Kategorie: Gas

Eckbank im LKW-Ausbau

 

 

Es gibt diese Momente im Ausbau, da denkst du: „Ach, das wird jetzt ein entspanntes Projekt.“
Und dann lacht dich dein eigener Grundriss aus.

So geschehen bei unserer Eckbank.

Wie ihr bereits wisst, haben wir unsere ursprüngliche Planung ja ganz heldenhaft über Bord geworfen – nicht aus Spaß, sondern wegen… sagen wir mal… räumlicher Realitätsnähe (Ursprünglicher Plan vs. Realität). Und weil wir uns den Traum der Umschlüsselung erfüllen wollen (Warum wir uns das antun), musste plötzlich alles ganz schnell gehen.
Die Eckbank wurde vom „machen wir irgendwann mal“ Projekt zum „ohne dich geht hier gar nichts mehr“ Bauteil.

 

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner     (C) Ernst und Meike Wagner

 

Kein Druck also.

Wenn eine Bank zur Projektleitung wird

Man könnte meinen, man baut einfach eine Bank. Ein bisschen Holz, ein paar Schrauben, fertig.
Was man stattdessen bekommt: ein Projekt, das dir ganz klar zeigt, dass du eigentlich gar nichts im Griff hast.

Denn bevor wir überhaupt daran denken durften, die Eckbank einzubauen, kam erstmal… alles andere.

Allen voran Martha (Hier wohnt Martha jetzt).
Martha musste zuerst rein. Warum? Weil sie genau da sitzt, wo man später nie wieder hinkommt. Klingt logisch – ist es auch. Wenn man das vorher weiss. Wir wussten es natürlich erst, als es fast zu spät war – Aber zum Glück noch daran gedacht haben.

Und dann kam unser Gasmann.
Mit einer dieser Aussagen, die mit „Eigentlich kein Problem, aber…“ anfangen und mit einer kompletten Umplanung enden. Ergebnis: Zwei Türen im Glaskasten? Nö. Dürfen wir nicht. Also nochmal alles neu denken (Die Umplanung unseres Lebens).

 

(C) Ernst und Meike Wagner     (C) Ernst und Meike Wagner

 

Zu diesem Zeitpunkt war klar: Die Eckbank wird nicht gebaut.
Die Eckbank wird verdient!!

Gas, Strom und die Kunst, Dinge vorher zu wissen

Bevor die Eckbank überhaupt ihren Platz sehen durfte, mussten wir uns um die Gasinstallation kümmern. Und zwar so, als würden wir danach nie wieder drankommen.
Weil… Spoiler: Tun wir auch nicht.

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Das bedeutete:
Der Standort der Gasflasche musste festgelegt werden. Endgültig. Kein „ach, vielleicht doch anders“.
Denn davon hing direkt das berühmte 100 cm² große Loch im Boden ab.

Und ja – wir haben wirklich ein Loch in unseren LKW gebohrt.
Mit einer 120 mm Lochsäge.
Und ja – es fühlt sich exakt so falsch an, wie es klingt.

Aber hey: Wer nicht bohrt, der nicht gewinnt.

Natürlich hörte es da nicht auf. Gasleitungen mussten durch den Boden geführt werden, damit sie sich unten hübsch treffen können – quasi ein kleines Leitungs-Speed-Dating unterm Fahrzeug.
Und weil wir aus unseren Fehlern lernen (manchmal), haben wir auch gleich die Gasaußenversorgung mit einem zusätzlichen Ventil versehen und fest verbaut. Damit wir später nicht wieder sagen müssen:
„Ach, da hätten wir mal früher dran denken sollen.“

 

(C) Ernst und Meike Wagner     (C) Ernst und Meike Wagner     (C) Ernst und Meike Wagner

 

Elektrik – oder wie man Kabel auf Vorrat kürzt

Parallel dazu durften wir uns mit der Elektrik beschäftigen.
Und „durften“ ist hier bewusst gewählt.

