Kategorie: Ausbauverlauf

Bau der Toilette

Warum man für einen stillen Ort erstaunlich viel Zeit braucht

Dass der Bau einer Toilette so lange dauern kann, hätte ich mir zu Beginn unseres Ausbaus niemals ausgemalt. Ehrlich gesagt dachte ich naiv, man stellt das Ding irgendwo hin, schraubt ein paar Bretter zusammen und fertig. So ungefähr wie man sich als Kind vorstellt, ein Haus zu bauen: vier Wände, Dach drauf, einziehen.

Heute wissen wir: Eine Toilette im Fernreisemobil ist eher eine Mischung aus Möbelbau, Ergonomie-Studium, Feinmechanik und einer kleinen Portion Wahnsinn.

Nachdem die Nasszelle ihren Platz gefunden hatte und der Kühlschrank bereits eingezogen war, konnten wir endlich auf den Vorarbeiten aufbauen, die wir beim Projekt Bettkasten, bei den Wandverkleidungen, beim Kleiderschrank und bei der Wasserversorgung geschaffen hatten. Also zumindest dachten wir, dass sie „endlich“ an der Reihe wäre. Tatsächlich begann damit eines der Projekte, bei dem man jeden Abend überzeugt ist, viel geschafft zu haben, nur um am nächsten Morgen festzustellen, dass man eigentlich lediglich zwei Bretter versetzt hat.

 

Die Wissenschaft der perfekten Sitzhöhe

Bevor überhaupt etwas gebaut werden konnte, musste zunächst die wichtigste aller Fragen geklärt werden:

Wie hoch soll die Toilette eigentlich werden?

Wer jetzt denkt, das wäre schnell entschieden gewesen, hat offensichtlich noch nie zwei Menschen dabei beobachtet, wie sie immer wieder Probe sitzen, messen, diskutieren und erneut Probe sitzen.

Wir haben unzählige Sitzproben durchgeführt. Von außen betrachtet muss das vermutlich ausgesehen haben, als würden wir eine olympische Disziplin trainieren. Aber schließlich soll die Sitzposition nicht nur funktional sein, sondern auch bequem. Schließlich verbringt man dort unter Umständen mehr Zeit als ursprünglich geplant.

Nachdem die optimale Höhe feststand, haben wir in der bereits eingebauten Nasszelle ein Aluprofil eingezogen, auf dem die Toilette später ruhen wird. Parallel dazu entstand das Grundgerüst für die übrigen Toilettenbestandteile.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Die Sache mit dem Waschbecken und dem Schädel-Hirn-Trauma

Mindestens genauso wichtig war die Position des Handwaschbeckens.

Denn was nützt die schönste Toilette, wenn man sich nach jedem Toilettengang beim Aufstehen den Kopf stößt?

Unser Ziel war es, die Nasszelle so zu gestalten, dass man sie verlässt wie ein zivilisierter Mensch und nicht wie jemand, der gerade eine Kneipenschlägerei verloren hat.

Also wurde gemessen, ausprobiert, wieder gemessen und erneut ausprobiert. Dabei spielte nicht nur die Höhe eine Rolle, sondern auch die Tiefe des Waschbeckens.

Als schließlich alles feststand, entstand das Gestell für das zukünftige Handwaschbecken. Zumindest fast.

Denn selbstverständlich haben wir ein Brett zunächst zu kurz abgesägt.

Warum?

Weil es zum Ausbau eines Expeditionsmobils offenbar dazugehört, jedes wichtige Bauteil mindestens zweimal herzustellen. Das erste Mal zum Üben, das zweite Mal dann richtig.

Zusätzlich haben wir unter dem Waschbecken eine Verkleidung gebaut, um das Gesamtbild der Dusche abzurunden. In diese Verkleidung sägten wir direkt eine Öffnung, deren ausgesägtes Teil später als Tür dienen soll. Dadurch entsteht später der Eindruck, als wäre alles aus einem einzigen Stück Holz gefertigt worden.

Zumindest solange niemand weiß, wie oft wir vorher nachgemessen haben.

 

Mehr Beinfreiheit für die wichtigen Momente

Die Toilette selbst wurde mit einem schrägen Brett an die Duschwanne angepasst.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

Der Hintergrund ist denkbar einfach: Füße benötigen Platz. Besonders dann, wenn man auf einer Toilette sitzt.

Diese Schräge sorgt dafür, dass ausreichend Beinfreiheit vorhanden ist und man nicht das Gefühl bekommt, in einer überdimensionierten Schuhschachtel zu sitzen.

In diese Schräge haben wir zusätzlich ein Nachtlicht integriert. Dieses lässt sich bequem vom Bett aus schalten.

Denn seien wir ehrlich:

Niemand möchte nachts um drei Uhr von einem Flutlicht begrüßt werden, das heller ist als die Landebahn eines internationalen Flughafens.

So bleibt der nächtliche Gang zur Toilette angenehm und die Augen behalten zumindest eine minimale Chance, nicht sofort vollständig zu erblinden.

 

Wenn ein Feststoffbehälter plötzlich höchste Priorität bekommt

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Nachdem die Grundkonstruktion stand, ging es an die eigentliche Sitzgelegenheit.

Alle waagerechten Flächen erhielten unser schwarzes Dekor, natürlich auch die spätere Sitzfläche.

Zusätzlich haben wir seitlich schmale Fächer integriert, damit Toilettenartikel ihren festen Platz bekommen.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt dabei unser Feststoffbehälter.

Denn dieser sollte exakt sitzen.

Wirklich exakt.

Die Vorstellung, dass sich dessen Inhalt bei der nächsten Passstraße oder einer spontanen Ausweichbewegung selbstständig macht und auf Entdeckungstour durch das Fahrzeug geht, motivierte uns ausreichend, hier lieber etwas genauer zu arbeiten.

Ein fester Sitz ist in diesem Fall definitiv eine gute Idee.

 

Die Kunst, ein Loch an die richtige Stelle zu setzen

 

(C) Ernst und Meike Wagner

Nun begann die Phase, in der plötzlich jedes Maß entscheidend wurde.

Der Trenneinsatz musste perfekt zur Toilettenbrille passen.

Die Toilettenbrille musste perfekt zum Feststoffbehälter passen.

Und alles zusammen musste so positioniert werden, dass die Ergebnisse eines erfolgreichen Toilettengangs auch tatsächlich dort landen, wo sie landen sollen.

Manche Dinge möchte man lieber vor dem ersten Praxistest sorgfältig durchdenken.

Nachdem sämtliche Eventualitäten berücksichtigt waren, konnten die Platten vorbereitet werden.

Die Platte, in die später der Trenneinsatz eingeklebt werden sollte, musste beweglich bleiben. Schließlich soll sich der Feststoffbehälter später problemlos entnehmen lassen.

Außerdem musste der Urinablauf jederzeit zugänglich bleiben und gleichzeitig ausreichend Abstand zur Rückwand vorhanden sein, damit Deckel und Brille später überhaupt geöffnet werden können.

Kurz gesagt:

Ein erstaunlich komplexes Projekt für etwas, das man im Alltag normalerweise für selbstverständlich hält.

 

Fräsen, kleben und hoffen

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Als Nächstes wurde das Loch für den Trenneinsatz ausgeschnitten.

Anschließend frästen wir eine Vertiefung exakt in der Stärke des Einsatzes aus, damit später alles bündig und sauber abschließt.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Danach erhielt der Deckel seine Scharniere und sämtliche Bewegungsabläufe wurden mehrfach getestet.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Bevor der Trenneinsatz endgültig eingeklebt werden konnte, klebten wir sämtliche angrenzenden Flächen sorgfältig ab. Die Klebeflächen wurden ausgeschnitten, gereinigt, entfettet und mit Aktivator vorbereitet.

Dann kam der entscheidende Moment.

Kleber auftragen.

Einsatz einsetzen.

Ausrichten.

Nicht mehr atmen.

Und warten.

Anschließend wurde das Klebeband entfernt.

Und tatsächlich:

Eine perfekte Naht.

Manchmal geschehen beim Ausbau eben doch kleine Wunder.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Fast fertig – zumindest bis zum nächsten Bauabschnitt

Zum Schluss wurden Toilettenbrille und Deckel montiert.

Das Einstreu wird künftig in einem separaten Staufach links neben der Sitzposition untergebracht. Dieses Fach soll später noch kippbar ausgeführt werden, damit alles bequem erreichbar bleibt.

Damit sitzt nun nahezu alles an seinem endgültigen Platz.

Zumindest theoretisch.

Bevor die Toilette endgültig verschraubt werden kann, müssen noch die Arbeiten an der Elektrik und der Wasserversorgung abgeschlossen werden. Wer unsere Beiträge zum Elektroschrank oder zur Wasserversorgung verfolgt hat, ahnt bereits, dass auch diese Projekte nicht ganz ohne Überraschungen verlaufen sind.

Erst danach können wir die gesamte Konstruktion wieder wie ein Puzzle für Erwachsene zusammensetzen und sämtliche Fugen dauerhaft abdichten.

Was wir aus diesem Bauabschnitt gelernt haben?

Eine Toilette ist offensichtlich weit mehr als nur eine Toilette.

Und manchmal benötigt man für den Bau eines stillen Örtchens deutlich mehr Zeit, als man jemals für dessen Benutzung benötigen wird.

Aber genau solche Projekte machen den Ausbau unseres Expeditionsmobils aus. Viele kleine Herausforderungen, viele kreative Lösungen und gelegentlich die Erkenntnis, dass ein zu kurz abgesägtes Brett eigentlich nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zum fertigen Fahrzeug ist.

 

 

Categories: Ausbauverlauf, Koffer, Toilette

Anbau des Unterfahrschutzes

(C) Ernst und Meike Wagner

Eine Stunde Schrauben, Fluchen und Hoffen

Nachdem der Kofferaufbau seinen Platz auf dem Fahrgestell gefunden hatte, stand der nächste Punkt auf der Ausbau-Liste an: der Anbau des Unterfahrschutzes. Klingt nach einer überschaubaren Aufgabe. Und tatsächlich – diesmal sollte uns kein unerwarteter Weltuntergang, keine abgerissene Schraube und auch kein komplett neu zu erfindendes Bauteil begegnen. Wobei wir inzwischen bei jedem Arbeitsschritt fest davon ausgehen, dass das Universum zumindest einen kleinen Überraschungsmoment für uns bereithält.

 

 

Bevor es losging, möchten wir zunächst einen herzlichen Gruß an Sebastian schicken. Von ihm haben wir den kompletten Unterfahrschutzsatz gekauft. Vielen Dank an dieser Stelle für die schnelle Lieferung und die unkomplizierte Abwicklung.

 

Wer jetzt denkt, so ein Unterfahrschutz sei lediglich ein etwas größer geratenes Stück Blech, der irrt gewaltig. Das Teil bringt ein durchaus respektables Eigengewicht mit. Zumindest genug, dass wir uns recht schnell gegen die Strategie „einfach mal mit einer Hand hochhalten und mit der anderen verschrauben“ entschieden haben. Unsere Krankenversicherung hätte diese Variante vermutlich ebenfalls nicht befürwortet.

 

Also erfolgte die Montage in mehreren Schritten.

 

Zunächst mussten die vorhandenen Kabelbäume angehoben werden. Dafür wurden die Kabelbinder vom Leiterrahmen gelöst. Dabei fiel uns auf, dass die Kabelbinder vermutlich werksseitig zusätzlich mit kleinen Gummiringen zum Leiterrahmen hin gepuffert wurden. Eine dieser typischen Kleinigkeiten, die man erst bemerkt, wenn man etwas auseinanderbaut. Natürlich hätten wir die Gummiringe auch einfach ignorieren können. Aber nachdem wir bereits an anderen Stellen gelernt haben, dass die Entwickler bei Mercedes meistens einen guten Grund für solche Details hatten, wurden die Gummiringe später selbstverständlich wieder mit eingefädelt.

 

Im zweiten Schritt konnten die Halterungen des Unterfahrschutzes am Leiterrahmen befestigt werden. Hierfür werden die bereits vorhandenen Bohrungen im Rahmen genutzt, sodass kein Bohren erforderlich war (Der TÜV hätte hier erhebliche Einwände). Die Halterungen wurden zunächst lediglich mit einer Mutter fixiert. So konnten sie sich noch leicht bewegen und sauber am Leiterrahmen anliegen.

 

 

(C) Ernst und Meike Wagner (C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Anschließend wurde der eigentliche Unterfahrschutz an den seitlichen Halterungen befestigt. Jetzt begann das bekannte Spiel aus Halten, Ausrichten, Schrauben suchen, Schrauben wieder fallen lassen, Schrauben erneut suchen und so tun, als wäre das alles Teil des Plans gewesen.

 

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Nach und nach wurden sämtliche Schrauben eingesetzt und sowohl mit den Seitenhaltern als auch mit dem eigentlichen Unterfahrschutz verschraubt. Zum Einsatz kamen selbstverständlich selbstsichernde Muttern, damit sich später nicht irgendwann auf einer Landstraße ein Teil unseres Ausbaus selbstständig macht und auf eigene Weltreise geht.

 

 

(C) Ernst und Meike Wagner (C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Nachdem alle Komponenten an ihrem Platz waren, wurden sämtliche Schraubverbindungen nochmals kontrolliert und gleichmäßig angezogen. Erst wenn man jede Mutter mindestens dreimal überprüft hat, beginnt langsam das Gefühl einzusetzen, dass vielleicht tatsächlich alles fest ist.

 

Ein Vorgang, den wir inzwischen fast schon ritualisiert haben.

 

Spätestens seit Projekten wie dem Einbau unserer Terrassentür, dem Rahmen für die Schiebetür oder dem Doppelten Boden haben wir gelernt, dass Nachkontrolle deutlich angenehmer ist als spätere Fehlersuche.

Zum Abschluss konnten die zuvor gelösten Kabelbäume wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückkehren. Mit neuen Kabelbindern und den bereits erwähnten Gummiringen wurden sie wieder ordentlich am Leiterrahmen befestigt.

Und damit war die Aktion auch schon abgeschlossen.

 

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Für den kompletten Anbau des Unterfahrschutzes haben wir insgesamt etwa eine Stunde benötigt. Das ist für unsere Verhältnisse beinahe schon rekordverdächtig. Normalerweise schaffen wir es bei solchen Arbeiten zuverlässig, mindestens ein neues Problem zu entdecken, drei weitere Baustellen zu eröffnen und den ursprünglichen Arbeitsauftrag völlig aus den Augen zu verlieren.

 

Diesmal nicht.

 

Der Unterfahrschutz sitzt, die Kabel sind wieder ordentlich verlegt und ein weiterer Punkt auf der langen Ausbau-Liste konnte erfolgreich abgehakt werden. Fast schon verdächtig reibungslos.

Wer unseren bisherigen Ausbau verfolgt hat, weiß allerdings: Wenn ein Arbeitsschritt problemlos funktioniert, bedeutet das meistens nur, dass die nächste Überraschung bereits irgendwo hinter der nächsten Ecke wartet.

