettenanzünder sowie die Bedienfelder unserer Heizung gebohrt. Natürlich alles vorher festgelegt, sonst hätten wir jetzt USB-Stecker aus der falschen Ecke fischen müssen. 😉

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Es wird warm – und zwar richtig Teil 3 Abgas und Verkabelung

 

 

Abgase, Schalldämpfer und schwäbische Improvisation

Jetzt fehlten noch Luftansaugung, Abgasführung und Schalldämpfer. Die Abgasrohre führten wir gemeinsam auf der Beifahrerseite nach außen und schlossen dort – stilecht – Moped-Schalldämpfer an.

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Blöd nur:
Anschlussstutzen: 25 mm Außendurchmesser
Schalldämpferrohre: 24 mm Innendurchmesser

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Ein Millimeter, der über Glück oder Verzweiflung entscheidet. Zum Glück hatten wir Zugriff auf eine Werkstatt, in der die Anschlussstutzen kurzerhand auf 24 mm gestaucht wurden. Gemacht, getan – und plötzlich passte alles wie angegossen.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön und Vergeltsgott an unsere Werkstatt. Ohne euch wäre das hier sehr viel lauter geworden.

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Innenraum: Kabelsalat, aber organisiert

Unter dem Fahrzeug war nun alles sicher verbaut, also ging es nach innen. Sämtliche Leitungen wanderten in Kabelkanäle, zusätzlich haben wir externe Temperatursensoren verbaut. Dazu kamen Strom- und Steuerleitungen zu den Bedienteilen.

(C) Ernst und Meike Wagner

Diese haben wir an unserem Kleiderschrank montiert – so können wir die Heizung bequem vom Bett aus steuern. Luxus pur. Dafür mussten die Leitungen allerdings spannungsfrei und vibrationssicher in eigenen Kanälen verlegt werden. Kein Klappern, kein Scheuern, kein späteres Bereuen.

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Der große Elchtest 🔥

Der erste Testlauf – auch liebevoll der große Elchtest genannt – verlief ausgesprochen erfolgsversprechend. Beide Heizungen liefen, nichts roch verdächtig und es wurde… nun ja… warm. – mit 4KW Sehr warm. Mission erfüllt.

(C) Ernst und Meike Wagner

Jetzt fehlen nur noch die Luftschläuche im Koffer, aber das ist ein Thema für ein anderes Kapitel im Ausbauverlauf. Wir wollen es ja spannend halten.

Wer mehr über unseren Ausbau erfahren möchte:
→ schaut euch auch die anderen Beiträge im Ausbauverlauf an. Trackbacks, Pingbacks, interne Verlinkungen – ihr wisst schon. 😉

Categories: Ausbauverlauf, Heizung, Koffer

Es wird warm – und zwar richtig Teil 2 – Kraftstoff

(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Diesel – aber bitte ordentlich beschriftet

Der nächste Schritt ließ nicht lange auf sich warten: Dieselzulaufleitungen. Beide Heizungen bekamen ihre eigene Leitung, fein säuberlich gemeinsam in einen Kabelschlauch eingefädelt und unter dem Fahrzeug Richtung Dieseltank verlegt.

Ganz wichtig – und wir können das nicht oft genug sagen: beschriften.
HZ 1 und HZ 2. Überall. Immer. Denn spätestens im Störfall einer Heizung wird man sich selbst dankbar sein, nicht Detektiv spielen zu müssen. Diese Logik haben wir übrigens konsequent bei allen Kabelarbeiten durchgezogen. Ordnung ist, wenn man trotzdem weiß, was man getan hat.

(C) Ernst und Meike Wagner

Die Einbauanleitung der Autotherm war dabei unser ständiger Begleiter (und moralischer Kompass):

  • Maximale Länge von Magnetpumpe zur Heizung: 4 Meter

  • Vom Dieseltank zur Magnetpumpe: maximal 1 Meter

  • Einbauhöhe und Neigung der Pumpen: 15–20 Grad

Mit all diesen Vorgaben im Hinterkopf haben wir die Position der zwei Magnetpumpen festgelegt, ebenfalls beschriftet, die Flussrichtung beachtet und sie auf ein Brett geschraubt. Dieses Brett wiederum wurde mit Vibrationsdämpfern am Fahrzeugrahmen befestigt. Alles sauber verbunden. Für den ersten Testlauf diente ein Dieselkanister, dessen Entnahmestutzen wir einfach mal pragmatisch hineingesteckt haben. Ingenieurskunst auf schwäbisch.

 (C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

Strom, Stecker und philosophische Fragen

Danach ging es an die Stromleitungen der Magnetpumpen. Diese wurden direkt an der Heizung durch den Boden geführt und entlang derselben Trasse wie die Dieselleitungen verlegt. Beim Crimpen der Stecker stellte sich dann die existenzielle Frage: Wo ist Plus, wo ist Minus?

