Elektrik zieht ein

Irgendwann kommt in jedem Kofferaufbau der Moment, an dem man merkt: Jetzt wird’s ernst. Kein Holz, kein Blech, kein Dämmstoff mehr – sondern Elektrik. Diese unsichtbare Macht, die alles kann, aber nur dann, wenn man sie respektiert. Oder zumindest so tut, als wüsste man genau, was man da gerade verkabelt.
Bei uns zog die Elektrik nicht leise ein. Sie kam mit Kabeltrommeln, Kabelkanälen, Stirnrunzeln und der leisen Frage im Hinterkopf: „Haben wir das wirklich richtig geplant?“
Das Herzstück: Der Elektrokasten neben dem Eingang
Der Standort unserer zentralen elektrischen Anlage befindet sich direkt neben dem Eingang. Quasi der Ort, an dem alle Fäden – oder besser gesagt Kabel – zusammenlaufen. Von hier aus werden sämtliche Leitungen im Fahrzeug verteilt. Eine Entscheidung, die sich später als goldrichtig herausgestellt hat. Kurze Wege, gute Zugänglichkeit und im Notfall kommt man schnell ran, ohne halb im Bettkasten verschwinden zu müssen.

Ganz wichtig: Trennung von 230V und Gleichstrom. Nicht nur, weil Vorschriften das so wollen, sondern auch, weil wir keine Lust auf spontane Effekte hatten, die man sonst nur aus YouTube-Videos kennt. Um die beiden Stromarten schon auf den ersten Blick unterscheiden zu können, haben wir uns für orange Kabel bei 230V entschieden. Eindeutig, unmissverständlich und selbst im Halbschlaf zu erkennen.
Kabel auf Abstand – weil Wasser und Strom keine Freunde sind
Eine unserer besten Entscheidungen: Alle Leitungen werden hängend im Zwischenboden verlegt. Warum? Ganz einfach. Wasser hält sich nicht an Baupläne. Es sucht sich immer den tiefsten Punkt und breitet sich dort aus, als hätte es das alleinige Nutzungsrecht. Elektrik hingegen reagiert darauf eher… gereizt.
Durch die räumliche Trennung von Wasser und Elektrik stellen wir sicher: Sollte es jemals zu einem Wasserbruch kommen, bleibt die Elektrik davon unbeeindruckt. Oder zumindest größtenteils. Und genau deshalb bleibt der Boden frei und die Kabel schweben elegant darüber.
Die Unterkonstruktion aus Aluprofilen hat hier gleich zwei Vorteile. Erstens: stabil. Zweitens: perfekt, um Kabelkanäle daran zu befestigen. Und falls man später feststellt, dass ein Kabel doch lieber links statt rechts laufen sollte – kein Problem. Umsetzen, neu befestigen, keine Spuren. Das hat sich wirklich bewährt.

Erste Etappe: Kleiderschrank, Bett und Nasszelle
Zuerst ging es mit allen Leitungen Richtung Kleiderschrank, Bett und Nasszelle. Für den Kleiderschrank haben wir ein 4 mm² Doppelkabel als Hauptleitung verlegt, an dem später die USB-Dosen hängen. Parallel dazu ein weiteres 4 mm² Kabel Richtung Bett – zuständig für Licht im Kleiderschrank, im Bettkasten, unter dem Bett und natürlich für die legendäre Bayernluft.
Von diesen Hauptleitungen zweigen dann 1,5 mm² Kabel zu den einzelnen Verbrauchern ab. Am Kopfende des Betts haben wir zusätzlich zwei 4 mm² Kabel verlegt: eines für die Nasszelle und eines für Bettkastenlicht, Nachtlicht und den Ventilator am Bett. Prioritäten müssen sein.

230V: Robust, orange und nicht beleidigt bei Berührung
Zusätzlich wurden 230V-Kabel vom Unterbett (aka Keller) Richtung Elektrokasten geführt – und von dort wieder zurück in den Keller sowie weiter zur Nasszelle. Hier kamen 2,5 mm² Kabel zum Einsatz. Robust gegen Scheuern, Öl und Säure. Ein Kabel, das nicht gleich beleidigt ist, wenn es mal etwas rauer zugeht. Genau das, was man in einem LKW-Kofferaufbau braucht.

Zweite Bauphase: Boiler, Küche und die große Freiheit draußen
In der zweiten Bauphase gingen die 230V-Leitungen weiter Richtung Boiler, Kühlschrank und Wohnbereich. Ein weiteres Kabel versorgt die Küche, den hinteren Wohnbereich und den Außenbereich. Natürlich alles fein säuberlich in eigenen Kabelkanälen, so wie es die Vorschriften verlangen – und unser innerer Monk es sowieso nicht anders zugelassen hätte.
Parallel dazu wurden auch reichlich 12V-Kabel verlegt:
Ein 6 mm² Doppelkabel für den Kühlschrank, 4 mm² Doppelkabel für den Wohnbereich mit USB-Dosen und ein 2 mm² Doppelkabel für die Lichtversorgung innen und außen. Für die Außenversorgung kam noch ein 4 mm² Doppelkabel dazu, sowie ein 6 mm² Doppelkabel für den externen Solaranschluss.
Kabel, Kabel, nichts als Kabel
Inzwischen haben wir mehrere Meter Kabel verlegt. Viele Meter. Sehr viele Meter. Und trotzdem fühlt es sich so an, als wären wir gerade mal warmgelaufen. Denn vergessen wir nicht: Alle Schalter wollen ebenfalls versorgt werden. Und Schalter vermehren sich in einem Ausbauprojekt ungefähr so schnell wie gute Ideen kurz vor dem Einschlafen.
Aber Schritt für Schritt nimmt alles Form an. Und auch wenn es zwischendurch aussieht wie ein farbenfrohes Spaghetti-Monster im Zwischenboden – am Ende wissen wir, wofür jedes einzelne Kabel da ist. Meistens zumindest.