Fortsetzung folgt.

Weitere Beiträge aus unserem Ausbauverlauf findet ihr natürlich ebenfalls hier auf Heilixblechle.de. Unter anderem den Bericht zum Kofferaufbau, den Vorbereitungen am Fahrgestell sowie den zahlreichen kleinen und großen Herausforderungen, die ein Expeditionsmobil-Projekt zwangsläufig mit sich bringt.

 

Kühlschrankeinbau

(C) Ernst und Meike Wagner

Es gibt Bauteile im LKW-Ausbau, die wichtig sind. Elektrik zum Beispiel. Wasser. Vielleicht noch die Heizung, wenn man im Winter nicht wie ein Tiefkühlhähnchen schlafen möchte.

Aber seien wir ehrlich:
Wenn das Bier warm ist, ist die gesamte Reise im Prinzip gescheitert.

Genau deshalb stand für uns relativ früh fest, dass wir beim Kühlschrank an Größe nicht sparen werden. Wenn man länger autark unterwegs sein möchte, braucht man eben mehr als eine kleine Campingbox, in die drei Joghurts und eine traurige Scheibe Gouda passen. Der Kühlschrank sollte groß sein. Richtig groß. So groß, dass man problemlos Vorräte, Getränke und genug Tiefkühlpizza lagern kann, um eine mittelschwere Apokalypse auszusitzen.

Also kauften wir einen handelsüblichen Kühlschrank mit getrenntem Gefrierfach und ließen ihn bereits vor etwa einem Jahr auf 12V umbauen.

(C) Ernst und Meike Wagner

Das klang damals alles noch wahnsinnig schlau.

Damals wussten wir allerdings auch noch nicht, dass dieser Kühlschrank später zu unserem persönlichen Endgegner werden würde.

Die Planungsphase – oder: „Das passt schon“

Die Planung des Kühlschranks verlief ungefähr so professionell wie ein Kindergeburtstag mit Werkzeugkoffer.

„Da kommt der Kühlschrank hin.“

Das war im Prinzip die komplette Konzeptphase.

Keine Skizzen. Keine Masse. Keine Gedanken darüber, wie man einen 50-Kilo-Kühlschrank später eigentlich in einem fahrenden Erdbebensimulator befestigen möchte.

Dumm nur, dass das Ding nicht nur absurd hoch ist, sondern spontan auch noch auf ein Podest sollte. Natürlich kurz bevor es losging. Wir hatten nämlich exakt fünf Tage Zeit für den kompletten Einbau.

Fünf Tage. 🤦‍♂️

Das ist ungefähr die perfekte Zeitspanne, um entweder konzentriert zu arbeiten oder völlig panisch dumme Entscheidungen zu treffen.

Spoiler:
Es wurde eine wilde Mischung aus beidem.

Das Podest – stabil genug für einen Atomkrieg

Das Podest bauten wir – wie gefühlt alles in diesem Ausbau – aus Aluprofilen. Langsam vermuten wir ehrlich gesagt, dass unser gesamtes Fahrzeug nur noch aus Aluprofilen, Flüchen und Kabelbindern besteht.

Darauf kam eine stabile Holzplatte, ordentlich mit dem Boden verschraubt. Zusätzlich verbauten wir noch eine Zusatzlüftung, weil wir vermeiden wollten, dass sich der Kühlschrank irgendwann spontan entscheidet, gleichzeitig auch als Heizung zu arbeiten.

(C) Ernst und Meike Wagner (C) Ernst und Meike Wagner (C) Ernst und Meike Wagner

Am Ende ragte der Kühlschrank noch etwa sechs Zentimeter unter die Decke.

Sechs.

Zentimeter.

Das bedeutet im Grunde: Wenn der Kühlschrank morgens einmal tief durchatmet, haben wir ein Problem.

Die Wandfrage – oder: Vertrauen ist gut, Statik ist besser

Die Wand zur Nasszelle war kein Problem. Die ist stabil wie ein Bunker. Vermutlich könnte man daran ein kleines Mehrfamilienhaus befestigen.

Die gegenüberliegende Wand hingegen war eher… dekorativ.

Und genau an dieser Wand sollte später der Kühlschrank stabilisiert werden.

An dieser Stelle begannen wir erstmals ernsthaft darüber nachzudenken, was eigentlich passiert, wenn man mit 80 km/h über eine schlechte Piste fährt und sich 50 Kilogramm Kühlschrank plötzlich dazu entscheiden, ein eigenes Leben führen zu wollen.

Wir hatten glücklicherweise bereits Verschraubungsleisten in unsere Wände eingeklebt. Also schraubten wir massive 40×40-Holzklötze daran fest, befestigten die freistehende Wand zusätzlich am Podest und verbanden später sogar noch die obere Ecke mit der Nasszellenwand.

(C) Ernst und Meike Wagner

Kurz gesagt:
Dieser Kühlschrank ist mittlerweile stabiler befestigt als manche Ehe.

Kondenswasser – der kleine Bastard aus der zweiten Reihe

Mitten beim Einbau bemerkten wir dann das nächste Meisterwerk moderner Ingenieurskunst.

Der Temperatursensor wurde durch den Kondenswasserablauf geführt. Soweit erstmal okay.

Allerdings war dort eine Auffangschale montiert.

Und diese Auffangschale hätte während der Fahrt vermutlich dafür gesorgt, dass sich das Kondenswasser gemütlich im Fahrzeug verteilt. Quasi ein automatisches Bewässerungssystem. Nur ohne jeden Nutzen.

Also blieb nur eine logische Lösung:

Natürlich konstruiert man sich dann nachts spontan selbst einen Kondenswassertrichter.

(C) Ernst und Meike Wagner  (C) Ernst und Meike Wagner

Normal eben.

Also setzte ich mich hin, konstruierte einen eigenen Auffangtrichter mit Ablaufstutzen und druckte das Ganze kurzerhand aus. Danach wurde das Sensorkabel so eingefädelt, dass jeder Tropfen sauber in den Trichter läuft, der Ablaufschlauch eingeklebt und nach draußen geführt.

Ob das alles völlig übertrieben ist?

Absolut.

Aber wer schon einmal in einem Fahrzeug geschlafen hat, das plötzlich innen feucht wird, entwickelt sehr schnell eine emotionale Beziehung zu funktionierenden Abläufen.

Der Kühlschrank-Fitnesszirkel

Der eigentliche Einbau war dann weniger Handwerk und mehr eine Mischung aus Strongman-Wettbewerb und psychischem Zusammenbruch.

Wir haben diesen Kühlschrank bestimmt zehnmal auf das Podest gehoben und wieder heruntergenommen.

Zehnmal.

Immer fehlte irgendwo ein Millimeter.
Hier noch messen.
Dort noch schneiden.
Hier noch fluchen.
Dort noch kurz die komplette Lebensentscheidung hinterfragen.

Nach dem fünften Mal hebt man übrigens nicht mehr mit den Armen, sondern ausschließlich mit Hass und Verzweiflung.

Irgendwann begann ich sogar, den Kühlschrank persönlich verantwortlich zu machen. Ich bin ziemlich sicher, dass er uns absichtlich provoziert hat.

Geräuschdämmung auf deutschem Overengineering-Niveau

Damit später nichts klappert oder scheppert, klebten wir Antirutschmatten auf das Podest. Die dienen gleichzeitig als Schwingungsdämpfer und machten den Kühlschrank tatsächlich etwas leiser.

Zusätzlich klebten wir Alubutyl-Matten in den Schrank. Der Kühlschrank bekam seitlich Filzstreifen. Und eigentlich erhielt jedes Bauteil, das dem Kühlschrank näher als fünf Zentimeter kam, irgendeine Form von Dämmung.

Der Kühlschrank ist inzwischen vermutlich besser schallisoliert als ein deutsches Tonstudio.

Dafür hört man jetzt jede Schraube, die woanders im Fahrzeug locker ist.

Man gewinnt nie komplett.

Wenn „verkeilen“ plötzlich eine anerkannte Montagetechnik wird

Nachdem der Kühlschrank endlich im Korpus saß, schnitten wir Styrodurplatten zurecht und klemmten sie zwischen Kühlschrank und Decke.

Ja.
Wir haben den Kühlschrank einfach brutal verkeilt.

Aber ehrlich gesagt funktioniert genau das erstaunlich gut. Der Kühlschrank sitzt jetzt so fest, dass vermutlich eher der Planet verrutscht als dieses Gerät.

Zusätzlich montierten wir vorne noch eine Leiste ans Podest, damit der Kühlschrank wirklich unmöglich nach vorne herausrutschen kann.

Das Ding bewegt sich jetzt keinen Millimeter mehr.

Nicht einmal beleidigt.

(C) Ernst und Meike Wagner

Fazit: Würden wir es wieder so machen?

Aktuell würden wir vermutlich erstmal gerne wieder ohne Knie- und Rückenschmerzen aufstehen können.

Aber ja:
Am Ende hat sich der Wahnsinn gelohnt.

Der Kühlschrank sitzt bombenfest, ist angenehm leise und bietet endlich genug Platz für alles, was man unterwegs wirklich braucht: Essen, Getränke und Tiefkühlware, die man sowieso irgendwann vergisst.

Und genau solche Projekte machen den Ausbau irgendwie aus. Man startet mit einer vermeintlich simplen Idee und endet drei Tage später schweißgebadet zwischen Aluprofilen, Dämmmatten und existenziellen Fragen über Kondenswasser.

Aber genau deswegen lieben wir diesen ganzen Ausbauwahnsinn.

Denn irgendwann steht man dann tatsächlich irgendwo mitten im Nirgendwo, öffnet ein perfekt gekühltes Bier – und plötzlich fühlt sich selbst der größte Pfusch irgendwie richtig an.

(C) Ernst und Meike Wagner

Bau der Nasszelle

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(C) Ernst und Meike Wagner

Es gibt Projekte am LKW, die fühlen sich an wie ein großer Meilenstein. Und dann gibt es Projekte wie den Bau der Nasszelle. Die fühlen sich eher an wie eine Mischung aus Tetris, Schach und einem schlechten Heimwerkerfilm auf Kabel 1 um 2 Uhr nachts.

Denn während unser Holzlager in den letzten Monaten eher aussah wie die Außenstelle eines mittelständischen Sägewerks, war eigentlich von Anfang an klar: Das Zeug muss irgendwann auch mal verbaut werden. Schließlich hatten wir laut unserem Datenblatt vom 13.09.2024 rund 850 Kilo Holz an Bord. Wobei man fairerweise sagen muss: Ein Teil davon bestand aus schweren Paletten und Trennplatten, die niemals ihren Weg in den Ausbau finden sollten. Trotzdem bleibt die Erkenntnis bestehen: Unsere Nasszelle wird kein Leichtbauprojekt. Eher Kategorie „massiver Bunker mit Duschoption“.

Der Anfang klang noch harmlos. Die 15-mm-Holzwände mussten zunächst auf Raumhöhe gekürzt werden. Also Kreissäge raus, messen, markieren, nochmal messen, nochmal kontrollieren, ob man wirklich richtig gemessen hat und dann trotzdem hoffen, dass man nicht aus Versehen die teure Platte in ein überdimensioniertes Frühstücksbrett verwandelt.

(C) Ernst und Meike Wagner

Danach ging es an die Aluprofile. Ablängen, zusammenbauen, fluchen, wieder auseinanderbauen, nochmal messen und am Ende ein Gestell erschaffen, das tatsächlich exakt die Maße der zukünftigen Nasszelle hatte. Als wir das Ganze dann an seine spätere Position geschoben haben und die erste gekürzte Wand daneben stand, kam dieser magische Moment:
„Wow… das sieht ja wirklich aus wie eine Nasszelle!“

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

Na gut. Eher wie eine Nasszelle im Rohbau nach einem kleinen Erdbeben. Aber immerhin.

Ab diesem Punkt begann allerdings der Teil des Projekts, bei dem man merkt, dass auf YouTube irgendwie nie die wirklich wichtigen Probleme gezeigt werden. Die Wand auf der Bettseite hat nämlich zwei Seiten. Klingt banal. Ist es nicht.

Die Duschseite muss komplett ohne sichtbare Schrauben oder Löcher montiert werden, damit Wasser später nicht beschließt, heimlich in irgendwelche Konstruktionen einzuwandern und dort ein eigenes Biotop zu gründen. Die Bettseite wiederum besteht aus einer dünnen Dekorplatte, die logischerweise von der Bettseite aus befestigt werden muss. Gleichzeitig muss aber genau zwischen diesen beiden Wandseiten das Aluprofil an der Kofferaußenwand verschraubt und verklebt werden.

Mit anderen Worten:
Man soll Dinge verschrauben, an die man später nicht mehr rankommt, ohne dabei sichtbare Schrauben zu erzeugen, obwohl man eigentlich Schrauben braucht.

Ein absolut normales Ausbauproblem also.

Nach mehreren Denkpausen, diversen „Das müsste doch eigentlich gehen“-Momenten und mindestens einem längeren Starren gegen die Wand war klar: Ganz ohne Löcher in der Dekowand wird es nicht funktionieren. Unser aktueller Plan ist deshalb, diese Öffnungen später sauber zu verschalen und daraus kleine Ablagen zu machen. Irgendwo muss die Brille schließlich hin. Oder die Taschentücherbox. Oder die mentale Stabilität, die man während dieses Bauabschnitts verliert.

(C) Ernst und Meike Wagner (C) Ernst und Meike Wagner (C) Ernst und Meike Wagner

Zusätzlich mussten noch Querträger für die gegenüberliegende Wand gesetzt werden – also die Seite neben unserem Kühlschrank. Natürlich ebenfalls so, dass man später keine sichtbaren Aluprofile sieht. Bedeutet im Klartext: Weitere Durchführungen in der Duschwand planen, markieren und vorbereiten. Denn wenn man schon kompliziert baut, dann wenigstens konsequent.

Und genau ab da entwickelte sich der gesamte Nasszellenbau zu einer endlosen Schleife aus:

Gestell aufbauen.
Wände anhalten.
Nachmessen.
Feststellen, dass man irgendwo eine Durchführung vergessen hat.
Alles wieder abbauen.
Neue Markierungen setzen.
Wieder aufbauen.
Noch etwas vergessen.
Wieder abbauen.

Irgendwann hatten wir das Gefühl, die Nasszelle häufiger auf- und abgebaut zu haben als manche Leute ihr IKEA-Regal nach einem Umzug.

Aber irgendwann passiert tatsächlich das Unfassbare:
Es passt plötzlich alles.

Die Wände standen. Die Querträger waren verschraubt und verklebt. Nichts wackelte mehr bedenklich und überraschenderweise war auch keine Wand plötzlich 3 Zentimeter zu kurz. Ein emotionaler Höhepunkt im Ausbauverlauf.

Natürlich hielt dieses Hochgefühl exakt bis zu dem Moment, als uns auffiel, dass ja noch Toilette und Waschbecken eingebaut werden müssen.

