Tag: 19. Juni 2026

Bau der Toilette

Warum man für einen stillen Ort erstaunlich viel Zeit braucht

Dass der Bau einer Toilette so lange dauern kann, hätte ich mir zu Beginn unseres Ausbaus niemals ausgemalt. Ehrlich gesagt dachte ich naiv, man stellt das Ding irgendwo hin, schraubt ein paar Bretter zusammen und fertig. So ungefähr wie man sich als Kind vorstellt, ein Haus zu bauen: vier Wände, Dach drauf, einziehen.

Heute wissen wir: Eine Toilette im Fernreisemobil ist eher eine Mischung aus Möbelbau, Ergonomie-Studium, Feinmechanik und einer kleinen Portion Wahnsinn.

Nachdem die Nasszelle ihren Platz gefunden hatte und der Kühlschrank bereits eingezogen war, konnten wir endlich auf den Vorarbeiten aufbauen, die wir beim Projekt Bettkasten, bei den Wandverkleidungen, beim Kleiderschrank und bei der Wasserversorgung geschaffen hatten. Also zumindest dachten wir, dass sie „endlich“ an der Reihe wäre. Tatsächlich begann damit eines der Projekte, bei dem man jeden Abend überzeugt ist, viel geschafft zu haben, nur um am nächsten Morgen festzustellen, dass man eigentlich lediglich zwei Bretter versetzt hat.

 

Die Wissenschaft der perfekten Sitzhöhe

Bevor überhaupt etwas gebaut werden konnte, musste zunächst die wichtigste aller Fragen geklärt werden:

Wie hoch soll die Toilette eigentlich werden?

Wer jetzt denkt, das wäre schnell entschieden gewesen, hat offensichtlich noch nie zwei Menschen dabei beobachtet, wie sie immer wieder Probe sitzen, messen, diskutieren und erneut Probe sitzen.

Wir haben unzählige Sitzproben durchgeführt. Von außen betrachtet muss das vermutlich ausgesehen haben, als würden wir eine olympische Disziplin trainieren. Aber schließlich soll die Sitzposition nicht nur funktional sein, sondern auch bequem. Schließlich verbringt man dort unter Umständen mehr Zeit als ursprünglich geplant.

Nachdem die optimale Höhe feststand, haben wir in der bereits eingebauten Nasszelle ein Aluprofil eingezogen, auf dem die Toilette später ruhen wird. Parallel dazu entstand das Grundgerüst für die übrigen Toilettenbestandteile.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Die Sache mit dem Waschbecken und dem Schädel-Hirn-Trauma

Mindestens genauso wichtig war die Position des Handwaschbeckens.

Denn was nützt die schönste Toilette, wenn man sich nach jedem Toilettengang beim Aufstehen den Kopf stößt?

Unser Ziel war es, die Nasszelle so zu gestalten, dass man sie verlässt wie ein zivilisierter Mensch und nicht wie jemand, der gerade eine Kneipenschlägerei verloren hat.

Also wurde gemessen, ausprobiert, wieder gemessen und erneut ausprobiert. Dabei spielte nicht nur die Höhe eine Rolle, sondern auch die Tiefe des Waschbeckens.

Als schließlich alles feststand, entstand das Gestell für das zukünftige Handwaschbecken. Zumindest fast.

Denn selbstverständlich haben wir ein Brett zunächst zu kurz abgesägt.

Warum?

Weil es zum Ausbau eines Expeditionsmobils offenbar dazugehört, jedes wichtige Bauteil mindestens zweimal herzustellen. Das erste Mal zum Üben, das zweite Mal dann richtig.

Zusätzlich haben wir unter dem Waschbecken eine Verkleidung gebaut, um das Gesamtbild der Dusche abzurunden. In diese Verkleidung sägten wir direkt eine Öffnung, deren ausgesägtes Teil später als Tür dienen soll. Dadurch entsteht später der Eindruck, als wäre alles aus einem einzigen Stück Holz gefertigt worden.

Zumindest solange niemand weiß, wie oft wir vorher nachgemessen haben.

 

Mehr Beinfreiheit für die wichtigen Momente

Die Toilette selbst wurde mit einem schrägen Brett an die Duschwanne angepasst.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

Der Hintergrund ist denkbar einfach: Füße benötigen Platz. Besonders dann, wenn man auf einer Toilette sitzt.

Diese Schräge sorgt dafür, dass ausreichend Beinfreiheit vorhanden ist und man nicht das Gefühl bekommt, in einer überdimensionierten Schuhschachtel zu sitzen.

In diese Schräge haben wir zusätzlich ein Nachtlicht integriert. Dieses lässt sich bequem vom Bett aus schalten.

Denn seien wir ehrlich:

Niemand möchte nachts um drei Uhr von einem Flutlicht begrüßt werden, das heller ist als die Landebahn eines internationalen Flughafens.

