Hängeschrankgestell für die Dinette
Es gibt Arbeiten beim Ausbau eines LKW-Kofferaufbaus, bei denen man sich vorher denkt: „Das ist schnell gemacht.“
Und dann gibt es Arbeiten, bei denen man sich nachher fragt, warum zur Hölle man dafür eigentlich so lange gebraucht hat.
Der Hängeschrank in unserer Dinette gehört irgendwo dazwischen.
Eigentlich ist die Sache recht simpel: Ein Gestell bauen, ein paar Platten befestigen, Schrauben rein und fertig.
Eigentlich.
Wer unseren bisherigen Bau des Küchenblocks verfolgt hat, kennt das Prinzip bereits. Aluprofile, Holz, Schrauben, messen, nochmal messen und irgendwann die Erkenntnis, dass das Ganze tatsächlich dort sitzt, wo es sitzen soll.
Da wir beim Bau des Hängeschrankgerüsts in der Küche bereits etwas Erfahrung sammeln konnten, war die Aufgabe diesmal deutlich entspannter.
Also theoretisch.
Erst einmal das Gestell bauen
Bevor wir zur Schreinerei fahren konnten, musste der Hängeschrank in der Dinette fertiggestellt sein. Schließlich soll später nicht irgendwo ein Möbelstück nach dem anderen entstehen, das aussieht, als hätte jedes davon einen anderen Besitzer.
Der Hängeschrank soll sich optisch in den restlichen Innenausbau einfügen.
Das Gestell war deshalb wieder klassischer HeilixBlechle-Möbelbau: Aluprofile, genaues Ausmessen und die Hoffnung, dass wir diesmal aus unseren bisherigen Fehlern gelernt haben.
Und tatsächlich:
Das Grundgestell war erstaunlich schnell gebaut.
Fast schon verdächtig schnell.
Wir hatten ja bereits beim Küchenblock und beim Bettkasten gelernt, dass Aluprofile zwar wunderbar flexibel sind, diese Flexibilität aber gerne dazu führt, dass man ein Bauteil auch fünfmal auseinanderbauen kann, obwohl es eigentlich schon fertig war.
Diesmal lief es besser.
Das Gestell passte.
Die Maße stimmten.
Nichts war spontan drei Zentimeter zu lang.
Wir wurden misstrauisch.
Das eigentliche Problem: Schrauben
Natürlich lag das Problem nicht beim Gestell.
Das Problem lag – wie so oft – bei den Schrauben.
Man glaubt gar nicht, wie schnell man bei einem solchen Projekt die Übersicht über die notwendigen und vorhandenen Schrauben verliert.
Am Anfang denkt man:
„Ein paar Schrauben haben wir doch.“
Am Ende sitzt man vor ungefähr 37 Sortierkästen und fragt sich, warum man eigentlich fünf verschiedene M5-Schrauben besitzt, die alle fast gleich aussehen, aber natürlich genau die falsche Länge haben.
Für einen vernünftigen Ausbau braucht man gefühlt mindestens 200 unterschiedliche Schrauben.
Unterschiedliche Länge.
Unterschiedliche Dicke.
Unterschiedliche Kopfform.
Unterschiedliche Ausführung.
Und vermutlich gibt es auch noch Schrauben mit unterschiedlichem Charakter.
Die einen sind kooperativ.
Die anderen verschwinden grundsätzlich unter dem Fahrzeug.
Und dann gibt es die Schrauben, die exakt die richtige Länge haben – bis man sie tatsächlich braucht.
Natürlich fehlten auch uns immer wieder die passenden Exemplare.
Also Schrauben nachbestellen.
Warten.
Feststellen, dass wieder eine andere Variante fehlt.
Noch einmal bestellen.
Man könnte meinen, wir bauen einen LKW-Kofferaufbau.
Tatsächlich betreiben wir offenbar einen kleinen Schraubenhandel mit angeschlossenem Wohnmobil.

Wenn eine Schraube zur Projektverzögerung wird
Das Schöne an unserem Ausbau ist ja, dass aus jedem noch so kleinen Problem eine Geschichte werden kann.