Denn die möchten nicht einfach irgendwo herumstehen wie verlorene Festivalgäste. Beide brauchen stabile Befestigungen, sinnvolle Positionen und genügend Platz. Also begann direkt die nächste Planungsrunde.

Vorher musste allerdings noch die dritte Wand eingebaut werden – ebenfalls mit dem gleichen Dekor wie die bereits montierten Wände. Und genau hier meldete sich unser Plisseekasten zurück. Dieses unscheinbare Bauteil, das beschlossen hatte, plötzlich extrem weit aus der Wand herauszuragen und damit sämtliche Planungen zu sabotieren.

(C) Ernst und Meike Wagner   (C) Ernst und Meike Wagner

Also musste der komplette Kasten erstmal wieder demontiert werden. Zusätzlich hatten wir beim ursprünglichen Bau damals noch extra Rahmen gesetzt, damit keine Hohlräume entstehen. Eigentlich eine gute Idee. Jetzt allerdings eher Kategorie „Vergangenheit sabotiert Gegenwart“.

Auch diese Rahmen mussten wieder entfernt werden. Gleichzeitig blieb die Sorge bestehen, dass die notwendigen Abstände später noch passen müssen, damit der Plisseekasten überhaupt wieder montiert werden kann. Und natürlich bedeutete das Ganze auch: längere Schrauben besorgen.

Weil ein Ausbauprojekt erst dann vollständig ist, wenn man wegen einer einzigen Schraubenlänge nochmal in den Baumarkt fahren darf.

Am Ende zeigt der Bau der Nasszelle mal wieder ziemlich deutlich, wie viel Zeit in den Dingen steckt, die später niemand sieht. Wenn irgendwann alles fertig ist, sieht man eine Dusche, ein Waschbecken und eine Toilette.

Was man nicht sieht:
Die Stunden voller Messfehler.
Die hundertmal verschobenen Aluprofile.
Die spontanen Planänderungen.
Und zwei Menschen, die irgendwann nachts zwischen Holzplatten sitzen und ernsthaft diskutieren, ob man eigentlich auch einfach draußen duschen könnte.

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Aber genau das macht den Ausbau am Ende aus. Und irgendwie lieben wir diesen Wahnsinn ja trotzdem.

Die Umschlüsselung

(C) Ernst und Meike Wagner

Die Umschlüsselung – oder: Wie wir fast nervös in die Grube gefallen wären

Nachdem wir unser HeilixBlechle erfolgreich auf die Waage gestellt haben (und ja, wer den Nervenkitzel nochmal spüren will, kann das hier nachlesen), dachten wir kurz: „Jetzt wird’s entspannt.“
Spoiler: War es nicht.

Der nächste Meilenstein stand an – die Umschlüsselung zum Wohnmobil. Klingt erstmal trocken. Ist es auch. Ausser man steckt selbst mittendrin. Dann ist es eher so eine Mischung aus Führerscheinprüfung, Mathe-Abi und erstem Date. Nur mit mehr Ölgeruch.

Vorbereitung ist alles. Also fast.

Für den Wiegetermin hatten wir ja bereits die halbe Welt zusammengetragen: Warnwesten, Erste-Hilfe-Kasten, Warndreieck, Unterlegkeil – quasi das Starterpaket für „Ich will ernst genommen werden beim TÜV“.

Selbst die kaputte Birne der Positionsleuchte die das Zeitliche gesegnet hat wurde ersetzt. Ein kleiner Sieg. Einer von vielen. Oder zumindest einer von wenigen, die ohne Fluchen passiert sind.

Für die Hauptuntersuchung mussten wir dann noch die Scheinwerfer einstellen. Neue Scheinwerfer, neue Verantwortung. Leuchtweite geprüft, Leuchtweitenregulierung getestet – funktioniert. Check.
Ein kurzer Moment, in dem wir uns fühlten wie Profis. Hat ungefähr 12 Sekunden angehalten.

Beim letzten Besuch hatte der TÜV-Prüfer noch unsere Warnlappen an der Ladebordwand bemängelt. Zu alt, zu… lappig. Also neue dran. Frisch, geschniegelt, geschniegelt wie wir selbst gerne gewesen wären nach 2,5 Jahren Baustelle.

Der Rest? Hatten wir während der Restauration ja schon erledigt. Also zumindest laut unserem optimistischen Gedächtnis.
AU noch schnell gemacht – man will ja vorbereitet sein, wenn man schon nervlich komplett unvorbereitet ist und bei der Prüfung keinen Herzinfarkt, bei möglichen Fehlermeldungen, erleben möche.

Der Moment der Wahrheit

Für die Umschlüsselung selbst mussten wir noch unsere Kochgelegenheit fest montieren. Also wirklich fest. Nicht „hält schon irgendwie“, sondern „bitte nicht während der Fahrt durch die Gegend fliegen“.
Elektrik vorbereitet für den Funktionstest – auch so ein Moment, wo man hofft, dass alles genau dann funktioniert, wenn jemand Wichtiges zuschaut.

Und dann war er da. Der Tag.

Warten.
Warten.
Nochmal warten.

(C) Ernst und Meike Wagner

Bis der Ingenieur – nennen wir ihn liebevoll „Hoffnungsdämpfer mit Klemmbrett“ – die Bühne betritt.

Nach fast 2,5 Jahren Bauzeit passiert da oben im Kopf einiges:
Haben wir wirklich an alles gedacht?
Was, wenn wir was übersehen haben?
Was, wenn er uns einfach auslacht?
(Okay, letzteres ist nicht passiert. Glaube ich.)

„Bitte fahren Sie auf die Grube“

Erster Schritt: Papierkram. Alles abgegeben, was wir hatten. Und innerlich noch ein paar Gebete hinterhergeschoben.

Dann der Satz:
„Bitte fahren Sie auf die Grube.“

(C) Ernst und Meike Wagner

Ich sag’s, wie es ist: Ich hatte kurz Angst, selbst reinzufallen. Nicht mit dem Auto. Einfach ich. Vielleicht auch doch mit dem Auto. Vor Nervosität.

Aber: Hat geklappt. Fahrzeug steht. Ich noch daneben. Gute Ausgangslage.

Lichttest – funktioniert.
Hupe – funktioniert (und klang in dem Moment wie ein kleiner Triumph).
Leuchtweitenregulierung – funktioniert.

Dann der Blick unter das Fahrzeug.
Dieser Blick.
Dieser prüfende, alles durchdringende Blick, bei dem man sich fragt, ob er auch Dinge sieht, die man selbst noch gar nicht weiß.

Ergebnis: Bestanden.

Kurz innerlich gefeiert. Äußerlich versucht, professionell zu wirken. Hat semi gut funktioniert.

(C) Ernst und Meike Wagner

Die Umschlüsselung – der eigentliche Untersuchungsgrund

Jetzt kam der Teil, weswegen wir überhaupt da waren: die Umschlüsselung zum Wohnmobil.

Alles wurde angeschaut. Wirklich alles.
Dokumentiert. Abgehakt. Wieder angeschaut.
Man merkt plötzlich, wie viele Dinge es gibt, die man irgendwann mal eingebaut hat und seitdem erfolgreich verdrängt.

Aber Schritt für Schritt: alles im grünen Bereich.

Dann noch das neue Leergewicht berechnet und ins System eingetragen.
Auch so ein Moment, wo man hofft, dass das Ergebnis nicht lautet: „Schön gebaut, aber leider zu schwer für alles.“

Und dann dieser unscheinbare Satz:
„Unterlagen werden nach Hause geschickt.“

BESTANDEN

Und einfach so… war es das.

Nach 2,5 Jahren Schrauben, Fluchen, Zweifeln, Googeln, nochmal Fluchen und gelegentlichem „Warum machen wir das eigentlich?“ ist es offiziell:

Das HeilixBlechle ist jetzt ein Wohnmobil.

Wir haben es tatsächlich geschafft.

Sobald die Unterlagen ankommen, geht’s weiter mit Versicherung und Anmeldung beim Landratsamt. Also Bürokratie-Level 2. Aber nach dem hier… fühlen wir uns fast unbesiegbar. Und alle Warnungen zum Trotz.

Fast.

Wiegen vor Umschlüsselung

(C) Ernst und Meike Wagner

Wiegen vor der Umschlüsselung – oder: Der Moment, in dem dein Ausbau dich auslacht

Es gibt genau diesen einen Moment im Ausbau, vor dem du dich drückst. Nicht bewusst. Eher so unterschwellig.
Du baust, schraubst, planst, wiegst Holz in der Hand und denkst dir: „Ach, das bisschen wird schon nicht ins Gewicht fallen.“

Spoiler: Doch. Tut es. Immer.

Im Zuge unserer Vorbereitungen zur Umschlüsselung (wenn du wissen willst, wie wir uns da reingeritten haben) stand also der große Realitätscheck an: die Waage.
Oder wie wir es nennen: der Tag, an dem Zahlen deine Illusionen beleidigen.

Übrigens: wenn ihr wissen wollt wie unser BMI vorher war, könnt ihr das auf unserer Datenblattseite ansehen.

Vorbereitung: Alles sichern – vor allem unseren Stolz

Bevor es losgehen konnte, mussten wir unseren Innenraum in etwas verwandeln, das nicht bei der ersten Kurve zur Installation „fliegender Innenausbau“ wird.

Also haben wir angefangen, alles raus-zu-räumen, festzuschrauben oder so zu verkeilen, dass es selbst bei einer Vollbremsung nur beleidigt knarzt, aber nicht durch die Gegend fliegt.

Dabei sind uns Dinge begegnet wie:
„Warum haben wir das überhaupt?“
„Seit wann ist das hier?“
und mein persönlicher Favorit:
„Das brauchen wir bestimmt noch.“

Im Führerhaus dann der klassische TÜV-Endgegner:
Unterlegkeil, Warnwesten, Warndreieck, Leuchte, Erste-Hilfe-Kasten – alles da. Überraschend. Fast verdächtig.

Dann Batterie anklemmen, Licht testen… und natürlich erst mal irgendwo kein Licht. Wäre ja auch komisch gewesen, wenn etwas sofort funktioniert.

Zum krönenden Abschluss ging es aufs Dach. Abdeckungen runter von den Solarplatten – und was uns dort erwartete, war weniger „leichter Staub“ und mehr „ökologisches Langzeitprojekt“.
Ein Jahr Standzeit reicht offenbar, um ein eigenes kleines Ökosystem zu gründen. Ohne unsere Zustimmung nätürlich.

Die erste Fahrt: Vertrauen ist gut, Angst ist realistischer

Dann ging es endlich los.

Die ersten Meter fühlten sich an wie:
„Ich fahre ein Haus.“
„Warum sitze ich so hoch?“
„War das Bremsen oder eine Meinungsäußerung des Fahrzeugs?“

Alles ist größer, träger, irgendwie… ernster.
Und du selbst? Sitzt da und tust so, als hättest du alles im Griff.

Nach ein paar Kilometern wird es besser. Also nicht gut. Aber besser genug, um weiterzufahren, ohne dauerhaft den Atem anzuhalten.

Die Waage: Der Ort, an dem Träume gewogen werden

Dann kam der Moment.

Die Waage.

Die eine Zahl, die darüber entscheidet, ob dein Projekt weiterhin „clever ausgebaut“ ist oder offiziell als „leicht eskalierter Materialkauf“ gilt.

Also Achse für Achse:

Vorderachse: 2060 kg
→ Okay. Das sieht noch nach Kontrolle aus.

Hinterachse: 3880 kg
→ Hm. Schon etwas… engagierter – könnte etwas mehr sein um das werksseitige Verhältnis von 1:2 beizubehalten..

Dann das große Ganze:

5960 kg

Unter 6 Tonnen.

Ganz ehrlich: Wir haben uns kurz gefühlt wie absolute Profis.
So für ungefähr 12 Sekunden.

Die Rechnung danach: Willkommen zurück in der Realität

Denn natürlich reicht es nicht, sich einfach über die 5960 kg zu freuen und so zu tun, als wäre das die ganze Wahrheit.

Also haben wir gerechnet. Ehrlich. Schonungslos. Ohne „das passt schon“.

Dazu kommen nämlich noch:

3 Personen à 75 kg
→ Also wir. In optimistisch gerechnet.

Diesel nicht voll: +45 kg
AdBlue nicht voll: +10 kg
Frischwasser: +250 kg
→ Ja, Wasser ist schwer. Wer hätte das gedacht.

Und dann der ganze Ausbau-Kram, der entweder schon drin ist oder garantiert noch reinkommt:

Kühlschrank, Eingangstreppe, Duschtasse, gefüllte Systeme, Holzofen, Holz für den Ausbau… also im Prinzip alles, was wir jemals mit „Ach, das bauen wir später noch ein“ kommentiert haben.

Am Ende landen wir bei einem geschätzten Leergewicht von:

6820 kg

Was bedeutet:
Wir haben noch etwa 670 kg Zuladung.

Oder anders gesagt:
Noch genau genug Spielraum, um uns selbst in falscher Sicherheit zu wiegen.

Der Plan: Mehr wiegen, weniger träumen

Natürlich bleibt es nicht bei dieser einen Wiegung.

Das hier war nur die erste ehrliche Begegnung mit der Realität.

Sobald der Ausbau weiter ist, geht es wieder auf die Waage. Dann sehen wir, ob wir wirklich so gut gerechnet haben – oder ob wir einfach nur sehr optimistisch im Kopfrechnen sind.

Und ganz am Ende, im reisefertigen Zustand, mit allem an Bord, was man „unbedingt braucht“ (und mindestens genauso viel, was man definitiv nicht braucht), kommt die finale Wiegung.

Das wird dann der Moment, in dem sich entscheidet, ob wir gut geplant haben – oder einfach nur sehr motiviert waren.

Fazit: Wir dürfen weitermachen (noch)

Aktuell sieht es gut aus.

Unter 6 Tonnen geblieben.
Zuladung vorhanden.
Keine sofortigen Rückbau-Maßnahmen nötig.

Also zurück in die Werkstatt.

Weiterbauen. Weiter hoffen. Weiter Dinge einbauen, von denen wir jetzt schon wissen, dass sie „eigentlich nicht so schwer sind“.

Und beim nächsten Mal berichten wir dann, wie wir es geschafft haben, 670 kg Zuladung mit erschreckender Effizienz zu verbrauchen.

Spoiler: Es wird wieder mit Holz zu tun haben. Und mit unserer Fähigkeit, Gewicht konsequent zu unterschätzen.

Die Gasanlage

 

 

Nach der erfolgreichen Vorbereitung zur Umschlüsselung unseres Fahrzeugs (hier nachzulesen) steht direkt der nächste Meilenstein vor der Tür: die Abnahme der Gasanlage. Klingt erst mal unspektakulär. Ist es aber nicht. Wirklich nicht.

