Kategorie: Bauteile

Elektroschrank wird weiterentwickelt

(C) Ernst und Meike Wagner

Schwer, störrisch und irgendwie immer im Weg

Bevor überhaupt irgendwas geregelt werden konnte, mussten erst mal die Batterien an ihren Platz.
Klingt banal – ist aber ungefähr so, als würdest du versuchen, einen Kühlschrank in ein Schuhregal zu integrieren… nur teurer.

Zusätzlich wollten wir clever sein (was erfahrungsgemäß immer gefährlich ist) und direkt eine Bodenplatte so konstruieren, dass später auch größere Batterien reinpassen.
Heißt im Klartext:

  • stabil genug für den Alltag
  • flexibel genug für die Zukunft
  • und bitte so verbaut, dass man im Notfall wieder drankommt

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Parallel dazu durften wir unsere 50cm – 70mm²-Kabel bändigen. Diese Kabel haben ungefähr den Charme eines störrischen Gartenschlauchs im Winter – nur mit deutlich mehr Konsequenzen, wenn man Mist baut.

Also:
Minusseite → Shunt
Plusseite → 400A-Sicherung + Hauptschalter

Und das alles so platziert, dass unsere zusätzlich eingebaute schlaue Bodenplatte im Zweifel auch wieder raus kann.
(Spoiler: Wir haben mehrfach überprüft. Und dann nochmal. Und dann sicherheitshalber nochmal.)

(C) Ernst und Meike Wagner

Das große Prinzip – Endlich ein Plan!

An dieser Stelle haben wir uns tatsächlich wie richtige Erwachsene gefühlt, denn: Es gab ein System.

Von der Hauptbatterie gehen zuerst die Versorgungsschienen weg.
Darauf landen dann:

  • alle Ladeleitungen (Solar, Booster, Ladegeräte)
  • große Verbraucher (z. B. Kühlschrank – der kleine Strom-Vielfraß)
  • und die sogenannten „Fühlerleitungen“ für Geräte, die wissen wollen, was die Batterie gerade so treibt

Von dort aus gehen 6mm²-Leitungen weiter zu den DC-DC-Wandlern.
Und diese übernehmen dann die Versorgung der Endgeräte.

(C) Ernst und Meike Wagner

Der Vorteil?
Deine empfindlichen Geräte bekommen eine saubere, stabile Spannung von 12–12,5V.
Keine Spannungsspitzen, keine bösen Überraschungen.

(C) Ernst und Meike Wagner

Ein Paradebeispiel: der MaxxFan.
Der mag nämlich keine elektrischen Achterbahnfahrten.

Der Frieden mit den Solarkabeln

Dann kam der Moment, auf den wir heimlich hingearbeitet haben:
Die starren Solarkabel endlich anschließen.

Diese Dinger lagen seit der Kabeldurchführung rum und waren IMMER im Weg.
Egal wo du standest – sie waren da.
Egal was du gemacht hast – sie haben gestört.

Jetzt: 30A-Sicherung rein, ordentlich verlegt, angeschlossen.
Fertig.

Wir haben kurz überlegt, eine kleine Einweihungsfeier zu machen.

Von dort ging’s mit 6mm² weiter zum Laderegler – abgesichert mit 60A.
Und ja: Die Wege sind kurz. Sehr kurz. Etwa 80 cm.
Aber hey – auch auf kurzen Strecken kann man ordentlich Chaos anrichten.

Wichtig war uns die Reihenfolge:

  1. Erst Laderegler an Batterie anschließen
  2. Dann erst die Solarplatten zuschalten

Beim Abschalten natürlich andersrum.
(Man lernt ja dazu… meistens zumindest.)

(C) Ernst und Meike Wagner

Phase 3: Die Wandler und der Kampf gegen die Physik

Jetzt wurde es spannend: DC-DC-Wandler anschließen.

Dabei fiel uns auf: Die Dinger haben Lüfter.
Und Holz… nun ja… Holz liebt es, Geräusche zu verstärken.

Einmal falsch montiert und dein Ausbau klingt wie ein startender Helikopter.

Also haben wir einen Platz gesucht, der möglichst wenig als Resonanzkörper dient.
Gefunden haben wir ihn tatsächlich: an der Türseite gegenüber dem Anschlag. – Dort ist viel Alu-Profile verbaut.

Manchmal hat man auch einfach Glück. Selten, aber es passiert.

Angeschlossen wurde alles mit 6mm² und jeweils 40A abgesichert. -Wird aber voraussichtlich mit 30A oder 35A ausgetauscht – mal sehen was die Praxis einen so lehrt.