Beim Kleiderschrank hatten wir bereits reichlich Gelegenheit, uns mit Einschraubmuttern, Aluprofilen und der wunderbaren Welt der Millimeter auseinanderzusetzen.
Beim Hängeschrank war es diesmal nicht ganz so dramatisch.
Dafür fehlten eben immer wieder die passenden Schrauben.
Und natürlich kann man das Bauteil nicht einfach fertigstellen und die fehlenden Schrauben später einsetzen.
Zumindest nicht, wenn man möchte, dass am Ende alles vernünftig befestigt ist.
Also wieder:
Schraubenkiste öffnen.
Suchen.
Fluchen.
Feststellen, dass die passende Schraube nicht dabei ist.
Online bestellen.
Zwei Tage warten.
Schraube einsetzen.
Feststellen, dass jetzt eine andere fehlt.
Man kennt es.
Wer einen Camper selbst ausbaut, kennt es vermutlich sogar sehr gut.

Aber irgendwann hängt er
Nach einigen kleinen Unterbrechungen war es dann tatsächlich soweit.
Das Gestell war fertig.
Die benötigten Schrauben waren vorhanden.
Zumindest fast alle.
Und der Hängeschrank konnte an seinen endgültigen Platz in der Dinette.
Damit war wieder ein Punkt auf unserer langen Ausbau-Liste erledigt.
Und diesmal sogar einer, bei dem wir nicht den halben Innenausbau auseinandernehmen mussten.
Das darf man ruhig einmal erwähnen.
Wer unseren bisherigen Ausbauverlauf verfolgt, weiss, dass das bei uns keineswegs selbstverständlich ist.
Normalerweise gehört zu einem neuen Bauteil mindestens eine vergessene Durchführung, eine falsche Schraubenlänge oder irgendein Teil, das nach dem Zusammenbau übrig bleibt und uns minutenlang nervös macht.
Diesmal blieb dieses Drama weitgehend aus.
Wir werden langsam besser.
Oder einfach vorsichtiger.
Wobei ich persönlich eher auf vorsichtiger tippe.
Noch eine Woche bis zur Abreise
Und dann wurde es langsam ernst.
Eine Woche noch bis zur geplanten Abreise.
Der Termin bei unserem Schreiner stand fest.
Das Fahrzeug sollte zur Schreinerei, damit unser HeilixBlechle im Innenraum endlich den letzten Schliff bekommt.
Zumindest war das der Plan.
Für die Arbeiten waren ungefähr drei bis vier Tage vorgesehen.
Drei bis vier Tage.
Klingt machbar.
Fast schon entspannt.
Nach über zwei Jahren Ausbau hatten wir uns diese Fähigkeit zur völligen Selbstüberschätzung schließlich hart erarbeitet.
Das Fahrzeug war vorbereitet.
Der Hängeschrank war eingebaut.
Die wesentlichen Arbeiten waren erledigt.
Also konnten wir eigentlich beruhigt zur Schreinerei fahren.
Eigentlich.
Und dann kam natürlich alles anders
Wer jetzt unseren bisherigen Ausbauverlauf kennt, wird vermutlich schon ahnen, was passiert ist.
Richtig.
Es kam alles anders.
Natürlich.
Denn offenbar hat unser HeilixBlechle inzwischen eine eigene Persönlichkeit entwickelt.
Und diese Persönlichkeit mag Überraschungen.
Wir wollten also eigentlich nur noch zur Schreinerei fahren, dort drei bis vier Tage verbringen und anschließend mit einem nahezu fertigen Innenraum wieder nach Hause kommen.
Ein schöner Plan.
Ein realistischer Plan.
Ein völlig naiver Plan.
Was dann tatsächlich passiert ist, ist allerdings eine andere Geschichte.
Und genau diese Geschichte erzählen wir im nächsten Kapitel unseres Ausbauverlaufs.
Denn wie heißt es bei uns inzwischen so schön:
Wenn etwas im Ausbau „nur noch schnell fertig“ gemacht werden muss, sollte man vorsichtshalber schon einmal einen Kaffee aufsetzen.
Und vielleicht auch gleich die Schraubenkiste bereithalten.
Man weiß ja nie. 😎🔧🚚
Fortsetzung folgt.