Denn wie ihr bereits bei unserer Umplanung (dieser kleine Nervenzusammenbruch hier) gelesen habt, war genau diese Gasanlage einer der Hauptgründe dafür, dass wir unseren kompletten Ausbau nochmal über den Haufen geworfen haben. Also wirklich komplett. Mit Schwung. Und ein bisschen innerem Weinen.

Aber gut – Vorschriften sind Vorschriften. Also haben wir uns hingesetzt und alles genau so gebaut, wie man es eben… bauen muss. Oder zumindest so, wie wir glauben, dass man es bauen muss. Was ja auch irgendwie zählt.

Der Gaskasten – Deckel auf, Deckel auf, Problem da

Los ging’s mit dem Gaskasten.

Und weil „normal“ bei uns ungefähr so beliebt ist wie ein platter Reifen im Regen, haben wir uns für eine eher… sagen wir mal… kreative Lösung entschieden: Zugang von oben.

Heißt konkret:
Erst Sitzfläche aufklappen.
Dann Gaskasten öffnen.

(C) Ernst und Meike Wagner

Klingt simpel. War es nicht.

Die Herausforderung: Scharniere so zu platzieren, dass sich beide Deckel öffnen lassen, ohne sich gegenseitig zu blockieren. Was in der Theorie ungefähr so einfach klingt wie „mach halt richtig“. In der Praxis haben wir uns gefühlt wie zwei Menschen, die versuchen, IKEA-Möbel ohne Anleitung und mit verbundenen Augen aufzubauen.

Nach einigen Versuchen (und einer leichten emotionalen Bindung zu unseren Scharnieren) hat es dann aber tatsächlich funktioniert. – Wir müssen erst mal immer eine Beziehung zur Sache aufbauen 🙂

Damit die Gasflasche nicht bei jeder Bodenwelle Samba tanzt, haben wir eine Auflage aus Aluriffelblech eingebaut. Stabil, praktisch und sieht auch noch so aus, als hätten wir Ahnung.

Das Loch des Vertrauens (100 cm² Nervenkitzel)

Als nächstes kam die wohl endgültigste aller Entscheidungen:
Ein Loch in den Boden.

Nicht irgendeins.
Ein 100 cm² großes Loch.

   

Mit einer 120 mm Lochkreissäge haben wir uns dann durch den Boden gearbeitet und sind bei stolzen 113,10 cm² gelandet. Also mehr als genug Fläche, um im Zweifel zu sagen: „Das passt schon.“

Das Loch ist natürlich nicht einfach nur ein Loch (wäre ja zu einfach), sondern die offizielle „Falls-Gas-austritt-dann-bitte-hier-entweichen“-Öffnung.

Damit uns aber weder Wasser noch ungebetene Mitfahrer (Stichwort: alles mit mehr als zwei Beinen) besuchen kommen, haben wir:

  • das Ganze mit Sika sauber abgedichtet
  • ein Edelstahlnetz (aka Fliegennetz Deluxe) eingebaut
  • darüber ein Lüftungsgitter gesetzt
  • und von unten das Ganze nochmal gesichert

Kurz gesagt: Wenn da jetzt noch was durchkommt, hat es sich den Platz auch verdient.

Materialbeschaffung – oder: Wie man keinen Umsatz machen will

Die Gasrohre selbst wollten wir eigentlich ganz entspannt bei Movera kaufen.

Spoiler: wollten.

Denn anscheinend ist es dort Voraussetzung, die Seriennummer eines Fahrzeugs zu kennen, das man nicht besitzt, um Material kaufen zu dürfen, das frei im Internet angeboten wird.

Logisch. Total.

Nach kurzer Verwirrung, leichter Frustration und einem innerlichen „Dann halt nicht!“ haben wir uns einfach einen Händler in der Nähe gesucht – und siehe da: Es ging plötzlich. Mit Beratung. Mit Verkauf. Mit allem, was man sich so vorstellt.

Dort haben wir dann auch direkt alle Kleinteile und Adapter eingesammelt. Wenn schon, denn schon.

Gasrohre verlegen – Präzision trifft Verzweiflung

Dann wurde es ernst: Gasrohre verlegen.

Ausgerüstet mit:

  • Schneidewerkzeug
  • Entgrater (innen und außen – man lernt ja dazu)
  • und einem Biegewerkzeug

haben wir uns ans Werk gemacht.

Und hier ein kleiner Tipp aus der Kategorie „Hätten wir auch gern vorher gewusst“:
Die Länge muss passen. Und zwar richtig.

Vor allem an festen Punkten wie:

  • dem zusätzlichen Absperrventil
  • und der Außenversorgung

Da gibt’s kein „ach, das drücken wir schon irgendwie hin“. Nein. Tut man nicht.

Interessanterweise waren die kurzen Stücke die schlimmsten. Warum? Keine Ahnung. Wahrscheinlich, weil sie genau dann nerven, wenn man denkt, man hätte es langsam verstanden.

Wichtig beim Verschrauben:
Der Schneidring muss sauber sitzen, die Überwurfmutter erst handfest und dann etwa 1 bis 1,5 Umdrehungen mit dem Schlüssel nachziehen.

Ein Drehmoment? Haben wir nicht gefunden. Falls jemand eins kennt: bitte melden. Wir nehmen alles.

Sehr hilfreich war übrigens die Montageanleitung von GOK:
https://www.gok.de/Download-Center/Technische-Dokumentation/Montagehinweise/

 

 

 

Unterboden-Yoga und das T-Stück des Grauens

Unter dem Fahrzeug haben wir dann alle Leitungen auf ein T-Stück zusammengeführt.

Und hier begann der Teil, den ich gerne als „Rohrbiegen auf fortgeschrittenem Leidensniveau“ bezeichnen würde.

Die Rohre mussten:

  • exakt passen
  • sauber gebogen werden
  • eine Traverse überwinden
  • und gleichzeitig noch irgendwie logisch aussehen

 

Besonders schön war die Stelle vom Absperrventil durch den Boden und dann nach links weg. Inklusive Hindernisparcours.

Sagen wir es so:
Es funktioniert.
Aber es ist nicht die Stelle, die ich Besuchern als erstes zeigen würde.

   

Fixiert haben wir die Leitungen dann alle etwa 50 cm mit gummierten Schellen am Unterboden. Hält. Wackelt nicht. Reicht uns.

Die 3-Meter-Herausforderung (aka: Warum tue ich mir das an?)

Zum Schluss kam noch die Königsdisziplin:
Die Leitung für den Gasherd.

Etwa 3 Meter lang.

Und diese Leitung sollte:

  • sich an den Boden anschmiegen
  • eine Traverse überwinden
  • durch den Boden geführt werden
  • und innen genau auf der richtigen Höhe rauskommen

Also im Grunde eine Mischung aus Origami, Tetris und Selbstzweifeln.

Ich sag’s ehrlich: Das war eine Herkulesaufgabe. Für mich persönlich eher Kategorie „Herkules hatte es einfacher“.

Aber – und das ist das Wichtige – am Ende hat alles gepasst. Irgendwie. Mit ein bisschen Nachjustieren. Und minimalem Stolz.

   

Fazit: Viel gelernt, wenig elegant, aber funktioniert

Wenn wir eines bei der Gasanlage gelernt haben, dann das:

Perfektion ist überbewertet. Funktion ist entscheidend.

Wir haben geflucht, gelacht, neu gemacht und uns zwischendurch gefragt, warum wir uns das eigentlich antun. Aber genau das gehört dazu.

Und jetzt?
Jetzt steht die Abnahme an.

Drückt uns die Daumen.

Categories: Ausbauverlauf, Gas, Koffer

Eckbank im LKW-Ausbau

 

 

Es gibt diese Momente im Ausbau, da denkst du: „Ach, das wird jetzt ein entspanntes Projekt.“
Und dann lacht dich dein eigener Grundriss aus.

So geschehen bei unserer Eckbank.

Wie ihr bereits wisst, haben wir unsere ursprüngliche Planung ja ganz heldenhaft über Bord geworfen – nicht aus Spaß, sondern wegen… sagen wir mal… räumlicher Realitätsnähe (Ursprünglicher Plan vs. Realität). Und weil wir uns den Traum der Umschlüsselung erfüllen wollen (Warum wir uns das antun), musste plötzlich alles ganz schnell gehen.
Die Eckbank wurde vom „machen wir irgendwann mal“ Projekt zum „ohne dich geht hier gar nichts mehr“ Bauteil.

 

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner     (C) Ernst und Meike Wagner

 

Kein Druck also.

Wenn eine Bank zur Projektleitung wird

Man könnte meinen, man baut einfach eine Bank. Ein bisschen Holz, ein paar Schrauben, fertig.
Was man stattdessen bekommt: ein Projekt, das dir ganz klar zeigt, dass du eigentlich gar nichts im Griff hast.

Denn bevor wir überhaupt daran denken durften, die Eckbank einzubauen, kam erstmal… alles andere.

Allen voran Martha (Hier wohnt Martha jetzt).
Martha musste zuerst rein. Warum? Weil sie genau da sitzt, wo man später nie wieder hinkommt. Klingt logisch – ist es auch. Wenn man das vorher weiss. Wir wussten es natürlich erst, als es fast zu spät war – Aber zum Glück noch daran gedacht haben.

Und dann kam unser Gasmann.
Mit einer dieser Aussagen, die mit „Eigentlich kein Problem, aber…“ anfangen und mit einer kompletten Umplanung enden. Ergebnis: Zwei Türen im Glaskasten? Nö. Dürfen wir nicht. Also nochmal alles neu denken (Die Umplanung unseres Lebens).

 

(C) Ernst und Meike Wagner     (C) Ernst und Meike Wagner

 

Zu diesem Zeitpunkt war klar: Die Eckbank wird nicht gebaut.
Die Eckbank wird verdient!!

Gas, Strom und die Kunst, Dinge vorher zu wissen

Bevor die Eckbank überhaupt ihren Platz sehen durfte, mussten wir uns um die Gasinstallation kümmern. Und zwar so, als würden wir danach nie wieder drankommen.
Weil… Spoiler: Tun wir auch nicht.

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Das bedeutete:
Der Standort der Gasflasche musste festgelegt werden. Endgültig. Kein „ach, vielleicht doch anders“.
Denn davon hing direkt das berühmte 100 cm² große Loch im Boden ab.

Und ja – wir haben wirklich ein Loch in unseren LKW gebohrt.
Mit einer 120 mm Lochsäge.
Und ja – es fühlt sich exakt so falsch an, wie es klingt.

Aber hey: Wer nicht bohrt, der nicht gewinnt.

Natürlich hörte es da nicht auf. Gasleitungen mussten durch den Boden geführt werden, damit sie sich unten hübsch treffen können – quasi ein kleines Leitungs-Speed-Dating unterm Fahrzeug.
Und weil wir aus unseren Fehlern lernen (manchmal), haben wir auch gleich die Gasaußenversorgung mit einem zusätzlichen Ventil versehen und fest verbaut. Damit wir später nicht wieder sagen müssen:
„Ach, da hätten wir mal früher dran denken sollen.“

 

(C) Ernst und Meike Wagner     (C) Ernst und Meike Wagner     (C) Ernst und Meike Wagner

 

Elektrik – oder wie man Kabel auf Vorrat kürzt

Parallel dazu durften wir uns mit der Elektrik beschäftigen.
Und „durften“ ist hier bewusst gewählt.

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

 

Alle Leitungen mussten abgelängt und vorbereitet werden, weil – Überraschung – nach der Eckbank kommt man da auch nicht mehr ran.
Also haben wir fröhlich Kabel zugeschnitten für:

  • 12V Außenversorgung
  • 12V Anschluss oberhalb der Eckbank
  • zusätzliche Wasserpumpe
  • Solaranlage
  • 230V Anschlüsse innen und außen

Kurz gesagt: Wir haben alles vorbereitet, was man sich vorstellen kann – und vermutlich auch ein bisschen mehr, einfach aus Angst, etwas zu vergessen.

Der Elektrowürfel (ja, das ist ein offizieller Fachbegriff… in unserem Kopf) wurde dann oberhalb der Eckbank an seinen Platz gezwungen. Mit Winkeln. Viele Winkel. Sehr viele Winkel.

 

Und dann… die Terrasse. Natürlich.

Gerade als wir dachten: „Jetzt aber wirklich Eckbank!“, fiel uns ein kleines Detail wieder ein.

Die Terrassentür (Hier der Ursprung unserer Outdoor-Träume).
Dort sollten ja noch Plissees rein.

Und ratet mal, wo man danach nie wieder hinkommt?

Richtig.
Hinter die Eckbank.
Direkt bei Martha.

Also haben wir auch das auch noch schnell erledigt. Weil wir inzwischen gelernt haben:
„Schnell noch“ ist im Ausbau gleichbedeutend mit „Das dauert jetzt wieder drei Tage“.

 

Der Moment der Wahrheit

Irgendwann – und wir wissen selbst nicht mehr genau wie – war es dann soweit.

Alle Leitungen lagen.
Alle Löcher waren gebohrt (und wir emotional halbwegs darüber hinweg).
Die Gasinstallation war vorbereitet.
Die Terrasse war geblindet.
Martha sass zufrieden auf ihrem Platz.

Und dann kam sie:
Die Eckbank.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Endlich durfte sie rein. Wurde ausgerichtet, verschraubt, nochmal gelöst, nochmal ausgerichtet (weil natürlich nichts beim ersten Mal passt) und schließlich fixiert.

Der Gaskasten wurde mit ihr verbunden, am Boden gesichert und bekam seinen Deckel – damit auch wirklich nichts mehr verrutschen kann. Außer vielleicht unsere Nerven.

Zum Abschluss kamen noch die Sitzfläche mit Scharnieren und die Rückwand drauf.

Und da stand sie dann.
Unsere Eckbank.

 

Fazit: Mehr als nur ein Möbelstück

Was wir gelernt haben?

Die Eckbank ist kein Möbelstück.
Sie ist ein Gatekeeper.

Wenn du sie baust, hast du vorher schon alles andere durchdacht – oder du wirst gnadenlos dazu gezwungen.
Sie ist der Punkt im Ausbau, an dem „ach, das machen wir später“ einfach nicht mehr funktioniert.

Und ganz ehrlich:
Wir hätten uns viel Stress sparen können, wenn wir das früher gewusst hätten.

Aber dann hätten wir auch weniger zu lachen gehabt.
Zumindest im Nachhinein.

Währenddessen… eher so mittel.

Elektroschrank wird weiterentwickelt

(C) Ernst und Meike Wagner

Schwer, störrisch und irgendwie immer im Weg

Bevor überhaupt irgendwas geregelt werden konnte, mussten erst mal die Batterien an ihren Platz.
Klingt banal – ist aber ungefähr so, als würdest du versuchen, einen Kühlschrank in ein Schuhregal zu integrieren… nur teurer.