(C) Ernst und Meike Wagner

Nach längerem Hin und Her (und der Erkenntnis, dass Magnetpumpen da recht entspannt sind) war klar: egal. Trotzdem haben wir eine saubere Logik eingehalten und alle Stecker gleich aufgebaut. Einfach fürs gute Gefühl. Der Unterbau war damit fast bereit für den ersten Testlauf.

Testweise muss erst mal der Dieselkanister herhalten. – Ein weiteres Loch im Dieseltank? – Lieber mal noch nicht.

Categories: Ausbauverlauf, Heizung, Koffer

Es wird warm – und zwar richtig Teil 1 – Der Boden

(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Es gibt diese Momente im Ausbau, da fühlt man sich kurz wie ein Heizungsbauer, ein bisschen wie ein Elektriker und zu großen Teilen wie jemand, der sehr mutig Löcher in seinen eigenen Fahrzeugboden bohrt. Spoiler: Genau so ein Moment war das hier.

Der Einbau unserer Autotherm 2D Heizungen – ja, Mehrzahl – verlief eigentlich ganz unspektakulär. Was im Ausbau-Jargon übrigens bedeutet: Es ist nichts explodiert, nichts gebrannt und wir mussten nur minimal fluchen. Ein voller Erfolg also.

(C) Ernst und Meike Wagner

Wie immer begann alles mit der wichtigsten aller Fragen: Wo zum Geier kommt das Ding eigentlich hin?
Oder besser gesagt: die Dinger. Denn wir haben uns nicht mit einer Heizung zufriedengegeben. Nein. Zwei mussten es sein. Eine, die primär die Wassertherme auf Temperatur bringt, und eine, die den Innenraum wärmt. Redundanz ist schließlich nicht nur ein schönes Wort, sondern fühlt sich nachts bei minus irgendwas auch sehr beruhigend an.

Löcher. Immer diese Löcher.

Nachdem der Einbauort festgelegt war (inklusive mehrmaligem Messen, Nachmessen und „sicher ist sicher“-Messen), ging es ans Eingemachte: Löcher in den Boden. Direkt danach wurden diese großzügig mit Sika ausgekleidet, damit Feuchtigkeit gar nicht erst auf dumme Gedanken kommt.

(C) Ernst und Meike Wagner   (C) Ernst und Meike Wagner   (C) Ernst und Meike Wagner   (C) Ernst und Meike Wagner

Da wir keine Lust haben, dass die Heizungen bei einem möglichen Wassereinbruch direkt baden gehen, haben wir sie leicht erhöht auf Rahmen gesetzt. Erst wurden alle Bauteile an den Heizungen montiert, in den Flansch versenkt und dann an ihre finale Position eingesetzt und verschraubt. Die Rahmen selbst bekamen ebenfalls eine ordentliche Portion Dichtmittel, damit wirklich kein Wasser zwischen die Bretter und in die Bodendämmung sickern kann. Paranoia? Vielleicht. Erfahrung? Ganz sicher.

(C) Ernst und Meike Wagner

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Categories: Ausbauverlauf, Heizung, Koffer

Die Wasserversorgung nimmt Formen an – Teil 2

(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Die Pumpe – Herzstück mit Schallschutzprogramm

Nun war die Pumpe an der Reihe. Für sie wurde eine eigene Holzplatte zugesägt, auf der alle notwendigen Komponenten ihren Platz fanden. Das Grundprinzip des Systems ist erfreulich logisch aufgebaut:
Vom Frischwasser geht es zunächst durch einen Grobfilter, weiter zur Lilie Membranpumpe, dann in den Druckausgleichsbehälter. Danach folgt ein Rückschlagventil, ein Druckminderer und schließlich die Verteilung in Warm- und Kaltwasserkreislauf. Der Warmwasserkreislauf führt über den Boiler zum Verbrühschutz, bevor zwei Leitungen – warm und kalt – ins restliche System gehen. Das gesamte System arbeitet mit 1,5 Bar. Nicht mehr, nicht weniger. Ordnung muss sein.

(C) Ernst und Meike Wagner

Der Pumpe selbst wurde besondere Aufmerksamkeit zuteil. Zwar verfügt sie bereits über einen eigenen Vibrationsdämpfer, aber wir wollten ganz sicher gehen. Also wurde ein zusätzliches Brett angefertigt, auf dem die Pumpe samt Dämpfer montiert ist. Dieses Brett wiederum sitzt auf weiteren Vibrationsdämpfern, die es vom Hauptbrett entkoppeln. Die Hoffnung: maximale Laufruhe und minimale Geräuschkulisse. Falls man trotzdem etwas hört, liegt es vermutlich an uns.