So bleibt der nächtliche Gang zur Toilette angenehm und die Augen behalten zumindest eine minimale Chance, nicht sofort vollständig zu erblinden.

 

Wenn ein Feststoffbehälter plötzlich höchste Priorität bekommt

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Nachdem die Grundkonstruktion stand, ging es an die eigentliche Sitzgelegenheit.

Alle waagerechten Flächen erhielten unser schwarzes Dekor, natürlich auch die spätere Sitzfläche.

Zusätzlich haben wir seitlich schmale Fächer integriert, damit Toilettenartikel ihren festen Platz bekommen.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt dabei unser Feststoffbehälter.

Denn dieser sollte exakt sitzen.

Wirklich exakt.

Die Vorstellung, dass sich dessen Inhalt bei der nächsten Passstraße oder einer spontanen Ausweichbewegung selbstständig macht und auf Entdeckungstour durch das Fahrzeug geht, motivierte uns ausreichend, hier lieber etwas genauer zu arbeiten.

Ein fester Sitz ist in diesem Fall definitiv eine gute Idee.

 

Die Kunst, ein Loch an die richtige Stelle zu setzen

 

(C) Ernst und Meike Wagner

Nun begann die Phase, in der plötzlich jedes Maß entscheidend wurde.

Der Trenneinsatz musste perfekt zur Toilettenbrille passen.

Die Toilettenbrille musste perfekt zum Feststoffbehälter passen.

Und alles zusammen musste so positioniert werden, dass die Ergebnisse eines erfolgreichen Toilettengangs auch tatsächlich dort landen, wo sie landen sollen.

Manche Dinge möchte man lieber vor dem ersten Praxistest sorgfältig durchdenken.

Nachdem sämtliche Eventualitäten berücksichtigt waren, konnten die Platten vorbereitet werden.

Die Platte, in die später der Trenneinsatz eingeklebt werden sollte, musste beweglich bleiben. Schließlich soll sich der Feststoffbehälter später problemlos entnehmen lassen.

Außerdem musste der Urinablauf jederzeit zugänglich bleiben und gleichzeitig ausreichend Abstand zur Rückwand vorhanden sein, damit Deckel und Brille später überhaupt geöffnet werden können.

Kurz gesagt:

Ein erstaunlich komplexes Projekt für etwas, das man im Alltag normalerweise für selbstverständlich hält.

 

Fräsen, kleben und hoffen

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Als Nächstes wurde das Loch für den Trenneinsatz ausgeschnitten.

Anschließend frästen wir eine Vertiefung exakt in der Stärke des Einsatzes aus, damit später alles bündig und sauber abschließt.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Danach erhielt der Deckel seine Scharniere und sämtliche Bewegungsabläufe wurden mehrfach getestet.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Bevor der Trenneinsatz endgültig eingeklebt werden konnte, klebten wir sämtliche angrenzenden Flächen sorgfältig ab. Die Klebeflächen wurden ausgeschnitten, gereinigt, entfettet und mit Aktivator vorbereitet.

Dann kam der entscheidende Moment.

Kleber auftragen.

Einsatz einsetzen.

Ausrichten.

Nicht mehr atmen.

Und warten.

Anschließend wurde das Klebeband entfernt.

Und tatsächlich:

Eine perfekte Naht.

Manchmal geschehen beim Ausbau eben doch kleine Wunder.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Fast fertig – zumindest bis zum nächsten Bauabschnitt

Zum Schluss wurden Toilettenbrille und Deckel montiert.

Das Einstreu wird künftig in einem separaten Staufach links neben der Sitzposition untergebracht. Dieses Fach soll später noch kippbar ausgeführt werden, damit alles bequem erreichbar bleibt.

Damit sitzt nun nahezu alles an seinem endgültigen Platz.

Zumindest theoretisch.

Bevor die Toilette endgültig verschraubt werden kann, müssen noch die Arbeiten an der Elektrik und der Wasserversorgung abgeschlossen werden. Wer unsere Beiträge zum Elektroschrank oder zur Wasserversorgung verfolgt hat, ahnt bereits, dass auch diese Projekte nicht ganz ohne Überraschungen verlaufen sind.

Erst danach können wir die gesamte Konstruktion wieder wie ein Puzzle für Erwachsene zusammensetzen und sämtliche Fugen dauerhaft abdichten.

Was wir aus diesem Bauabschnitt gelernt haben?

Eine Toilette ist offensichtlich weit mehr als nur eine Toilette.

Und manchmal benötigt man für den Bau eines stillen Örtchens deutlich mehr Zeit, als man jemals für dessen Benutzung benötigen wird.

Aber genau solche Projekte machen den Ausbau unseres Expeditionsmobils aus. Viele kleine Herausforderungen, viele kreative Lösungen und gelegentlich die Erkenntnis, dass ein zu kurz abgesägtes Brett eigentlich nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zum fertigen Fahrzeug ist.

 

 

Categories: Ausbauverlauf, Koffer, Toilette