Zusätzlich wollten wir clever sein (was erfahrungsgemäß immer gefährlich ist) und direkt eine Bodenplatte so konstruieren, dass später auch größere Batterien reinpassen.
Heißt im Klartext:

  • stabil genug für den Alltag
  • flexibel genug für die Zukunft
  • und bitte so verbaut, dass man im Notfall wieder drankommt

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Parallel dazu durften wir unsere 50cm – 70mm²-Kabel bändigen. Diese Kabel haben ungefähr den Charme eines störrischen Gartenschlauchs im Winter – nur mit deutlich mehr Konsequenzen, wenn man Mist baut.

Also:
Minusseite → Shunt
Plusseite → 400A-Sicherung + Hauptschalter

Und das alles so platziert, dass unsere zusätzlich eingebaute schlaue Bodenplatte im Zweifel auch wieder raus kann.
(Spoiler: Wir haben mehrfach überprüft. Und dann nochmal. Und dann sicherheitshalber nochmal.)

(C) Ernst und Meike Wagner

Das große Prinzip – Endlich ein Plan!

An dieser Stelle haben wir uns tatsächlich wie richtige Erwachsene gefühlt, denn: Es gab ein System.

Von der Hauptbatterie gehen zuerst die Versorgungsschienen weg.
Darauf landen dann:

  • alle Ladeleitungen (Solar, Booster, Ladegeräte)
  • große Verbraucher (z. B. Kühlschrank – der kleine Strom-Vielfraß)
  • und die sogenannten „Fühlerleitungen“ für Geräte, die wissen wollen, was die Batterie gerade so treibt

Von dort aus gehen 6mm²-Leitungen weiter zu den DC-DC-Wandlern.
Und diese übernehmen dann die Versorgung der Endgeräte.

(C) Ernst und Meike Wagner

Der Vorteil?
Deine empfindlichen Geräte bekommen eine saubere, stabile Spannung von 12–12,5V.
Keine Spannungsspitzen, keine bösen Überraschungen.

(C) Ernst und Meike Wagner

Ein Paradebeispiel: der MaxxFan.
Der mag nämlich keine elektrischen Achterbahnfahrten.

Der Frieden mit den Solarkabeln

Dann kam der Moment, auf den wir heimlich hingearbeitet haben:
Die starren Solarkabel endlich anschließen.

Diese Dinger lagen seit der Kabeldurchführung rum und waren IMMER im Weg.
Egal wo du standest – sie waren da.
Egal was du gemacht hast – sie haben gestört.

Jetzt: 30A-Sicherung rein, ordentlich verlegt, angeschlossen.
Fertig.

Wir haben kurz überlegt, eine kleine Einweihungsfeier zu machen.

Von dort ging’s mit 6mm² weiter zum Laderegler – abgesichert mit 60A.
Und ja: Die Wege sind kurz. Sehr kurz. Etwa 80 cm.
Aber hey – auch auf kurzen Strecken kann man ordentlich Chaos anrichten.

Wichtig war uns die Reihenfolge:

  1. Erst Laderegler an Batterie anschließen
  2. Dann erst die Solarplatten zuschalten

Beim Abschalten natürlich andersrum.
(Man lernt ja dazu… meistens zumindest.)

(C) Ernst und Meike Wagner

Phase 3: Die Wandler und der Kampf gegen die Physik

Jetzt wurde es spannend: DC-DC-Wandler anschließen.

Dabei fiel uns auf: Die Dinger haben Lüfter.
Und Holz… nun ja… Holz liebt es, Geräusche zu verstärken.

Einmal falsch montiert und dein Ausbau klingt wie ein startender Helikopter.

Also haben wir einen Platz gesucht, der möglichst wenig als Resonanzkörper dient.
Gefunden haben wir ihn tatsächlich: an der Türseite gegenüber dem Anschlag. – Dort ist viel Alu-Profile verbaut.

Manchmal hat man auch einfach Glück. Selten, aber es passiert.

Angeschlossen wurde alles mit 6mm² und jeweils 40A abgesichert. -Wird aber voraussichtlich mit 30A oder 35A ausgetauscht – mal sehen was die Praxis einen so lehrt.

Zwei Stromkreise, unendlich viele Gedanken

Von den Wandlern ging es weiter zur Sicherungsleiste – dem Verteilerzentrum unseres kleinen Strom-Universums.

Spannend: Die Wandler lassen sich separat schalten.
Heißt: zwei Stromkreise.

Aber Achtung:
Maximal 20A pro Wandler gleichzeitig.

Also mussten wir uns überlegen: Wer darf, wer nicht?

Der Kühlschrank?
Zu durstig → fliegt raus.

Der Rest?

  • Licht
  • Lüfter
  • Steckdosen (aka Zigarettenanzünder)
  • Pumpen

Alles machbar.

Unsere Lösung:

  • Lichter + Pumpen auf einen Wandler
  • Osmoseanlage und Fahrradladegerät jeweils eigene Wandler

Klingt durchdacht. War es auch… nach dem dritten Versuch.

(C) Ernst und Meike Wagner

Schalter, Schalter überall

Natürlich braucht das Ganze auch Bedienelemente.

Also haben wir Schalter verteilt wie ein Eichhörnchen seine Nüsse:

  • Küche → Arbeitslicht, Wasserpumpe, Osmose
  • Eingang → Garderobenlicht
  • Bett → Nachtlicht

Und ja, ein Teil davon sitzt direkt im Schaltschrank.
Der Rest da, wo man ihn wirklich braucht. (Revolutionär, wir wissen.)

Zukunftssicher (oder zumindest tun wir so)

Wir kennen uns inzwischen gut genug, um zu wissen:
Uns wird noch Zeug einfallen.

Deshalb haben wir bewusst Platz im Schaltschrank gelassen.
Für spontane Ideen, unnötige Spielereien oder „das brauchen wir unbedingt noch“-Momente.

Der Realitätscheck

Am Ende kommt der wichtigste Schritt:
Ein echter Elektriker schaut sich das Ganze an.

Denn wie es so schön im TÜV-Merkblatt heißt:
„Die elektrische Anlage soll fachgerecht installiert sein.“

Und „wir haben uns wirklich Mühe gegeben“ zählt da leider nicht.

Unser innerer Monk gab mir keine Ruhe. So haben wir das nochmals auf unserer Weite geprüft:
Mittels Dauerlast von 2,5KW für ca 1 Std. das Ergebnis beruhigt:

(C) Ernst und Meike Wagner     (C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner     (C) Ernst und Meike Wagner     (C) Ernst und Meike Wagner     (C) Ernst und Meike Wagner     (C) Ernst und Meike Wagner     (C) Ernst und Meike Wagner

Aber:
Wenn der Fachmann nickt – dann schlafen wir definitiv ruhiger.

Und unser LKW hoffentlich auch.

Vorbereitungen für die Umschlüsselung

3 Comments

 

 

Es gibt diese Momente im Ausbau eines Fernreisemobils, in denen man plötzlich merkt: Jetzt wird’s ernst. Nicht mehr nur Flex, Holzstaub und „Ach, das machen wir später noch hübsch“, sondern Behörden, Vorschriften und Menschen mit Klemmbrett. In unserem Fall bedeutete das: Die Umschlüsselung unseres LKW zum Wohnmobil rückt näher.

Und genau an diesem Punkt wurde uns klar, dass wir uns langsam – wirklich langsam – einen Terminplan überlegen sollten. Also nicht nur das klassische „Das bauen wir irgendwann mal ein“, sondern eher „Wann genau muss das Ding so aussehen, dass der TÜV nicht spontan in Ohnmacht fällt?“.

Wer unseren bisherigen Ausbau verfolgt hat, weiss ja: Perfektion ist bei uns eher ein dynamischer Zielzustand. Wer sich das Elend bzw. den Fortschritt noch einmal ansehen möchte, findet den bisherigen Wahnsinn übrigens hier in unserer Kategorie: „Ausbauverlauf“ – dort sieht man sehr schön, wie aus einem LKW nach und nach etwas entsteht, das irgendwann einmal entfernt an ein Wohnmobil erinnern könnte.

Unser Fahrzeug ist aktuell noch ganz offiziell für den Güterverkehr zugelassen. Das klingt wichtig, fühlt sich aber im Moment ungefähr so passend an wie ein Smoking beim Ölwechsel. Ziel ist natürlich die Umschlüsselung zum Sonderkraftfahrzeug Wohnmobil.

Das bedeutet allerdings:
Man braucht jemanden, der sich das ganze Projekt anschaut und am Ende sagt: „Ja, das kann man guten Gewissens als Wohnmobil durchgehen lassen.“

Klingt einfach.

Ist es nicht.

Denn wie wir lernen durften, darf das nicht jeder TÜV-Prüfer machen. Auch hier gibt es – Überraschung – Vorschriften. Der Prüfer benötigt nämlich eine besondere Befähigung, um ein Vollgutachten nach §21 StVZO durchführen zu dürfen.

Mit anderen Worten:
Man braucht einen Prüfer, der nicht nur Ahnung hat, sondern auch offiziell Ahnung haben darf.

Also begann eine kleine Odyssee durch Telefonate, E-Mails und gelegentlich ratlose Gesichter. Der typische Gesprächsverlauf war ungefähr so:

„Hallo, wir bauen gerade einen LKW zum Wohnmobil um…“

Kurze Pause.

„…ah.“

Noch längere Pause.

„Dafür brauchen Sie jemanden mit §21.“

Genau. Den suchen wir ja.

Nach einigen Umwegen – und vermutlich dank einer guten Portion Glück – haben wir dann tatsächlich einen Prüfer gefunden, der sich unseres Projekts annehmen wollte. Auch wenn „Zeit haben“ bei ihm eher bedeutet: ein sehr kleines Zeitfenster zwischen zwei sehr großen Terminen.

An dieser Stelle möchten wir wirklich einmal ein großes Dankeschön aussprechen. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass jemand sich die Zeit nimmt, sich ein halb fertiges, staubiges und teilweise noch sehr optimistisches Ausbauprojekt anzuschauen.

Der Prüfer war also bereits bei uns und hat sich unser Fahrzeug im aktuellen Zustand angesehen. Das ist ungefähr so, als würde man einem Architekten eine Baustelle zeigen, bei der noch nicht ganz klar ist, ob es ein Haus oder doch eher ein modernes Kunstprojekt wird.

Wir haben ihm also unseren aktuellen Ausbaustand präsentiert – inklusive der typischen Baustellenklassiker:

  • „Hier kommt später noch etwas hin.“

  • „Das ist nur provisorisch.“

  • „Die Schrauben tauschen wir natürlich noch.“

Er blieb erstaunlich ruhig.

Und dann kam das Dokument ins Spiel, das jeder angehende Wohnmobilbauer irgendwann kennenlernen sollte:

👉 https://shop.tuev-verband.de/merkblaetter/MB-FZMO-Fahrzeug-und-Mobilitaet/Anforderungen-an-die-Fahrzeugart-Wohnmobil-MB-FZMO-740

Das TÜV-Verband Merkblatt MB FZMO 740 beschreibt ziemlich genau, welche Anforderungen ein Fahrzeug erfüllen muss, um als Wohnmobil zu gelten. Wir können nur jedem ans Herz legen, da einmal reinzuschauen – idealerweise bevor man anfängt, Dinge fest einzubauen, die später wieder raus müssen.

Glücklicherweise konnten wir bei unserem Ausbau bereits einige dieser Anforderungen berücksichtigen. Nicht unbedingt, weil wir besonders clever sind, sondern eher, weil wir uns frühzeitig ein bisschen eingelesen haben. Und weil wir das Internet sehr intensiv mit Fragen genervt haben.

Wer sehen möchte, wie sich diese Planung in unserem Ausbau niedergeschlagen hat, findet dazu ebenfalls einige Beiträge im bisherigen Ausbauverlauf:

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Nach der Besichtigung kam der Satz, der uns für den Rest der Woche erstaunlich gute Laune beschert hat:

„Ihr seid eigentlich ganz gut dabei.“

Man muss verstehen: Für uns klang das ungefähr so, als hätte jemand gesagt:
„Das wird am Ende vermutlich wirklich ein Wohnmobil.“

Natürlich gab es auch einige Hinweise und Vorgaben. Dinge, die noch umgesetzt werden müssen, Dinge, die so bleiben können, und Dinge, bei denen man besser nicht nachfragt, warum sie so sind.

Aber insgesamt war das Feedback positiv genug, dass wir gemeinsam einen groben Terminplan für die Abnahme festlegen konnten.

Wenn alles halbwegs nach Plan läuft – und wir nicht wieder in eine spontane „Das könnten wir auch noch schnell ändern“-Phase verfallen – möchten wir Ende April den ersten Versuch der Umschlüsselung wagen.

Bis dahin muss das Fahrzeug im Groben den Anforderungen für ein Wohnmobil entsprechen.

Das bedeutet:

Schlafen, sitzen, kochen und wohnen muss erkennbar sein.

Ob alles perfekt ist?
Natürlich nicht.

Aber perfekt ist im Fahrzeugausbau ohnehin ein sehr theoretisches Konzept.

Falls jetzt jemand denkt, dass mit der Umschlüsselung der Ausbau abgeschlossen ist, müssen wir leider enttäuschen.

Ein Fahrzeugausbau ist wie eine Dauerbaustelle mit Rädern.

Es gibt immer noch etwas zu verbessern, umzubauen oder komplett neu zu denken. Wer uns also weiterhin bei diesem kreativen Chaos begleiten möchte, wird auch in Zukunft genügend Material im Ausbauverlauf finden:

Denn eines können wir jetzt schon versprechen:

Langweilig wird es ganz bestimmt nicht.

230V-Anlage zieht ein

(C) Ernst und Meike Wagner

Wer unseren bisherigen Ausbauverlauf verfolgt hat, weiss: Beim Projekt HeilixBlechle wird viel geplant, viel geflucht – und erstaunlich oft funktioniert am Ende sogar etwas. Nachdem wir bereits unseren Elektroschrank gebaut haben (siehe unseren Beitrag zum Elektroschrank im Kofferaufbau), stand nun der nächste logische Schritt an:
Die 230-Volt-Anlage zieht ein.

Und ja, ab diesem Punkt wird aus „ein bisschen Camper basteln“ plötzlich „bitte nichts falsch machen, sonst wird’s spektakulär“.

Unser Elektroschrank steht bereits und ist mehr als nur eine hübsche Holzkiste mit Kabeln. Er ist ein zentraler Baustein – nicht zuletzt auch im Hinblick auf die spätere Umschlüsselung des Fahrzeugs. Ohne saubere Elektrik kein „Prüferlächeln“, und ohne „Prüferlächeln“ kein Wohnmobil.

Mit anderen Worten:
Der Schrank ist das Gehirn unseres fahrenden Chaosprojekts.

Wer unsere bisherigen Bauetappen kennt, weiss: Planung ist bei uns meistens eine Mischung aus Skizze, Kaffeesatz und optimistischem Schulterzucken. Trotzdem musste hier ausnahmsweise einmal präzise gedacht werden.

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

 

Für unsere 230-Volt-Versorgung haben wir uns einen 2,5-kW-Wechselrichter gegönnt. Klingt erst mal harmlos. Ist es aber nicht.