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Alles an seinem Platz – und erreichbar

Das komplette Pumpenbrett mit allen Komponenten wurde zwischen den beiden Frischwasserbehältern an den Bodenprofilen befestigt. Damit ist nun alles vorbereitet, um die Leitungen anzuschließen. Der große Elchtest – die finale Dichtigkeitsprüfung – steht noch aus, aber wir haben bewusst darauf geachtet, dass sämtliche Bauteile gut zugänglich bleiben. Denn nichts ist ärgerlicher als eine Undichtigkeit an einer Stelle, die man nur erreicht, wenn man zuvor den halben Ausbau rückwärts betreibt.

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(C) Ernst und Meike Wagner

Das Abwasser aus der Küche wird noch an den Abwasserbehälter angeschlossen. Die Wasserzulaufleitungen haben wir vorsorglich durch Elektrorohre geführt. So lassen sich die Leitungen bei Bedarf später einfach austauschen, ohne den Boden öffnen zu müssen. Durchfädeln statt aufstemmen – wir lernen dazu.

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Unser Ziel bleibt klar: Die Technik soll so einfach wie möglich sein. Komplex wird sie von ganz allein.

Die Wasserversorgung nimmt Formen an – Teil 1

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(oder: Wie man freiwillig Löcher in nagelneue Wassertanks bohrt)

Wasser ist Leben. Wasser ist Komfort. Wasser ist… im Kofferaufbau vor allem eines: eine Einladung zu kreativen Problemlösungen, philosophischen Grundsatzfragen und der ständigen Angst, dass es am Ende doch irgendwo tropft. Aber der Reihe nach.

Der Einbau unserer Wasserversorgung begann – wie so oft – nicht mit dem Frischwasser, sondern mit dem, was am Ende wieder weg soll: dem Abwasser. Dazu gibt es bereits einen eigenen Beitrag im Ausbauverlauf, auf den wir an dieser Stelle gerne verweisen (Abwasser gewürdigt). Nachdem dieser Teil zumindest theoretisch seinen Platz gefunden hatte, ging es nun an die Frischwasserbehälter. Mehrzahl. Weil einmal Wasser einfach nicht reicht.

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Um die endgültige Position der Frischwasserbehälter festlegen zu können, mussten zunächst die Aluprofile für die Sitzbänke sowie der Zwischenboden fertiggestellt werden. Klingt banal, bedeutet in der Praxis aber: messen, nochmal messen, zweifeln, neu messen und schließlich sägen – natürlich millimetergenau daneben.

Der Zwischenboden wurde zugesägt und zunächst nur provisorisch eingepasst. Erst danach ließ sich entscheiden, wo die Tanks wirklich hin dürfen. Oder besser gesagt: wo sie am wenigsten im Weg sind. Nachdem diese Grundsatzentscheidung gefallen war, konnten die Behälter vorbereitet werden.

Zuerst wurden die Frischwasserbehälter mit Holzstegen eingefasst und verklebt. Danach kamen Antirutschmatten auf den Boden, denn nichts ist unangenehmer als ein wandernder Wassertank während der Fahrt. Die Behälter wurden darauf platziert und abschließend mit Gewindestangen und Zurrbändern sicher am Boden fixiert. Bombenfest – zumindest solange man nicht darüber nachdenkt, wie viel Wasser eigentlich wiegt.

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Bevor die Tanks endgültig verschwinden durften, wurden sämtliche Löcher und Anschlüsse eingebaut. Ja, wir haben absichtlich Löcher in neue Wassertanks gebohrt. Nein, das fühlt sich nicht richtig an. Aber es muss sein. Anschließend folgte eine Dichtigkeitsprüfung, die erfreulicherweise ohne nennenswerte Überschwemmungen endete.

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Ventile vom OM904 müssen eingestellt werden

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Wenn der Vario endlich Aufmerksamkeit bekommt.

Wer schon einmal einen alten LKW gekauft hat, kennt dieses Gefühl: Du streichelst den Motorblock innerlich und sagst dir selbst beruhigend: „Ach, das machen wir dann später.“
Später kam. Und zwar in Form von Ventilen, die offenbar seit Jahren darauf gewartet haben, endlich auch mal Teil unseres Pflegeprogramms zu werden.

Nachdem der Motor unseres Varios bereits einige liebevolle Reinigungs- und Werterhaltungsmaßnahmen über sich ergehen lassen musste (er fand das mittelmäßig gut), war klar: Jetzt sind die Ventile dran. Rückblickend kann man sagen – der Motor war in der Vergangenheit wohl immer ordentlich gewartet worden. Der Kauf war also, zumindest was das Herzstück angeht, keine komplette Schnapsidee. Das ist ja auch schon mal was.