Zwei Stromkreise, unendlich viele Gedanken

Von den Wandlern ging es weiter zur Sicherungsleiste – dem Verteilerzentrum unseres kleinen Strom-Universums.

Spannend: Die Wandler lassen sich separat schalten.
Heißt: zwei Stromkreise.

Aber Achtung:
Maximal 20A pro Wandler gleichzeitig.

Also mussten wir uns überlegen: Wer darf, wer nicht?

Der Kühlschrank?
Zu durstig → fliegt raus.

Der Rest?

  • Licht
  • Lüfter
  • Steckdosen (aka Zigarettenanzünder)
  • Pumpen

Alles machbar.

Unsere Lösung:

  • Lichter + Pumpen auf einen Wandler
  • Osmoseanlage und Fahrradladegerät jeweils eigene Wandler

Klingt durchdacht. War es auch… nach dem dritten Versuch.

(C) Ernst und Meike Wagner

Schalter, Schalter überall

Natürlich braucht das Ganze auch Bedienelemente.

Also haben wir Schalter verteilt wie ein Eichhörnchen seine Nüsse:

  • Küche → Arbeitslicht, Wasserpumpe, Osmose
  • Eingang → Garderobenlicht
  • Bett → Nachtlicht

Und ja, ein Teil davon sitzt direkt im Schaltschrank.
Der Rest da, wo man ihn wirklich braucht. (Revolutionär, wir wissen.)

Zukunftssicher (oder zumindest tun wir so)

Wir kennen uns inzwischen gut genug, um zu wissen:
Uns wird noch Zeug einfallen.

Deshalb haben wir bewusst Platz im Schaltschrank gelassen.
Für spontane Ideen, unnötige Spielereien oder „das brauchen wir unbedingt noch“-Momente.

Der Realitätscheck

Am Ende kommt der wichtigste Schritt:
Ein echter Elektriker schaut sich das Ganze an.

Denn wie es so schön im TÜV-Merkblatt heißt:
„Die elektrische Anlage soll fachgerecht installiert sein.“

Und „wir haben uns wirklich Mühe gegeben“ zählt da leider nicht.

Unser innerer Monk gab mir keine Ruhe. So haben wir das nochmals auf unserer Weite geprüft:
Mittels Dauerlast von 2,5KW für ca 1 Std. das Ergebnis beruhigt:

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Aber:
Wenn der Fachmann nickt – dann schlafen wir definitiv ruhiger.

Und unser LKW hoffentlich auch.

230V-Anlage zieht ein

(C) Ernst und Meike Wagner

Wer unseren bisherigen Ausbauverlauf verfolgt hat, weiss: Beim Projekt HeilixBlechle wird viel geplant, viel geflucht – und erstaunlich oft funktioniert am Ende sogar etwas. Nachdem wir bereits unseren Elektroschrank gebaut haben (siehe unseren Beitrag zum Elektroschrank im Kofferaufbau), stand nun der nächste logische Schritt an:
Die 230-Volt-Anlage zieht ein.

Und ja, ab diesem Punkt wird aus „ein bisschen Camper basteln“ plötzlich „bitte nichts falsch machen, sonst wird’s spektakulär“.

Unser Elektroschrank steht bereits und ist mehr als nur eine hübsche Holzkiste mit Kabeln. Er ist ein zentraler Baustein – nicht zuletzt auch im Hinblick auf die spätere Umschlüsselung des Fahrzeugs. Ohne saubere Elektrik kein „Prüferlächeln“, und ohne „Prüferlächeln“ kein Wohnmobil.

Mit anderen Worten:
Der Schrank ist das Gehirn unseres fahrenden Chaosprojekts.

Wer unsere bisherigen Bauetappen kennt, weiss: Planung ist bei uns meistens eine Mischung aus Skizze, Kaffeesatz und optimistischem Schulterzucken. Trotzdem musste hier ausnahmsweise einmal präzise gedacht werden.

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

 

Für unsere 230-Volt-Versorgung haben wir uns einen 2,5-kW-Wechselrichter gegönnt. Klingt erst mal harmlos. Ist es aber nicht.

Denn bevor das gute Stück überhaupt irgendwo festgeschraubt werden durfte, mussten wir zuerst klären, wo unsere Batterien überhaupt wohnen sollen.

Und plötzlich wird klar:
Eine Batterie ist nicht einfach nur eine Batterie. Sie ist ein ziemlich energiereiches Objekt, das im Zweifel mehr Leistung freisetzen kann als unsere gesamte Planungskompetenz verkraftet.