Denn bevor das gute Stück überhaupt irgendwo festgeschraubt werden durfte, mussten wir zuerst klären, wo unsere Batterien überhaupt wohnen sollen.

Und plötzlich wird klar:
Eine Batterie ist nicht einfach nur eine Batterie. Sie ist ein ziemlich energiereiches Objekt, das im Zweifel mehr Leistung freisetzen kann als unsere gesamte Planungskompetenz verkraftet.

Um es plastisch auszudrücken:
Wenn da theoretisch 5 kW Energie gleichzeitig frei werden, dann ist das kein „Oops“, sondern eher ein „Feuerwehr bitte sofort“.

Also kam als erstes ein Deckel auf die Batterie. Ganz simpel, ganz unspektakulär – aber extrem wichtig.
Denn nichts wäre peinlicher, als wenn irgendeine Schraube, ein Werkzeug oder ein besonders neugieriger Bastlerfinger plötzlich einen Kurzschluss produziert.

Bei der Batterieposition ging es nicht nur um Platz, sondern auch um Logik.

Der Not-Aus-Schalter soll vorne im Schrank sitzen, gut erreichbar – also auch dann, wenn man gerade hektisch versucht herauszufinden, warum irgendwo etwas komisch riecht.

Daraus ergab sich automatisch:

  • Pluspol links

  • Minuspol rechts bzw. an der Rückwand

Am Minuspol sitzt später auch direkt der Shunt, damit wir jederzeit sehen können, was unsere Batterie gerade treibt.

Oder anders gesagt:
Ob sie fleissig Energie liefert – oder still und heimlich beleidigt leer wird.

(C) Ernst und Meike Wagner

Nachdem Batterieposition und Sicherheitsüberlegungen geklärt waren, ging es wieder zum eigentlichen Thema zurück:
Der Wechselrichter braucht ein Zuhause.

Und hier kam unser nächstes kleines Ausbau-Detail ins Spiel.

Unsere Schrankwände bestehen aus 10-mm-Holzplatten. Das ist leicht, stabil – und für viele Dinge absolut ausreichend.

Aber ein Wechselrichter in einem LKW-Koffer erlebt während der Fahrt etwas, das man höflich „ständige Vibrationen“ nennt.

Oder weniger höflich:
Dauerhafte Schüttelprüfung für jedes Bauteil.

Deshalb wollten wir das Gerät nicht einfach ins Holz schrauben. Stattdessen haben wir Alu-Profile verbaut, auf denen der Wechselrichter stabil befestigt wird.

Das Ergebnis:
Mehr Stabilität, weniger Risiko, und eine deutlich geringere Wahrscheinlichkeit, dass uns irgendwann während der Fahrt ein 2,5-kW-Gerät entgegenkommt.

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Direkt neben dem Wechselrichter sitzt unser Sicherungskasten.

Dabei war uns ein Punkt besonders wichtig:
230-Volt-Kabel und 12-Volt-Kabel sollen sich möglichst nicht begegnen.

Nicht weil sie sich nicht mögen – sondern weil wir später noch verstehen möchten, welches Kabel eigentlich wofür zuständig ist.

Also haben wir die Leitungen sauber getrennt geführt.
Alle Kabel laufen ordentlich in den Sicherungskasten, werden dort verklemmt, und von dort aus gehen die Leitungen weiter zu den Steckdosen.

Das Ziel war klar:
Wenn irgendwann etwas nicht funktioniert, möchten wir nicht archäologisch nach Kabeln graben müssen.

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Nachdem alle Steckdosen verkabelt und verschraubt waren, folgte der wichtigste Schritt:

Nachmessen. Alles. Mehrfach.

Denn Elektrik ist kein Bereich, in dem man mit einem optimistischen
„Das wird schon passen“ arbeiten sollte.

Erst nachdem wirklich alles überprüft war, wurde die Batterie an den Wechselrichter angeschlossen. Danach haben wir die Vorrangschaltung und Ladeeinheit getestet, kontrolliert ob alles sauber arbeitet – und uns langsam an den ersten Test der Anlage herangetastet.

Ein Moment voller Spannung.

Im wahrsten Sinne des Wortes.

Nun ja.

Sagen wir so:
Es hat nichts gebrannt, nichts hat geknallt und wir mussten keinen Feuerlöscher benutzen.

Für ein DIY-Projekt unserer Kategorie ist das bereits ein sehr solides Zwischenergebnis.

Und damit steht fest:
Unsere 230-Volt-Anlage im LKW-Kofferaufbau lebt.

Wie es weitergeht – und welche neuen Herausforderungen unser Ausbauprojekt für uns bereithält – erfahrt ihr natürlich im nächsten Beitrag unseres Ausbauverlaufs.

Wir ahnen bereits:
Langweilig wird es nicht.

Fortsetzung folgt …

Es wird wieder umgeplant

1 Comment

 

 

Wer unseren Ausbauverlauf schon eine Weile verfolgt, weiß: Bei uns ist ein Plan ungefähr so stabil wie ein Kartenhaus im Ventilator. Wir machen uns Gedanken, zeichnen Skizzen, messen alles dreimal nach… und bauen es dann trotzdem anders. Manchmal freiwillig. Manchmal, weil uns die Realität freundlich aber bestimmt darauf hinweist, dass unser Plan ungefähr so praxisnah war wie ein Whirlpool im Handschuhfach.

Diesmal ging es um das Thema Gasinstallation im LKW-Kofferaufbau.
Ein Thema, bei dem man als Selbstausbauer sehr schnell merkt, dass „Pi mal Daumen“ keine offiziell anerkannte Maßeinheit ist.

Unsere Idee war eigentlich ziemlich genial. Also zumindest fanden wir das.

Die Gasflasche sollte auf der Fahrerseite hinter einer Außenklappe sitzen. Schön zugänglich, ordentlich befestigt und natürlich so, dass wir jederzeit an die Verschlüsse der Halterung kommen.

Direkt daneben wollten wir noch eine zusätzliche Zwischentür in den Gaskasten einbauen. Dadurch hätten wir durch die gleiche Außenklappe nicht nur die Gasflasche erreichen können, sondern auch unsere Wasserversorgung und die Anschlüsse der Außenversorgung direkt neben Martha.

(C) Ernst und Meike Wagner

Kurz gesagt:
Ein cleverer, kompakter Technikbereich.

Ein kleines Meisterwerk deutscher Garageningenieurskunst.

Also… auf dem Papier.

Das einzige kleine Detail:
Der Gaskasten hätte dafür zwei Türen gebraucht.

Und genau hier beginnt die Stelle der Geschichte, an der wir uns selbst fragen, warum wir nicht vorher jemanden gefragt haben, der sich wirklich damit auskennt.

Bevor wir also fröhlich Löcher in unseren Kofferaufbau schneiden und danach versuchen zu erklären, warum da plötzlich zwei Türen im Gaskasten sind, hatten wir eine seltene Eingebung:

Wir fragen vorher den Gasmann.

Eine Entscheidung, die im Nachhinein betrachtet ungefähr so klug war wie ein Sicherheitsgurt im Auto.

Der gute Mann hörte sich unsere grandiose Planung geduldig an, nickte ein paar Mal und sagte dann einen Satz, der in etwa die Wirkung eines Presslufthammers auf ein Kartenhaus hatte:

„Ein Gaskasten darf nur eine Tür haben.“

Ende der Planung.

Applaus.

Vorhang.

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

Das besonders Ironische daran:

Diese Seite unseres Aufbaus hat ohnehin schon eine gewisse… Geschichte.

Kurz gesagt:
Diese Seite unseres Fahrzeugs scheint ein Eigenleben zu führen.

Denn genau hier haben wir bereits einmal eindrucksvoll bewiesen, dass man auch mit viel Enthusiasmus komplett danebenliegen kann.

Wer sich noch einmal anschauen möchte, wie wir diese Fahrzeugseite bereits einmal erfolgreich verhunzt haben, darf gerne hier nachlesen:

Und weil wir offensichtlich der Meinung waren, dass ein Fehler alleine sich langweilt, folgte kurz darauf noch eine Planänderung, die uns eine wunderbar sichtbare Alu-Profilstange quer durch das obere Drittel der Außenklappe beschert hat:

Kurz gesagt:
Diese Seite unseres Fahrzeugs scheint ein Eigenleben zu führen.

Ich bin inzwischen relativ sicher, dass irgendwo im Blech ein kleiner Dämon wohnt, der immer dann aktiv wird, wenn wir glauben, einen guten Plan zu haben.

Und genau dort wollten wir jetzt auch noch die Gasinstallation unterbringen.

Was soll da schon schiefgehen.

Während ich noch damit beschäftigt war, unsere Planung innerlich zu betrauern und überlegte, ob man einen Gaskasten vielleicht einfach unsichtbar denken kann, kam von Meike eine neue Idee.

Eine von diesen Ideen, bei denen man kurz denkt:
„Moment… das ist eigentlich ziemlich clever.“

Ihre Lösung:

Der Gaskasten kommt einfach in das 2. Segment der Eckbank.

Genauer gesagt in das mittlere Segment der Sitzbank.

(C) Ernst und Meike Wagner

Der Raum ist dort zwar ungefähr so großzügig bemessen wie eine Economy-Class-Beinfreiheit bei Billigfliegern, aber technisch funktioniert es.

Der Zugriff erfolgt von oben über die Sitzfläche.
Das bedeutet zwar, dass man im Zweifel erst einmal das Sitzpolster anheben muss, aber dafür erfüllt der Gaskasten eine ganz wichtige Vorschrift:

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

Er hat nur eine Tür.

Der ursprüngliche Raum hinter der Außenklappe bleibt dadurch frei für unsere:

  • Wasserversorgung

  • Außenanschlüsse

Und ganz ehrlich:
In kreativen Umplanungen und gepflegtem Improvisationspfusch haben wir inzwischen wirklich Übung.

Jetzt muss nur noch der Gasmann seinen Segen geben.
Und vielleicht ein kleines Stoßgebet sprechen.

Die Gasflasche soll an der Innenwand an zwei Punkten befestigt werden.

Davor sitzt der Crashsensor von GOK, der über einen Schlauch an ein starres Gasrohr angeschlossen wird.

Dieses Gasrohr verschwindet dann durch den Boden nach draußen.

Dasselbe Prinzip gilt für:

  • unsere Gas-Außenversorgung

  • den Herd mit Backfunktion

Unter dem Fahrzeug werden diese drei Gasleitungen miteinander verbunden.

Der Vorteil:
Im Innenraum bleiben die Rohrstrecken möglichst kurz.

Und je weniger Gasleitungen im Innenraum herumturnen, desto besser schläft man nachts. Besonders wenn man weiß, wer sie eingebaut hat.

Natürlich wäre es kein echter Ausbaufortschritt bei uns, wenn nicht irgendwo noch ein kleines Problem lauern würde.

Unser Herd hat nämlich einen sehr eigenen Charakter.

Der starre Gasanschluss sitzt – von vorne betrachtet – hinten auf der linken Seite.

Das wäre vollkommen unproblematisch…
wenn der Herd nicht bereits eingebaut wäre.

Das bedeutet nun, dass wir irgendwie ein starres Gasrohr anschließen müssen, während der Herd bereits fest im Möbel sitzt und uns dabei ungefähr so viel Bewegungsfreiheit lässt wie ein Zahnarzttermin mit Handschellen.

Die aktuelle Idee sieht folgendermaßen aus:

Das Gasrohr wird am Herd angeschlossen, dann nach rechts bis zur Küchenseitenwand geführt, die sich in Richtung Schiebetür befindet. Dort machen wir eine 90-Grad-Biegung nach unten, bevor das Rohr durch den Boden nach draußen verschwindet.

Durch diese Führung sollte ein kleines bisschen Spiel im Rohr entstehen – gerade genug, um den Anschluss am Herd überhaupt montieren zu können, ohne gleichzeitig die komplette Küche wieder zu zerlegen.

Zumindest ist das der Plan.

Und wie wir inzwischen wissen, ist ein Plan bei uns vor allem eines:

Eine spannende Vermutung darüber, wie es vielleicht funktionieren könnte.

Wenn man eines aus unserem Ausbauprojekt lernen kann, dann vermutlich das:

Selbstausbau besteht zu etwa

  • 20 % aus Planung

  • 30 % aus Bauen

  • und zu 50 % aus Umplanen

Manchmal fühlt sich das Ganze ein bisschen so an, als würde man ein Puzzle zusammensetzen, bei dem ständig jemand neue Teile dazulegt.

Aber genau das macht den Ausbauverlauf von Heilix Blechle auch aus:
Es läuft nicht perfekt.

Es läuft realistisch.

Mit Ideen, Fehlplanungen, spontanen Geistesblitzen und der gelegentlichen Erkenntnis, dass man vielleicht doch noch einmal jemanden fragen sollte, der sich wirklich damit auskennt.

Und deshalb sind wir uns ziemlich sicher:

Dieser Plan wird auch nicht der letzte gewesen sein.

Fortsetzung folgt.
Sehr wahrscheinlich nach der nächsten Planänderung.

Categories: Ausbauverlauf, Gas, Koffer

Wer ist Martha

 

Du kennst das vielleicht.
Du baust seit Wochen an deinem LKW-Kofferaufbau, misst, sägst, fluchst – und plötzlich starrt dich ein großes, leeres Fenster an. Und dieses Fenster denkt sich: „Hier fehlt was.“

Nicht technisch. Nicht funktional.
Sondern emotional.

Genau da standen wir. Mitten im Ausbauverlauf unseres LKW-Kofferaufbaus. Die Eckbank war eingebaut, der Rücken zur Fensterseite – großartig zum Sitzen, eher mäßig für die Aussicht. Der untere Bereich des Fensters? Dauerhaft verdeckt. Der obere? Zu viel Einblick von draußen.

Und so begann die Suche nach… nun ja… einem Mitreisenden.

Heute ist es Zeit, euch Martha vorzustellen:

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Martha ist kurzsichtig. Sie trägt Brille. Und sie reist ab sofort immer mit uns.

Warum ein Lama?
Warum mit Brille?
Warum überhaupt?

Ganz einfach: Weil wir es können. Und weil der LKW-Kofferaufbau nicht nur Technik ist, sondern Persönlichkeit.

Durch unsere Eckbank – Rücken zur Fensterseite – bleibt der untere Bereich des Fensters dauerhaft verdeckt. Von innen siehst du dort: nichts. Absolut nichts.

Und genau dort sitzt Martha.

Ja, richtig gelesen.
Unser kurzsichtiges Lama mit Brille klebt im Bereich, den man von innen gar nicht sieht.

Und Warum?
Weil genau dieser Teil von außen sichtbar ist – und wir keine Lust auf „nacktes Fenster“ hatten.  Der obere Bereich des Fensters – also von der Oberkante der Eckbank bis zur Decke – bleibt weiterhin frei. Und genau dort könnten künftig Blisses angebracht werden, um diesen sichtbaren Restbereich bei Bedarf abzudecken.