Bevor man irgendetwas einstellen kann, muss man natürlich erstmal sehen, was man da eigentlich einstellen will. Also ran an den Ventildeckel, oder wie Mercedes es nennt: die Zylinderkopfhaube unseres OM904LA.

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Dafür durfte zunächst die Seitenverkleidung oberhalb des Motorsteuergeräts weichen. Danach der Entlüftungsschlauch der Haube – ein Bauteil, das sich standhaft weigerte, freiwillig zu kooperieren. Anschließend noch schnell die fünf Stehbolzen lösen und schon lag das gute Stück offen vor uns. Mehr oder weniger.

Die Dichtung habe ich erstmal brav auf dem Zylindergehäuse gelassen. Nicht aus Faulheit, sondern aus taktischem Kalkül: Je weniger Dreck im Motor landet, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass man später anfängt zu weinen. Also außenrum mit einem kleinen, festen Pinsel alles sauber gemacht. Meditativ. Fast schon entspannend. Wenn man den Ölgeruch ignoriert.

(C) Ernst und Meike Wagner

Die Ventileinstellung selbst hat mich schon länger beschäftigt. Also nicht im Sinne von „Ich weiß, wie das geht“, sondern eher so: „Ich weiß, dass ich es irgendwann machen muss.“
Tage vorher habe ich mich durchs WIS gelesen und versucht, die Anleitung zu verstehen. Großes Thema: OT. Oberer Totpunkt. Klingt wichtig. Ist es auch. Nur… wie sieht der eigentlich aus?

(C) Ernst und Meike Wagner   (C) Ernst und Meike Wagner

Keine Ahnung. Wirklich keine.

Also kurzer Ausflug in die Werkstatt des Vertrauens, wo man mir erklärte, dass es auch einen Weg gibt, den Motor ohne akrobatische Höchstleistungen auf OT zu drehen. Dazu wird an der Unterseite des Motorblocks ein Deckel geöffnet, ein spezielles Werkzeug mit Zahnrädern angesetzt (eines davon greift direkt in den Motor), und dann kann man den Motor ganz gemütlich mit einer Ratsche drehen.

(C) Ernst und Meike Wagner

Ich habe gedreht. Viel gedreht.
Ob das jetzt wirklich OT war? Keine Ahnung.
Aber Zylinder 1 war laut Anleitung da, wo er sein sollte – und darauf kommt es ja bekanntlich an.

Nun ging es ans Eingemachte:

Die Auslassventile wurden mit 0,6 mm, die Einlassventile mit 0,4 mm eingestellt. Die Fühlerlehre kam dabei zum Einsatz – dieses wunderbare Werkzeug, das einem vorgaukelt, man wüsste genau, was man tut. Gemessen, nachgestellt, nochmal gemessen, minimal geflucht und solange korrigiert, bis sich das Zwischenmaß „richtig“ angefühlt hat. Fachbegriff.

(C) Ernst und Meike Wagner  (C) Ernst und Meike Wagner

Nachdem alles eingestellt war, wurde der Ventildeckel nochmal richtig schön sauber gemacht. Neue Dichtungen rein, alles wieder zusammengebaut und die Stehbolzen mit dem vorgegebenen Drehmoment von 30 Nm angezogen. Ja, Drehmomentschlüssel. Wir sind schließlich keine Barbaren.

Am Ende lief der Motor ruhig, zufrieden und vermutlich ein kleines bisschen dankbarer als vorher. Und ich hatte wieder etwas gelernt:
Ventile einstellen ist kein Hexenwerk – man muss nur wissen, wo man drehen darf. Und wo besser nicht.

Fazit:
Ein weiterer Schritt im Ausbauverlauf unseres LKW-Kofferaufbaus. Kein spektakulärer Umbau, kein Instagram-tauglicher Möbelbau – aber ehrliche Schrauberarbeit. Und genau die gehört eben genauso dazu.

Die Ventile sind jetzt eingestellt.
Der Motor ist glücklich.
Und wir… wir haben wieder ein Kapitel mehr in der Kategorie Ausbauverlauf.

Categories: Ausbauverlauf, Motor

Doppelter Boden wird angepasst

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(C) Ernst und Meike Wagner

Im Ausbauverlauf unseres LKW-Kofferaufbaus gibt es Momente, da denkt man: „Jetzt läuft’s.“ Und genau dann kommt der doppelte Boden und erinnert einen freundlich, aber bestimmt daran, dass Holz, Wasser­tanks und Millimeter eine sehr eigene Vorstellung von Perfektion haben. Spoiler: Am Ende passt alles. Wirklich. Sogar richtig gut.