Um es plastisch auszudrücken:
Wenn da theoretisch 5 kW Energie gleichzeitig frei werden, dann ist das kein „Oops“, sondern eher ein „Feuerwehr bitte sofort“.

Also kam als erstes ein Deckel auf die Batterie. Ganz simpel, ganz unspektakulär – aber extrem wichtig.
Denn nichts wäre peinlicher, als wenn irgendeine Schraube, ein Werkzeug oder ein besonders neugieriger Bastlerfinger plötzlich einen Kurzschluss produziert.

Bei der Batterieposition ging es nicht nur um Platz, sondern auch um Logik.

Der Not-Aus-Schalter soll vorne im Schrank sitzen, gut erreichbar – also auch dann, wenn man gerade hektisch versucht herauszufinden, warum irgendwo etwas komisch riecht.

Daraus ergab sich automatisch:

  • Pluspol links

  • Minuspol rechts bzw. an der Rückwand

Am Minuspol sitzt später auch direkt der Shunt, damit wir jederzeit sehen können, was unsere Batterie gerade treibt.

Oder anders gesagt:
Ob sie fleissig Energie liefert – oder still und heimlich beleidigt leer wird.

(C) Ernst und Meike Wagner

Nachdem Batterieposition und Sicherheitsüberlegungen geklärt waren, ging es wieder zum eigentlichen Thema zurück:
Der Wechselrichter braucht ein Zuhause.

Und hier kam unser nächstes kleines Ausbau-Detail ins Spiel.

Unsere Schrankwände bestehen aus 10-mm-Holzplatten. Das ist leicht, stabil – und für viele Dinge absolut ausreichend.

Aber ein Wechselrichter in einem LKW-Koffer erlebt während der Fahrt etwas, das man höflich „ständige Vibrationen“ nennt.

Oder weniger höflich:
Dauerhafte Schüttelprüfung für jedes Bauteil.

Deshalb wollten wir das Gerät nicht einfach ins Holz schrauben. Stattdessen haben wir Alu-Profile verbaut, auf denen der Wechselrichter stabil befestigt wird.

Das Ergebnis:
Mehr Stabilität, weniger Risiko, und eine deutlich geringere Wahrscheinlichkeit, dass uns irgendwann während der Fahrt ein 2,5-kW-Gerät entgegenkommt.

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Direkt neben dem Wechselrichter sitzt unser Sicherungskasten.

Dabei war uns ein Punkt besonders wichtig:
230-Volt-Kabel und 12-Volt-Kabel sollen sich möglichst nicht begegnen.

Nicht weil sie sich nicht mögen – sondern weil wir später noch verstehen möchten, welches Kabel eigentlich wofür zuständig ist.

Also haben wir die Leitungen sauber getrennt geführt.
Alle Kabel laufen ordentlich in den Sicherungskasten, werden dort verklemmt, und von dort aus gehen die Leitungen weiter zu den Steckdosen.

Das Ziel war klar:
Wenn irgendwann etwas nicht funktioniert, möchten wir nicht archäologisch nach Kabeln graben müssen.

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Nachdem alle Steckdosen verkabelt und verschraubt waren, folgte der wichtigste Schritt:

Nachmessen. Alles. Mehrfach.

Denn Elektrik ist kein Bereich, in dem man mit einem optimistischen
„Das wird schon passen“ arbeiten sollte.

Erst nachdem wirklich alles überprüft war, wurde die Batterie an den Wechselrichter angeschlossen. Danach haben wir die Vorrangschaltung und Ladeeinheit getestet, kontrolliert ob alles sauber arbeitet – und uns langsam an den ersten Test der Anlage herangetastet.

Ein Moment voller Spannung.

Im wahrsten Sinne des Wortes.

Nun ja.

Sagen wir so:
Es hat nichts gebrannt, nichts hat geknallt und wir mussten keinen Feuerlöscher benutzen.

Für ein DIY-Projekt unserer Kategorie ist das bereits ein sehr solides Zwischenergebnis.

Und damit steht fest:
Unsere 230-Volt-Anlage im LKW-Kofferaufbau lebt.

Wie es weitergeht – und welche neuen Herausforderungen unser Ausbauprojekt für uns bereithält – erfahrt ihr natürlich im nächsten Beitrag unseres Ausbauverlaufs.

Wir ahnen bereits:
Langweilig wird es nicht.

Fortsetzung folgt …