Kurz gesagt:
Unten klebt das Lama.
Oben wäre Platz für Blisses.
Innen sieht man davon… nichts.
Aussen hingegen reist jetzt Martha mit.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Wenn du eine Fensterfolie aufbringen willst, brauchst du:

  • Ein perfekt gereinigtes Fenster
  • Destilliertes Wasser (wir haben Osmosewasser verwendet – man gönnt sich ja sonst nichts)
  • Eine Rakel
  • Ein Kuttermesser oder Teppichmesser
  • Und die naive Hoffnung, dass alles beim ersten Mal klappt

Das Fenster wurde also penibel gereinigt. Wirklich penibel. So sauber war es wahrscheinlich nicht mal beim Einbau.

Dann: ordentlich mit Osmosewasser einsprühen. Schön einnässen. Nicht zaghaft. Das Glas soll aussehen, als hätte es gerade ein Wellness-Wochenende hinter sich.

Anschließend die Folie von der Trägerfolie lösen.

Und genau hier passierte es.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Statische Aufladung – oder wie man sich unsichtbare Feinde ins Kunstwerk holt

Beim Abziehen entstand eine statische Aufladung.
Was wir nicht bemerkten: Diese lud charmant sämtliche in der Werkstatt schwebenden Schmutzpartikel ein.

Wir bemerkten es nicht.

Wir sprühten die Folie ebenfalls mit Osmosewasser ein.
Legten sie nass auf die Scheibe.
Strichen mit der Rakel von innen nach außen Luft und Wasser heraus.
Schnitten die Überstände mit dem Teppichmeser ab.

Und standen da.
Bewunderten Martha.
Feierten uns ein kleines bisschen.

Exakt auf Mass?
Übrigens eher hinderlich. Beim Aufbringen merkten wir schnell: Ein paar Millimeter mehr Spielraum wären deutlich entspannter gewesen. Also wurde sauber nachgeschnitten.

Fertig war das Kunstwerk.

Dachten wir.

Ein paar Tage später, das Licht fiel schräg ins Fenster.

Und da waren sie.
Die kleinen, fiesen Schmutzpartikel. Eingeschlossen. Für die Ewigkeit konserviert.

Nicht dramatisch.
Aber sichtbar.

Also falls du gerade planst, deinen LKW-Ausbau mit einer Fensterfolie aufzuhübschen:

👉 Eine Werkstatt ist dafür nicht der richtige Ort.
Wirklich nicht.

Staub gewinnt hier immer.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Warum Martha trotzdem bleibt

Ja, da sind kleine Partikel.
Ja, wir wissen jetzt, wie es besser geht.
Ja, wir würden es beim nächsten Mal anders machen.

Aber ganz ehrlich?

Martha gehört inzwischen dazu. Sie sitzt da, kurzsichtig wie eh und je, blickt nach draußen und erinnert uns daran, dass der Ausbauverlauf eines LKW-Kofferaufbaus nicht perfekt sein muss.

Er muss nur unserer sein. Und wenn wir irgendwann Blisses nachrüsten, dann nur, wenn Martha damit einverstanden ist.

Für alle, die es technisch exakt wissen wollen:

Fenster reinigen.
Mit destilliertem Wasser oder Osmosewasser einsprühen.
Folie vorsichtig von der Trägerfolie lösen.
Auch die Folie befeuchten.
Nass auflegen.
Mit Rakel von innen nach außen ausstreichen.
Überstände mit scharfem Kuttermesser oder Teppichmesser sauber schneiden.
Staub vermeiden. Unbedingt.

Und falls doch etwas schiefgeht:
Ein Lama mit Brille macht alles besser.

Wenn du mehr über unseren Ausbau erfahren willst, stöbere gerne weiter im Ausbauverlauf. Hier wird geschraubt, geflucht, gelacht – und manchmal klebt auch einfach ein Lama am Fenster.

Elektroschrank wird eingebaut

(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Es gibt Projekte im Ausbau, da denkst du: „Das wird entspannt. Ein bisschen Aluprofil, ein paar Platten, paar Schrauben – Feierabendbier.“
Und dann gibt es Projekte wie unseren Elektroschrank im LKW-Kofferaufbau.

Kurzfassung: Ich war naiv. Sehr naiv. Fast schon bewundernswert naiv.

Was als „Ach, das bauen wir schnell rein“ begann, entwickelte sich zu einer Mischung aus Millimeter-Tetris, Zirkusakrobatik im Kofferaufbau und einem dauerhaften Duell mit einem Solarkabel, das offensichtlich eigene Lebensziele hatte.

 

Fangen wir mit dem Elefanten im Raum an.
Beziehungsweise mit dem Kabel an der Decke.

Im Rahmen unseres Solar-Projekts (ja, genau der Beitrag im Ausbauverlauf, in dem wir noch voller Euphorie waren) haben wir die Deckendurchführung minimal zu weit Richtung Ausgangstür gesetzt. Minimal im Sinne von: „Ach, das merkt man nie.“

Doch. Man merkt es. Immer. Bei jedem Handgriff.

Während des gesamten Einbaus hing dieses Solarkabel exakt da, wo wir gerade arbeiten mussten. Es war wie ein hyperaktiver Mitbewohner, der ständig fragt: „Was machst du da?“ – und sich dabei mitten ins Gesicht hängt.

 

(C) Ernst und Meike Wagner   (C) Ernst und Meike Wagner

 

Und als wäre das nicht genug, darf das Loch jetzt natürlich auch noch kaschiert werden. Dekorativ. Elegant. So, als wäre es gewollt gewesen. Architektonisches Statement quasi.

Spoiler: War es nicht.

(C) Ernst und Meike Wagner

Wie bei fast allem im Ausbauverlauf haben wir die Konstruktion zunächst aus Aluprofilen gebaut. Das klingt professionell. Stabil. Durchdacht.

In der Realität sah das so aus:

Einbauen.
Feststellen: Die obere horizontale Stange kollidiert mit dem Solarkabel.
Alles wieder lösen.
Stange raus.
Neu ausrichten.
Wieder einbauen.
Wieder fluchen.

Die obere Stange war in diesem Projekt ungefähr so beliebt wie ein Zahnarzttermin.

 

(C) Ernst und Meike Wagner     (C) Ernst und Meike Wagner

 

Das Beste: Wir konnten das Gestell nicht als Ganzes ausserhalb des Fahrzeugs zusammenbauen und dann einfach hineinstellen. Nein. Die Geometrie unseres LKW-Kofferaufbaus hatte andere Pläne. Ein elegantes „Eindrehen“? Nicht möglich. Nicht mal mit gutem Zureden.

Also haben wir das Gestell in drei Teilen ins Fahrzeug gebracht und es dort zusammengebaut. In einem Raum, in dem man sich ohnehin schon vorkommt wie ein überdimensionierter Origami-Kranich.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Erst als das Gestell an Ort und Stelle stand, konnten wir die exakten Masse für die Wände nehmen. Und hier kam der Boden ins Spiel.

Unser Boden ist in schwebender Bauweise konstruiert (siehe Unterkonstruktion im Ausbauverlauf). Klingt cool. Ist es auch.
Er ist nur… sagen wir mal… minimal beweglich.

Minimal heisst in unserem Fall: genug, um dich bei jedem Zuschnitt zu verunsichern.

Die Wände mussten an die Aussenwand angepasst werden, an die parallelstehende Wand und an einen Boden, der philosophisch eher als „Interpretation von Gerade“ durchgeht.

Wer glaubt, ein LKW-Kofferaufbau sei ein perfekter Quader, glaubt wahrscheinlich auch, dass beim Baumarkt immer alle Schrauben am richtigen Platz liegen.

Einschraubmuttern – 1 mm daneben und du weinst leise

Jetzt wurde es ernst.

 

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

 

Um die Einschraubmuttern exakt zu positionieren, musste alles komplett montiert und an der finalen Position fixiert sein. Und wenn ich „fixiert“ sage, meine ich: so viele Schraubzwingen, dass man meinen könnte, wir bauen ein mittelgrosses Holzschiff.

Wir haben Kreppband aufgeklebt und die Linien der Aluprofile eingezeichnet. In diesem Moment war es mucksmäuschenstill. Man hörte nur das leise Flüstern unserer Kleiderschrank-Erfahrung:

„Ein Millimeter daneben – und die Schraube passt nicht.“

Und ja. Ein Millimeter ist kein „Ach passt schon“.
Ein Millimeter ist der Unterschied zwischen „läuft“ und „alles nochmal“.

Also wieder alles abbauen. Auf eine gerade Fläche legen. Im zusammengebauten Zustand die Aluprofile exakt auf die aufgezeichneten Linien ausrichten. Festzwingen. Kontrollieren. Nochmal kontrollieren. Noch ein letztes Mal kontrollieren, weil Misstrauen mittlerweile unser Grundgefühl war.

Dann durch das Aluprofil in die Platte bohren. Aber nicht durchbohren!

Ich habe selten so konzentriert gebohrt. Wahrscheinlich hätte man mit dieser Fokussierung auch Herzchirurg werden können.

Reihenfolge – das unterschätzte Endgegner-Level

Nachdem alle Löcher gesetzt und mit Einschraubmuttern versehen waren, begann das grosse Finale. Und hier entscheidet die Reihenfolge darüber, ob du dich wie ein Profi fühlst – oder wie jemand, der gleich alles wieder auseinanderbauen darf.

Zuerst das Gestell an die Wand. Mit Abstandhaltern.
Dann die obere Stange einsetzen und verschrauben. Schraubensicherung nicht vergessen (wir haben inzwischen ein leicht paranoides Verhältnis dazu).
Dann die Innenwände verschrauben und verkleben.

Gerade auf der Garderobenseite war es wichtig, dass die Trennwand zwischen Elektroschrank und Garderobe vorher exakt ausgerichtet war. Sonst sieht das am Ende aus wie „gewollt und nicht gekonnt“ – und davon haben wir schon genug in unserem mentalen Archiv.

 

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

 

Zum Schluss das letzte Alu-Gestellteil einsetzen, verschrauben, verkleben.
Dann die Seitenwände einschieben und fixieren.

Und plötzlich – ganz plötzlich – sah es aus wie ein durchdachter, sauber integrierter Elektroschrank im LKW-Kofferaufbau. Fast so, als hätten wir gewusst, was wir tun.

Fast.

Der emotionalste Moment: Das Kabel verschwindet

Und dann kam er.
Der Moment, in dem ich endlich dieses Solarkabel ordentlich verlegen durfte.

Dieses Kabel, das uns Wochen lang begleitet, blockiert, provoziert hat. Dieses Kabel, das immer da war, wenn man es nicht brauchte.

Ich habe es verlegt mit einer Mischung aus Triumph und Genugtuung.
Es war kein grosser Meilenstein. Keine spektakuläre Technik. Kein Instagram-Moment.

 

Aber es war der Moment, in dem ich dachte:
„Jetzt habe ich dich besiegt.“

Zumindest bis zum nächsten Ausbauabschnitt.

Fazit: Elektroschrank bauen ist Charakterbildung

Der Bau unseres Elektroschranks war kein technisches Hexenwerk.
Er war eine Übung in Geduld. In Demut. Und in der Erkenntnis, dass Millimeter in einem LKW-Kofferaufbau eine eigene politische Partei gründen könnten.

Wenn du also gerade selbst an deinem Elektroschrank sitzt und dich fragst, warum nichts so passt, wie es sollte – willkommen im Club.

Du bist nicht unfähig.
Du bist nur in einem Kofferaufbau.

Und wenn am Ende alles sitzt, nichts wackelt und du die letzte Schraube festziehst, dann weisst du:
Du hast nicht nur einen Schrank gebaut.

Du hast ein Solarkabel gezähmt.

Und das ist mindestens genauso viel wert. 🚚🔧

Elektrik zieht ein

(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Irgendwann kommt in jedem Kofferaufbau der Moment, an dem man merkt: Jetzt wird’s ernst. Kein Holz, kein Blech, kein Dämmstoff mehr – sondern Elektrik. Diese unsichtbare Macht, die alles kann, aber nur dann, wenn man sie respektiert. Oder zumindest so tut, als wüsste man genau, was man da gerade verkabelt.

Bei uns zog die Elektrik nicht leise ein. Sie kam mit Kabeltrommeln, Kabelkanälen, Stirnrunzeln und der leisen Frage im Hinterkopf: „Haben wir das wirklich richtig geplant?“

Das Herzstück: Der Elektrokasten neben dem Eingang

Der Standort unserer zentralen elektrischen Anlage befindet sich direkt neben dem Eingang. Quasi der Ort, an dem alle Fäden – oder besser gesagt Kabel – zusammenlaufen. Von hier aus werden sämtliche Leitungen im Fahrzeug verteilt. Eine Entscheidung, die sich später als goldrichtig herausgestellt hat. Kurze Wege, gute Zugänglichkeit und im Notfall kommt man schnell ran, ohne halb im Bettkasten verschwinden zu müssen.

(C) Ernst und Meike Wagner

Ganz wichtig: Trennung von 230V und Gleichstrom. Nicht nur, weil Vorschriften das so wollen, sondern auch, weil wir keine Lust auf spontane Effekte hatten, die man sonst nur aus YouTube-Videos kennt. Um die beiden Stromarten schon auf den ersten Blick unterscheiden zu können, haben wir uns für orange Kabel bei 230V entschieden. Eindeutig, unmissverständlich und selbst im Halbschlaf zu erkennen.

Kabel auf Abstand – weil Wasser und Strom keine Freunde sind

Eine unserer besten Entscheidungen: Alle Leitungen werden hängend im Zwischenboden verlegt. Warum? Ganz einfach. Wasser hält sich nicht an Baupläne. Es sucht sich immer den tiefsten Punkt und breitet sich dort aus, als hätte es das alleinige Nutzungsrecht. Elektrik hingegen reagiert darauf eher… gereizt.

Durch die räumliche Trennung von Wasser und Elektrik stellen wir sicher: Sollte es jemals zu einem Wasserbruch kommen, bleibt die Elektrik davon unbeeindruckt. Oder zumindest größtenteils. Und genau deshalb bleibt der Boden frei und die Kabel schweben elegant darüber.

Die Unterkonstruktion aus Aluprofilen hat hier gleich zwei Vorteile. Erstens: stabil. Zweitens: perfekt, um Kabelkanäle daran zu befestigen. Und falls man später feststellt, dass ein Kabel doch lieber links statt rechts laufen sollte – kein Problem. Umsetzen, neu befestigen, keine Spuren. Das hat sich wirklich bewährt.

(C) Ernst und Meike Wagner  (C) Ernst und Meike Wagner (C) Ernst und Meike Wagner

Erste Etappe: Kleiderschrank, Bett und Nasszelle

Zuerst ging es mit allen Leitungen Richtung Kleiderschrank, Bett und Nasszelle. Für den Kleiderschrank haben wir ein 4 mm² Doppelkabel als Hauptleitung verlegt, an dem später die USB-Dosen hängen. Parallel dazu ein weiteres 4 mm² Kabel Richtung Bett – zuständig für Licht im Kleiderschrank, im Bettkasten, unter dem Bett und natürlich für die legendäre Bayernluft.