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

 

Alle Leitungen mussten abgelängt und vorbereitet werden, weil – Überraschung – nach der Eckbank kommt man da auch nicht mehr ran.
Also haben wir fröhlich Kabel zugeschnitten für:

  • 12V Außenversorgung
  • 12V Anschluss oberhalb der Eckbank
  • zusätzliche Wasserpumpe
  • Solaranlage
  • 230V Anschlüsse innen und außen

Kurz gesagt: Wir haben alles vorbereitet, was man sich vorstellen kann – und vermutlich auch ein bisschen mehr, einfach aus Angst, etwas zu vergessen.

Der Elektrowürfel (ja, das ist ein offizieller Fachbegriff… in unserem Kopf) wurde dann oberhalb der Eckbank an seinen Platz gezwungen. Mit Winkeln. Viele Winkel. Sehr viele Winkel.

 

Und dann… die Terrasse. Natürlich.

Gerade als wir dachten: „Jetzt aber wirklich Eckbank!“, fiel uns ein kleines Detail wieder ein.

Die Terrassentür (Hier der Ursprung unserer Outdoor-Träume).
Dort sollten ja noch Plissees rein.

Und ratet mal, wo man danach nie wieder hinkommt?

Richtig.
Hinter die Eckbank.
Direkt bei Martha.

Also haben wir auch das auch noch schnell erledigt. Weil wir inzwischen gelernt haben:
„Schnell noch“ ist im Ausbau gleichbedeutend mit „Das dauert jetzt wieder drei Tage“.

 

Der Moment der Wahrheit

Irgendwann – und wir wissen selbst nicht mehr genau wie – war es dann soweit.

Alle Leitungen lagen.
Alle Löcher waren gebohrt (und wir emotional halbwegs darüber hinweg).
Die Gasinstallation war vorbereitet.
Die Terrasse war geblindet.
Martha sass zufrieden auf ihrem Platz.

Und dann kam sie:
Die Eckbank.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Endlich durfte sie rein. Wurde ausgerichtet, verschraubt, nochmal gelöst, nochmal ausgerichtet (weil natürlich nichts beim ersten Mal passt) und schließlich fixiert.

Der Gaskasten wurde mit ihr verbunden, am Boden gesichert und bekam seinen Deckel – damit auch wirklich nichts mehr verrutschen kann. Außer vielleicht unsere Nerven.

Zum Abschluss kamen noch die Sitzfläche mit Scharnieren und die Rückwand drauf.

Und da stand sie dann.
Unsere Eckbank.

 

Fazit: Mehr als nur ein Möbelstück

Was wir gelernt haben?

Die Eckbank ist kein Möbelstück.
Sie ist ein Gatekeeper.

Wenn du sie baust, hast du vorher schon alles andere durchdacht – oder du wirst gnadenlos dazu gezwungen.
Sie ist der Punkt im Ausbau, an dem „ach, das machen wir später“ einfach nicht mehr funktioniert.

Und ganz ehrlich:
Wir hätten uns viel Stress sparen können, wenn wir das früher gewusst hätten.

Aber dann hätten wir auch weniger zu lachen gehabt.
Zumindest im Nachhinein.

Währenddessen… eher so mittel.

Es wird wieder umgeplant

 

 

Wer unseren Ausbauverlauf schon eine Weile verfolgt, weiß: Bei uns ist ein Plan ungefähr so stabil wie ein Kartenhaus im Ventilator. Wir machen uns Gedanken, zeichnen Skizzen, messen alles dreimal nach… und bauen es dann trotzdem anders. Manchmal freiwillig. Manchmal, weil uns die Realität freundlich aber bestimmt darauf hinweist, dass unser Plan ungefähr so praxisnah war wie ein Whirlpool im Handschuhfach.

Diesmal ging es um das Thema Gasinstallation im LKW-Kofferaufbau.
Ein Thema, bei dem man als Selbstausbauer sehr schnell merkt, dass „Pi mal Daumen“ keine offiziell anerkannte Maßeinheit ist.