Zunächst einmal die gute Nachricht: Die Sitzbänke haben inzwischen ziemlich genau ihre spätere Endposition erreicht. Ein Meilenstein, denn damit war klar, ob unser zweiter Wassertank unter den Fußraum passt – und er passt. Fast schon ein bisschen zu gut, aber dazu später. Auch der Abstand der Sitzbank zur PSK-Tür ist ausreichend, sodass sich die Tür ungehindert öffnen und schließen lässt. Ein Detail, das man spätestens dann zu schätzen weiß, wenn man nicht jedes Mal akrobatische Einlagen beim Ein- und Aussteigen hinlegen möchte.

Bevor wir uns jedoch dem Zwischenboden widmen konnten, musste der Wassertank fixiert werden. Einfach „hinstellen und hoffen“ war keine Option, auch wenn das kurzfristig sehr verlockend klang. Also haben wir zunächst Holzstege auf den Boden geklebt. Ja, geklebt. Mit ordentlich Montagekleber und dem festen Glauben daran, dass das Zeug wirklich hält, was auf der Kartusche versprochen wird. In diese Stege kam eine Antirutschmatte, darauf der Tank. Allein dadurch saß er schon erstaunlich brav an seinem Platz.

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Zur endgültigen Sicherung folgten dann vier Löcher durch den Boden. Mit Bohrmaschine, ruhiger Hand und einem kurzen Moment der inneren Einkehr. Anschließend wurden M8-Gewindestangen mit Ösen montiert, um den Tank mit einem Gurt nach unten zu ziehen. Ergebnis: bombenfest. Wirklich bombenfest. Der Tank bewegt sich keinen Millimeter mehr – selbst wenn er es wollte.

Jetzt war es an der Zeit, den Zwischenboden fertigzustellen. Also Maßband raus, Stichsäge an, und los ging das große Zuschneiden und Anpassen. Stück für Stück. Sehr konzentriert. Und trotzdem habe ich mich an zwei Stellen verschnitten. Natürlich nur minimal. Wirklich nur Millimeter. Die Art von Millimetern, die man erst sieht, wenn man genau weiß, wo sie sind. Sie sehen es? Nein? Gut. Genau so war der Plan.

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An zwei weiteren Stellen zur Wand hin fehlten ebenfalls ein paar Millimeter. Statt alles neu zu machen – was rein theoretisch möglich gewesen wäre, praktisch aber meine gute Laune gefährdet hätte – habe ich kurzerhand die Bodenplatte an den Füßen der Küche mit der Oberfräse etwas Material abgenommen. Millimeterarbeit mit maximalem Selbstvertrauen. Jetzt sitzt alles perfekt, und niemand kommt jemals auf die Idee, an genau dieser Stelle mit der Wasserwaage zu stehen. Hoffentlich.

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Nachdem alles angepasst war, kam Meike ins Spiel. Sie hat die Bodenplatten auf beiden Seiten lackiert. Nicht nur, weil es gut aussieht, sondern auch, weil wir gelernt haben, dass Holz im Fahrzeugausbau gerne ein Eigenleben entwickelt, wenn man es unbehandelt lässt. Pinsel, Rolle, Lack – und plötzlich sieht alles sehr viel professioneller aus, als es sich während des Sägens angefühlt hat.

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Kaum war der Lack trocken, fiel uns auf, dass der hintere Eingangsbereich noch nicht ganz stimmig war. Also nochmal zurück an die Aluprofile. Diese wurden gekürzt, und die Bodenplatten anschließend mit etwa fünf Zentimetern Überhang angepasst. Ein kleiner Eingriff mit großer Wirkung: Der Eingang wirkt jetzt deutlich homogener und „aus einem Guss“. Fast so, als hätten wir das von Anfang an so geplant.

Ein Punkt bleibt allerdings noch offen: Aufgrund der Tritthöhe von über 30 Zentimetern wird hier definitiv eine Zwischenstufe nötig sein. Unsere Knie haben das sehr deutlich kommuniziert. Diese bauen wir zu einem späteren Zeitpunkt ein – der Ausbauverlauf bleibt also spannend.

Unterm Strich war das Anpassen des doppelten Bodens eine dieser Arbeiten, bei denen man am Ende stolz davorsteht und sich fragt, warum man zwischendurch mehrfach überlegt hat, ob Briefmarkensammeln nicht doch das entspanntere Hobby gewesen wäre. Aber genau das macht den Ausbau unseres LKW-Kofferaufbaus aus: planen, sägen, fluchen, lachen – und am Ende passt es. Meistens sogar besser als gedacht.

Wie wir den „Kellerboden“ verlegt haben könnt ihr hier nachlesen.