Von diesen Hauptleitungen zweigen dann 1,5 mm² Kabel zu den einzelnen Verbrauchern ab. Am Kopfende des Betts haben wir zusätzlich zwei 4 mm² Kabel verlegt: eines für die Nasszelle und eines für Bettkastenlicht, Nachtlicht und den Ventilator am Bett. Prioritäten müssen sein.

(C) Ernst und Meike Wagner

230V: Robust, orange und nicht beleidigt bei Berührung

Zusätzlich wurden 230V-Kabel vom Unterbett (aka Keller) Richtung Elektrokasten geführt – und von dort wieder zurück in den Keller sowie weiter zur Nasszelle. Hier kamen 2,5 mm² Kabel zum Einsatz. Robust gegen Scheuern, Öl und Säure. Ein Kabel, das nicht gleich beleidigt ist, wenn es mal etwas rauer zugeht. Genau das, was man in einem LKW-Kofferaufbau braucht.

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Zweite Bauphase: Boiler, Küche und die große Freiheit draußen

In der zweiten Bauphase gingen die 230V-Leitungen weiter Richtung Boiler, Kühlschrank und Wohnbereich. Ein weiteres Kabel versorgt die Küche, den hinteren Wohnbereich und den Außenbereich. Natürlich alles fein säuberlich in eigenen Kabelkanälen, so wie es die Vorschriften verlangen – und unser innerer Monk es sowieso nicht anders zugelassen hätte.

Parallel dazu wurden auch reichlich 12V-Kabel verlegt:
Ein 6 mm² Doppelkabel für den Kühlschrank, 4 mm² Doppelkabel für den Wohnbereich mit USB-Dosen und ein 2 mm² Doppelkabel für die Lichtversorgung innen und außen. Für die Außenversorgung kam noch ein 4 mm² Doppelkabel dazu, sowie ein 6 mm² Doppelkabel für den externen Solaranschluss.

Kabel, Kabel, nichts als Kabel

Inzwischen haben wir mehrere Meter Kabel verlegt. Viele Meter. Sehr viele Meter. Und trotzdem fühlt es sich so an, als wären wir gerade mal warmgelaufen. Denn vergessen wir nicht: Alle Schalter wollen ebenfalls versorgt werden. Und Schalter vermehren sich in einem Ausbauprojekt ungefähr so schnell wie gute Ideen kurz vor dem Einschlafen.

Aber Schritt für Schritt nimmt alles Form an. Und auch wenn es zwischendurch aussieht wie ein farbenfrohes Spaghetti-Monster im Zwischenboden – am Ende wissen wir, wofür jedes einzelne Kabel da ist. Meistens zumindest.

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Einbau des Kleiderschranks – Das Finale

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Da wir die Bayernluft ungewöhnlich verbauen (ja, wir lieben Herausforderungen), mussten wir das Ansaugrohr mit Amaflex dämmen, damit sich bei der hohen Luftfeuchte nicht sofort Kondenswasser bildet. Der Taupunkt sollte so weit wie möglich im Rohrwandbereich sein – physikalisch sinnvoll, emotional eher dramatisch. Also Dämmung unter den Zwischenboden, dann Rohrverbindungen im Schrankinneren. Hätte ein Physik-Professor gehofft, es wäre elegant. Wir nennen es: funktional mit B-Note.

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Endlich durften die IKEA-Körbe rein! – Hurra! Doch Stop. Die Sichtwand, die dem Schrank „ein Gesicht geben sollte“, hatte sich leicht verzogen (ständiges Stehen war wohl zu viel für ihren selbstbewussten Charakter).

Also standen wir wieder vor Ungenauigkeiten beim Verschrauben. Zwei Schrauben fanden ihren vorgesehenen Platz nicht. Eine davon hat beim Versuch des Wiederanschraubens sogar die Einschraubmutter mit herausgezogen. Herzlichen Glückwunsch, liebe Physik – wir sehen uns wieder beim nächsten Projekt.

(C) Ernst und Meike Wagner

Der vorletzte Schritt: Die Bayernluft endgültig wasserdicht und dämmtechnisch abgeschlossen. Rohre fixieren, damit sie während der Fahrt nicht anfangen zu tanzen.

Was noch fehlt, um diesen Kleiderschrank zur Legende zu machen:

  • Ein Boden oberhalb des IKEA-Korbsystems,

  • die Türen,

  • eine Kleiderstange,

  • und natürlich der Anschluss der Elektrik.

Aber hey: Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut – und wir haben immerhin den Schraubenzieher wieder gefunden. 😄

Beginn – Einbau des Kleiderschranks

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Wenn du dachtest, einen Kleiderschrank in einen LKW zu bauen sei ungefähr so kompliziert wie ein IKEA-BILLY ohne Anleitung… dann herzlichen Glückwunsch, du liegst richtig. Willkommen zu einem weiteren Kapitel unseres unperfekten Perfektionismus – diesmal mit Aluminium, IKEA und der Bayernluft, die uns ständig in die Quere kommt.

Schon ganz früh, bevor Woodies und Schraubenliebe uns als Paar verband, wussten wir: Ein Schrank soll rein. Und zwar einer, der am Ende nicht aussieht, als hätte ihn ein Betrunkener konzipiert. 😉

Alles begann mit einem Rahmen aus Aluprofilen. Nicht irgendein Rahmen. Ein Rahmen, der perfekte Maße haben sollte. Also haben wir ihn gebaut, wieder angepasst, wieder verworfen, und wieder neu angepasst. Klingt nach Perfektion? – War es nicht. Aber immerhin mussten wir erstmal den Zwischenboden und die Lüftungsrohre der Bayernluft verbauen, die natürlich abhängig von der späteren Position des Schrankes sind. Und ohne IKEA-Korbsystem? Vergiss es. Das musste vorher drin sein, sonst hätte nix gepasst. – So ähnlich hatten wir es mit der Küche bereits praktiziert.

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Mit dem Rahmen in ungefähren Maßen von: „Sollte ungefähr passen“ gingen wir zur Holzwand über. Schraubzwingen dran, erstmal mit 3 mm Löchern vorbohren (so wie wir es bereits mit unseren Bettkasten geübt hatten) – damit man später auch schön gerade bohren kann, dachten wir. Und dann: sägen. Natürlich mit etwa 2 cm Überhang – weil wir bei allem Optimismus nie vergessen, ein bisschen Chaos mit einzubauen.

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In einem besonders brillanten Moment hatten wir die glorreiche Idee, die Schranktür in den Schrank verschwinden zu lassen.
Spoiler: war keine gute Idee. 🤦‍♂️

Mit auf 5 mm aufgebohrten Löchern und Senkkopf-Fräskunst war das Aluprofil endlich bereit für Schrauben, die wir mit Einschraubmuttern so platzierten, dass von außen wirklich nichts zu sehen ist. – Wenn man denn richtige Einschraubmuttern in einem 11 mm Brett findet, ohne dass sie wieder rausschauen. Kleiner Tipp: Viel Kaffee hilft. Und Gelassenheit. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

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Nachdem das Gestell 20-mal an- und abgebaut war (gefühlte 200), kam der große Moment: Der definitive Einbau.
Zuerst die Wand am Bett fixiert, dann das Alugestell festgeschraubt und final an der Außenwand verschraubt. – Puh. Anschließend alle Kabel durch den Boden in den Schrank verlegt, Kabelkanäle verschraubt (damit es auch schick aussieht) und die Löcher für Zigarettenanzünder sowie die Bedienfelder unserer Heizung gebohrt. Natürlich alles vorher festgelegt, sonst hätten wir jetzt USB-Stecker aus der falschen Ecke fischen müssen. 😉

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Es wird warm – und zwar richtig Teil 3 Abgas und Verkabelung

 

 

Abgase, Schalldämpfer und schwäbische Improvisation

Jetzt fehlten noch Luftansaugung, Abgasführung und Schalldämpfer. Die Abgasrohre führten wir gemeinsam auf der Beifahrerseite nach außen und schlossen dort – stilecht – Moped-Schalldämpfer an.

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Blöd nur:
Anschlussstutzen: 25 mm Außendurchmesser
Schalldämpferrohre: 24 mm Innendurchmesser

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Ein Millimeter, der über Glück oder Verzweiflung entscheidet. Zum Glück hatten wir Zugriff auf eine Werkstatt, in der die Anschlussstutzen kurzerhand auf 24 mm gestaucht wurden. Gemacht, getan – und plötzlich passte alles wie angegossen.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön und Vergeltsgott an unsere Werkstatt. Ohne euch wäre das hier sehr viel lauter geworden.

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Innenraum: Kabelsalat, aber organisiert

Unter dem Fahrzeug war nun alles sicher verbaut, also ging es nach innen. Sämtliche Leitungen wanderten in Kabelkanäle, zusätzlich haben wir externe Temperatursensoren verbaut. Dazu kamen Strom- und Steuerleitungen zu den Bedienteilen.

(C) Ernst und Meike Wagner

Diese haben wir an unserem Kleiderschrank montiert – so können wir die Heizung bequem vom Bett aus steuern. Luxus pur. Dafür mussten die Leitungen allerdings spannungsfrei und vibrationssicher in eigenen Kanälen verlegt werden. Kein Klappern, kein Scheuern, kein späteres Bereuen.

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Der große Elchtest 🔥

Der erste Testlauf – auch liebevoll der große Elchtest genannt – verlief ausgesprochen erfolgsversprechend. Beide Heizungen liefen, nichts roch verdächtig und es wurde… nun ja… warm. – mit 4KW Sehr warm. Mission erfüllt.

(C) Ernst und Meike Wagner

Jetzt fehlen nur noch die Luftschläuche im Koffer, aber das ist ein Thema für ein anderes Kapitel im Ausbauverlauf. Wir wollen es ja spannend halten.

Wer mehr über unseren Ausbau erfahren möchte:
→ schaut euch auch die anderen Beiträge im Ausbauverlauf an. Trackbacks, Pingbacks, interne Verlinkungen – ihr wisst schon. 😉

Categories: Ausbauverlauf, Heizung, Koffer

Es wird warm – und zwar richtig Teil 2 – Kraftstoff

(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Diesel – aber bitte ordentlich beschriftet

Der nächste Schritt ließ nicht lange auf sich warten: Dieselzulaufleitungen. Beide Heizungen bekamen ihre eigene Leitung, fein säuberlich gemeinsam in einen Kabelschlauch eingefädelt und unter dem Fahrzeug Richtung Dieseltank verlegt.

Ganz wichtig – und wir können das nicht oft genug sagen: beschriften.
HZ 1 und HZ 2. Überall. Immer. Denn spätestens im Störfall einer Heizung wird man sich selbst dankbar sein, nicht Detektiv spielen zu müssen. Diese Logik haben wir übrigens konsequent bei allen Kabelarbeiten durchgezogen. Ordnung ist, wenn man trotzdem weiß, was man getan hat.

(C) Ernst und Meike Wagner

Die Einbauanleitung der Autotherm war dabei unser ständiger Begleiter (und moralischer Kompass):

  • Maximale Länge von Magnetpumpe zur Heizung: 4 Meter

  • Vom Dieseltank zur Magnetpumpe: maximal 1 Meter

  • Einbauhöhe und Neigung der Pumpen: 15–20 Grad

Mit all diesen Vorgaben im Hinterkopf haben wir die Position der zwei Magnetpumpen festgelegt, ebenfalls beschriftet, die Flussrichtung beachtet und sie auf ein Brett geschraubt. Dieses Brett wiederum wurde mit Vibrationsdämpfern am Fahrzeugrahmen befestigt. Alles sauber verbunden. Für den ersten Testlauf diente ein Dieselkanister, dessen Entnahmestutzen wir einfach mal pragmatisch hineingesteckt haben. Ingenieurskunst auf schwäbisch.

 (C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

Strom, Stecker und philosophische Fragen

Danach ging es an die Stromleitungen der Magnetpumpen. Diese wurden direkt an der Heizung durch den Boden geführt und entlang derselben Trasse wie die Dieselleitungen verlegt. Beim Crimpen der Stecker stellte sich dann die existenzielle Frage: Wo ist Plus, wo ist Minus?

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Nach längerem Hin und Her (und der Erkenntnis, dass Magnetpumpen da recht entspannt sind) war klar: egal. Trotzdem haben wir eine saubere Logik eingehalten und alle Stecker gleich aufgebaut. Einfach fürs gute Gefühl. Der Unterbau war damit fast bereit für den ersten Testlauf.

Testweise muss erst mal der Dieselkanister herhalten. – Ein weiteres Loch im Dieseltank? – Lieber mal noch nicht.

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Es wird warm – und zwar richtig Teil 1 – Der Boden

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Es gibt diese Momente im Ausbau, da fühlt man sich kurz wie ein Heizungsbauer, ein bisschen wie ein Elektriker und zu großen Teilen wie jemand, der sehr mutig Löcher in seinen eigenen Fahrzeugboden bohrt. Spoiler: Genau so ein Moment war das hier.

Der Einbau unserer Autotherm 2D Heizungen – ja, Mehrzahl – verlief eigentlich ganz unspektakulär. Was im Ausbau-Jargon übrigens bedeutet: Es ist nichts explodiert, nichts gebrannt und wir mussten nur minimal fluchen. Ein voller Erfolg also.

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Wie immer begann alles mit der wichtigsten aller Fragen: Wo zum Geier kommt das Ding eigentlich hin?
Oder besser gesagt: die Dinger. Denn wir haben uns nicht mit einer Heizung zufriedengegeben. Nein. Zwei mussten es sein. Eine, die primär die Wassertherme auf Temperatur bringt, und eine, die den Innenraum wärmt. Redundanz ist schließlich nicht nur ein schönes Wort, sondern fühlt sich nachts bei minus irgendwas auch sehr beruhigend an.

Löcher. Immer diese Löcher.

Nachdem der Einbauort festgelegt war (inklusive mehrmaligem Messen, Nachmessen und „sicher ist sicher“-Messen), ging es ans Eingemachte: Löcher in den Boden. Direkt danach wurden diese großzügig mit Sika ausgekleidet, damit Feuchtigkeit gar nicht erst auf dumme Gedanken kommt.

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Da wir keine Lust haben, dass die Heizungen bei einem möglichen Wassereinbruch direkt baden gehen, haben wir sie leicht erhöht auf Rahmen gesetzt. Erst wurden alle Bauteile an den Heizungen montiert, in den Flansch versenkt und dann an ihre finale Position eingesetzt und verschraubt. Die Rahmen selbst bekamen ebenfalls eine ordentliche Portion Dichtmittel, damit wirklich kein Wasser zwischen die Bretter und in die Bodendämmung sickern kann. Paranoia? Vielleicht. Erfahrung? Ganz sicher.

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