Unsere Idee war eigentlich ziemlich genial. Also zumindest fanden wir das.

Die Gasflasche sollte auf der Fahrerseite hinter einer Außenklappe sitzen. Schön zugänglich, ordentlich befestigt und natürlich so, dass wir jederzeit an die Verschlüsse der Halterung kommen.

Direkt daneben wollten wir noch eine zusätzliche Zwischentür in den Gaskasten einbauen. Dadurch hätten wir durch die gleiche Außenklappe nicht nur die Gasflasche erreichen können, sondern auch unsere Wasserversorgung und die Anschlüsse der Außenversorgung direkt neben Martha.

(C) Ernst und Meike Wagner

Kurz gesagt:
Ein cleverer, kompakter Technikbereich.

Ein kleines Meisterwerk deutscher Garageningenieurskunst.

Also… auf dem Papier.

Das einzige kleine Detail:
Der Gaskasten hätte dafür zwei Türen gebraucht.

Und genau hier beginnt die Stelle der Geschichte, an der wir uns selbst fragen, warum wir nicht vorher jemanden gefragt haben, der sich wirklich damit auskennt.

Bevor wir also fröhlich Löcher in unseren Kofferaufbau schneiden und danach versuchen zu erklären, warum da plötzlich zwei Türen im Gaskasten sind, hatten wir eine seltene Eingebung:

Wir fragen vorher den Gasmann.

Eine Entscheidung, die im Nachhinein betrachtet ungefähr so klug war wie ein Sicherheitsgurt im Auto.

Der gute Mann hörte sich unsere grandiose Planung geduldig an, nickte ein paar Mal und sagte dann einen Satz, der in etwa die Wirkung eines Presslufthammers auf ein Kartenhaus hatte:

„Ein Gaskasten darf nur eine Tür haben.“

Ende der Planung.

Applaus.

Vorhang.

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

Das besonders Ironische daran:

Diese Seite unseres Aufbaus hat ohnehin schon eine gewisse… Geschichte.

Kurz gesagt:
Diese Seite unseres Fahrzeugs scheint ein Eigenleben zu führen.

Denn genau hier haben wir bereits einmal eindrucksvoll bewiesen, dass man auch mit viel Enthusiasmus komplett danebenliegen kann.

Wer sich noch einmal anschauen möchte, wie wir diese Fahrzeugseite bereits einmal erfolgreich verhunzt haben, darf gerne hier nachlesen:

Und weil wir offensichtlich der Meinung waren, dass ein Fehler alleine sich langweilt, folgte kurz darauf noch eine Planänderung, die uns eine wunderbar sichtbare Alu-Profilstange quer durch das obere Drittel der Außenklappe beschert hat:

Kurz gesagt:
Diese Seite unseres Fahrzeugs scheint ein Eigenleben zu führen.

Ich bin inzwischen relativ sicher, dass irgendwo im Blech ein kleiner Dämon wohnt, der immer dann aktiv wird, wenn wir glauben, einen guten Plan zu haben.

Und genau dort wollten wir jetzt auch noch die Gasinstallation unterbringen.

Was soll da schon schiefgehen.

Während ich noch damit beschäftigt war, unsere Planung innerlich zu betrauern und überlegte, ob man einen Gaskasten vielleicht einfach unsichtbar denken kann, kam von Meike eine neue Idee.

Eine von diesen Ideen, bei denen man kurz denkt:
„Moment… das ist eigentlich ziemlich clever.“

Ihre Lösung:

Der Gaskasten kommt einfach in das 2. Segment der Eckbank.

Genauer gesagt in das mittlere Segment der Sitzbank.

(C) Ernst und Meike Wagner

Der Raum ist dort zwar ungefähr so großzügig bemessen wie eine Economy-Class-Beinfreiheit bei Billigfliegern, aber technisch funktioniert es.