Wir planen mal wieder um

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Wie soll es anders sein:
Die Küche steht an ihrem vorgesehenen Platz. Die PSK-Tür ist eingebaut. Alles ist – theoretisch – perfekt umgeplant, um genau die paar Zentimeter auszugleichen, die unsere PSK-Tür völlig ungeplant, aber dafür sehr selbstbewusst für sich beansprucht. Auf dem Papier: kein Problem. In der Realität: na ja … ihr ahnt es vermutlich schon.

Also machen wir das, was wir inzwischen ziemlich gut können:
Wir bauen.

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Aus 20er Aluprofilen entsteht unser erstes Eckbank-Teil.

CAD? – Check.
Profile zugesägt? – Check.
Verschraubt? – Check.
An den vorgesehenen Platz gestellt? – Check.

Erkenntnis nach exakt 3 Sekunden Probesitzen:
„Es ist einfach viel zu eng.“

Nicht „ein bisschen kuschelig“. Nicht „passt schon irgendwie“.
Sondern: Hier sitzt man wie im Linienflug in der letzten Reihe – nur ohne Getränke-Service und aneinander kommt man auch nicht vorbei.

Während ich noch darüber nachdenke, ob man Sitzkomfort eventuell neu definieren kann, kommt Meike mit einem Vorschlag um die Ecke:

„Warum machen wir nicht Face-to-Face?“

Kurze Stille.
Dann Nicken.
Dann CAD auf.

Also: alles nochmals umgeplant. Komplett. Natürlich.
Weil warum einfach, wenn man auch alles nochmal neu machen kann?

Und als wäre das noch nicht genug, kommt die nächste Randbedingung auf den Tisch:
Die Sitzgelegenheit muss so geplant werden, dass auch unser zweiter Frischwassertank noch Platz findet.

(C) Ernst und Meike Wagner

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Nach kurzem mentalem Überschlagen, erneutem CAD-Geschubse und ein bisschen Stirnrunzeln steht fest:
Der Tank bekommt seinen Platz unter den Füßen.

Nicht ideal. Nicht luxuriös.
Aber funktional – und vor allem: drin.

Am nächsten Tag geht’s ans Eingemachte.
Die neue Sitzgelegenheit wird im CAD konstruiert, anschließend mit 20er Aluprofilen:

  • zugesägt
  • aufgebaut
  • verschraubt
  • kritisch beäugt
  • wieder auseinander
  • wieder zusammen

Nach der ersten Anpassung an ihrem zukünftigen Platz dann endlich dieser magische Moment:

„So machen wir das.“

Ein Satz, der im Ausbau ungefähr so viel wert ist wie ein unterschriebener Vertrag. Oder zumindest fast.

 

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

 

Flux noch die Rückwand und den Boden in der Rücklehne zugeschnitten, eingepasst und verschraubt.
Und plötzlich passiert etwas Faszinierendes:

Mit jeder Holzplatte fühlen sich die Sitzbänke stabiler an.

Nicht nur ein bisschen.
Sondern so „da-kann-man-sich-drauf-fallen-lassen“-stabil.

Ein schönes Gefühl. Vor allem, wenn man vorher kurz Angst hatte, dass das Ganze eher als modernes Klappmöbel durchgeht.

Und ganz nebenbei wissen wir jetzt:
Über unseren Füßen wird gesessen – darunter lagert Frischwasser.
Multifunktionalität auf Ausbaustufe „Camper“.

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Wenn wir schon dabei sind, gehen wir direkt weiter.
Die ersten Wände des Gaskastens – zukünftige Heimat unserer 11-kg-Gasflasche – werden zugesägt und angepasst.

Alles sitzt. Alles passt. Alles sieht so aus, als wüssten wir, was wir tun.

Aber:
Der Gaskasten? Das wird eine eigene Geschichte.
Mit Sicherheit. Und vermutlich mit mindestens einem unerwarteten „Ach so…“.

Fortsetzung folgt.
Ganz sicher. 😄

Jetzt wird es Hell

 

Aluprofile sind ja so eine Sache, von der man immer sagt, man wisse genau, wofür sie gut sind, bis man dann davorsteht und merkt, dass sie eigentlich alles können, ausser einem die Entscheidung abnehmen, wie man sie jetzt schon wieder verbaut. Genau so ging es uns auch, denn ursprünglich sollten sie unter dem Bett einfach nur für etwas mehr Stabilität sorgen, ganz unspektakulär und ganz brav. Doch wie das immer so ist, wenn man einmal anfängt genauer hinzuschauen, fiel uns auf, dass diese unscheinbaren Profile nicht nur tragen, sondern auch Platz bieten, und zwar für Licht. Und plötzlich war klar: Jetzt wird es hell, ob das Bett will oder nicht.