Der Zugriff erfolgt von oben über die Sitzfläche.
Das bedeutet zwar, dass man im Zweifel erst einmal das Sitzpolster anheben muss, aber dafür erfüllt der Gaskasten eine ganz wichtige Vorschrift:

(C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner    (C) Ernst und Meike Wagner

Er hat nur eine Tür.

Der ursprüngliche Raum hinter der Außenklappe bleibt dadurch frei für unsere:

  • Wasserversorgung

  • Außenanschlüsse

Und ganz ehrlich:
In kreativen Umplanungen und gepflegtem Improvisationspfusch haben wir inzwischen wirklich Übung.

Jetzt muss nur noch der Gasmann seinen Segen geben.
Und vielleicht ein kleines Stoßgebet sprechen.

Die Gasflasche soll an der Innenwand an zwei Punkten befestigt werden.

Davor sitzt der Crashsensor von GOK, der über einen Schlauch an ein starres Gasrohr angeschlossen wird.

Dieses Gasrohr verschwindet dann durch den Boden nach draußen.

Dasselbe Prinzip gilt für:

  • unsere Gas-Außenversorgung

  • den Herd mit Backfunktion

Unter dem Fahrzeug werden diese drei Gasleitungen miteinander verbunden.

Der Vorteil:
Im Innenraum bleiben die Rohrstrecken möglichst kurz.

Und je weniger Gasleitungen im Innenraum herumturnen, desto besser schläft man nachts. Besonders wenn man weiß, wer sie eingebaut hat.

Natürlich wäre es kein echter Ausbaufortschritt bei uns, wenn nicht irgendwo noch ein kleines Problem lauern würde.

Unser Herd hat nämlich einen sehr eigenen Charakter.

Der starre Gasanschluss sitzt – von vorne betrachtet – hinten auf der linken Seite.

Das wäre vollkommen unproblematisch…
wenn der Herd nicht bereits eingebaut wäre.

Das bedeutet nun, dass wir irgendwie ein starres Gasrohr anschließen müssen, während der Herd bereits fest im Möbel sitzt und uns dabei ungefähr so viel Bewegungsfreiheit lässt wie ein Zahnarzttermin mit Handschellen.

Die aktuelle Idee sieht folgendermaßen aus:

Das Gasrohr wird am Herd angeschlossen, dann nach rechts bis zur Küchenseitenwand geführt, die sich in Richtung Schiebetür befindet. Dort machen wir eine 90-Grad-Biegung nach unten, bevor das Rohr durch den Boden nach draußen verschwindet.

Durch diese Führung sollte ein kleines bisschen Spiel im Rohr entstehen – gerade genug, um den Anschluss am Herd überhaupt montieren zu können, ohne gleichzeitig die komplette Küche wieder zu zerlegen.

Zumindest ist das der Plan.

Und wie wir inzwischen wissen, ist ein Plan bei uns vor allem eines:

Eine spannende Vermutung darüber, wie es vielleicht funktionieren könnte.

Wenn man eines aus unserem Ausbauprojekt lernen kann, dann vermutlich das:

Selbstausbau besteht zu etwa

  • 20 % aus Planung

  • 30 % aus Bauen

  • und zu 50 % aus Umplanen

Manchmal fühlt sich das Ganze ein bisschen so an, als würde man ein Puzzle zusammensetzen, bei dem ständig jemand neue Teile dazulegt.

Aber genau das macht den Ausbauverlauf von Heilix Blechle auch aus:
Es läuft nicht perfekt.

Es läuft realistisch.

Mit Ideen, Fehlplanungen, spontanen Geistesblitzen und der gelegentlichen Erkenntnis, dass man vielleicht doch noch einmal jemanden fragen sollte, der sich wirklich damit auskennt.

Und deshalb sind wir uns ziemlich sicher:

Dieser Plan wird auch nicht der letzte gewesen sein.

Fortsetzung folgt.
Sehr wahrscheinlich nach der nächsten Planänderung.

Categories: Ausbauverlauf, Gas, Koffer