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Also haben wir LED-Streifen in die Nut gepackt und eine transparente Abdeckleiste darüber geschoben, und auf einmal sah das Ganze so aus, als hätten wir das von Anfang an genau so geplant und nicht erst nach dem dritten Kaffee und einer mittelgrossen Sinnkrise. Das Licht ist jetzt schön versteckt, blendet niemanden und wirkt wie aus einem Guss, was besonders beeindruckend ist, wenn man weiss, wie oft wir das Profil noch einmal gelöst haben, weil es minimal schief war, oder zumindest schief genug, dass es uns nachts im Schlaf verfolgt hätte.

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Und weil wir offenbar noch nicht genug wollten, haben wir das gleiche Spiel auch mit den 20×20 Aluprofilen getrieben. Denn warum einfach, wenn es auch multifunktional geht. Diese Profile führen jetzt die Konstruktion, beherbergen die LED-Lichter und dienen ganz nebenbei auch noch als Kabelkanal, denn Kabel, die frei herumhängen, sind bekanntlich der natürliche Feind jedes ambitionierten Selbstausbauers. Also haben wir die Kabel ebenfalls durch die Nut geführt und mit selbstgedruckten Clips fixiert, was in der Theorie nach Hightech klingt, in der Praxis aber bedeutete, dass wir mehrere Versionen dieser Clips gedruckt haben. Von „zu klein“ über „zu gross“ bis hin zu „warum hält das nicht“, bis irgendwann ein Clip entstand, der tat, was er sollte.

(C) Ernst und Meike Wagner

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Diesen haben wir dann feierlich in die Nut geklemmt, als wäre er ein Meisterstück moderner Ingenieurskunst. Begleitet wurde das Ganze von unserem treuen Akkuschrauber, diversen Inbusschlüsseln, die sich ständig versteckten, einer Stichsäge, die mehr gesehen hat, als sie je wollte, und der leisen Hoffnung, dass am Ende niemand mit der Wasserwaage nachmisst. Das Ergebnis kann sich allerdings sehen lassen. Jetzt ist alles sauber verlegt, nichts baumelt, nichts blendet, und die Aluprofile machen genau das, was man von ihnen erwartet und gleichzeitig viel mehr. Sie stabilisieren, verstecken, leuchten und lassen unseren Ausbau so aussehen, als hätten wir einen Plan gehabt. Und allein dafür haben sie sich ihren Platz als absolute Allrounder mehr als verdient.

… to be continued

Grauwassertank verbaut

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(C) Ernst und Meike Wagner

 

Es gibt Projekte, bei denen man sich denkt: „Wie schwer kann das schon sein?“ Und dann gibt es den Einbau eines Grauwassertanks. Spoiler: Es war schwer. Sehr schwer. Also so schwer, dass ich inzwischen leichte Panik bekomme, wenn ich nur das Wort „Abfluss“ höre.

Der Bau dieses Tanks war keine handwerkliche Aufgabe – das war ein Charaktertest. Eine Mischung aus Tetris, Indiana Jones und Höhle der Löwen, nur ohne Geld, aber mit sehr vielen schwäbisch geprägten Flüchen.

Die Idee war bestechend einfach: Der Tank sollte unter die Nasszelle, halb über die Revisionsöffnung – damit man später noch rankommt. Klingt logisch, oder? Ja, das dachte ich auch. Dummerweise ist „später rankommen“ im Selbstausbau eine sehr relative Angabe.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Denn kaum hatten wir uns für die Position entschieden, kamen die großen Fragen:
Wo verlaufen die Stromleitungen? Wo kommen die Frischwasserleitungen hin? Und warum habe ich das Gefühl, dass alles genau dort hin will, wo der Tank nicht hin darf?

Was folgte, war eine dreitägige Mess- und Grübelorgie, die mich endgültig davon überzeugt hat, dass ein Laserentfernungsmesser auch nur ein besonders teurer Zufallsgenerator ist.

 

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

 

Man sagt ja: Der Weg ist das Ziel. In unserem Fall war das Ziel scheinbar, jeden einzelnen Baumarkt Süddeutschlands persönlich kennenzulernen.

Der erste hatte alles, aber nichts davon passte. Der zweite hatte gar nichts. Und der dritte – mein persönlicher Favorit – hatte zwar „bald wieder Lieferung“, aber „bald“ bedeutete offenbar „irgendwann zwischen Weihnachten und dem nächsten Kometeneinschlag“.

Zwischendurch kam die Frage auf, ob wir einfach einen Eimer unter die Dusche stellen und ihn regelmäßig ausleeren sollten. Wäre vermutlich effizienter gewesen (Wie mein Chef immer sagt).

Nachdem die Stromleitungen endlich lagen, kam die Frage: „Und wo verlaufen die Frischwasserleitungen?“ Natürlich – genau da, wo der Abwassertank hin soll oder zumindest dahinter.

Der Ablauf musste außerdem so sitzen, dass man ihn von außen bedienen kann, aber bloß nicht über einer Stahltraverse endet. Das war der Moment, in dem ich gelernt habe, dass „viel messen“ in Wirklichkeit bedeutet: zehnmal messen, zwölfmal fluchen, einmal bohren, dreimal bereuen.

 

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

 

Und dann kam das Thema Gewindegrößen. Es gibt Zoll, metrisch, britisch, italienisch, vermutlich auch marsianisch – aber keine zwei, die zueinander passen. Ich schwöre, ich habe mehr über Gewindesteigungen gelernt als über meine eigene Steuererklärung.

Ein Abwassertank ist ja an sich schon ein schönes Ding – bis er ein paar Mal benutzt wurde. Dann verwandelt er sich in eine mobile Geruchsbombe. Also musste eine Entlüftung her.

 

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Unsere Lösung: HT-Rohre, Aktivkohle-Vlies, Aktivkohlegranulat – das volle Chemielaborprogramm. Und weil wir ja modern sind, habe ich mit dem 3D-Drucker ein Gitter gedruckt, damit das Vlies nicht verrutscht. (An dieser Stelle dachte ich kurz, ich sei ein Genie. Später stellte sich heraus, dass ich nur vergessen hatte, das Gitter richtig herum einzubauen. Aber hey, Details.)

Das Ganze lässt sich später tauschen, falls es doch irgendwann riecht wie in einer Kanalisation. Und das tut es mit Sicherheit.

Der Siphon – mein persönlicher Endgegner:

Der Zulauf von vier Anschlüssen sollte natürlich nicht für Geruchsbelästigung sorgen. Also kam ein großzügiger Siphon zum Einsatz. Großzügig im Sinne von: „Passt da überhaupt noch was anderes hin?“

Wie also montieren, dass alles brav durch den Siphon läuft, ohne dass das Klo plötzlich gurgelt wie ein nasser Frosch? Lösung: von oben. Konsequenz: Alles wurde höher. Und enger. Und komplizierter.

 

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Kurz gesagt: Ich habe in dieser Phase mehr über die Gesetze der Schwerkraft gelernt, als Isaac Newton je wollte.

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Ein 140-Liter-Tank klingt harmlos – bis man sich vorstellt, dass das Ding bei einer Vollbremsung plötzlich beschließt, die Fahrerkabine von innen zu besuchen. Also musste das Teil bombenfest montiert werden.

Wir haben einen Steg aufgeklebt, eine Antirutschmatte (eigentlich für Teppiche – Improvisation ist alles!) eingelegt, den Tank draufgesetzt, M8-Gewindestangen durch den Boden gejagt und mit Transportbändern fixiert.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieser Tank jetzt auch bei einem Erdbeben Stufe 8 nicht mal zuckt. Wenn das Auto irgendwann auseinanderfällt – der Tank bleibt.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Der Sensor-Einbau war dann der feine Abschluss. 37-mm-Loch bohren, hieß es. Einfach, hieß es. Natürlich hatten wir keinen passenden Bohrer. Also warten. Wieder.

Als er endlich da war, erst mal eine Probebohrung in Holz – man wird ja vorsichtig. Dann das Loch in den Tank, Sensor angepasst, Stäbe gekürzt, alles dicht gemacht. Ich schwöre, ich habe noch nie bei einem Loch so geschwitzt.

 

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Und dann war es soweit: Der große Wassertest. Wir standen da wie NASA-Ingenieure vor dem Raketenstart. „Ist alles bereit?“ – „Ich glaube schon…?“

Langsam Wasser rein. Kein Tropfen. Noch mehr Wasser. Immer noch dicht. Ein erleichtertes Aufatmen, das vermutlich bis zum Nachbargrundstück zu hören war.

Klar, ein paar Tropfen kamen später doch irgendwo raus – aber das gehört dazu. Sonst wäre es ja langweilig.

 

Fazit

Der Grauwassertank steht. Er hält dicht. Er wackelt nicht. Und wir haben auf dem Weg dorthin so ziemlich jede handwerkliche Emotion durchlebt, die es gibt – von „Das wird mega!“ bis „Ich ziehe in eine Höhle und bade im Fluss.“

Aber jetzt, wo alles fertig ist, sind wir fast schon ein bisschen stolz. Und wenn ihr uns das nächste Mal auf dem Stellplatz seht: Fragt bitte nicht nach dem Abfluss. Wir brauchen noch ein paar Monate, um das zu verarbeiten.

Categories: Abwasser, Ausbauverlauf, Wasser