Tag: 27. Juni 2026

TTT-Abluft im LKW-Kofferaufbau

(C) Ernst und Meike Wagner

Wie wir unsere Nachbarschaft mit unserer Filter geschützt haben

Es gibt Themen im Ausbau eines LKW-Kofferaufbaus, über die spricht man gerne. Solaranlage. Wasserversorgung. Elektrik.

Und dann gibt es die TTT-Abluft.

Also genau die Luft, die entsteht, wenn ein Mensch auf einer Trocken-Trenn-Toilette das tut, wofür Trocken-Trenn-Toiletten ursprünglich erfunden wurden.

Ihr wisst ja selbst: Beim Stuhlgang wird die Luft durchaus veredelt. Und zwar jedes Mal mit einer ganz eigenen Note. Mal kräftig mit langem Nachhall, mal eher dezent und zurückhaltend. Eine Art Überraschungsei für die Nase.

Spätestens bei der Planung unserer Trocken-Trenn-Toilette stand deshalb die Frage im Raum: Wohin mit dieser ganz besonderen Luft?

 

Warum unsere TTT-Abluft nicht durchs Dach geht

Die meisten Ausbauer führen die Abluft ihrer TTT durch das Dach. Klingt zunächst logisch.

Allerdings haben wir mittlerweile genügend Löcher in unseren Kofferaufbau gebohrt, um zu wissen: Löcher im Dach haben die unangenehme Eigenschaft, irgendwann Wasser durchzulassen. Nicht immer. Nicht sofort. Aber oft genau dann, wenn man gerade glaubt, alles perfekt gemacht zu haben.

Nach unseren Erfahrungen aus dem Ausbauverlauf – vom Einbau der PSK-Tür bis zu den diversen Abdichtungsorgien mit gefühlt mehreren Badewannen Sika – wollten wir einfach möglichst wenige Dachdurchführungen haben.

Die Entscheidung fiel deshalb auf eine Bodenentlüftung.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Die Abluft unserer Trocken-Trenn-Toilette verlässt den Koffer direkt durch den Fahrzeugboden.

Eigentlich eine saubere Lösung.

Eigentlich.

 

Das Nachbarschaftsproblem

Dann kam die Erkenntnis.

Während die Abluft auf dem Dach vom Fahrtwind und der Atmosphäre großzügig verteilt wird, landet die Luft bei einer Bodenentlüftung deutlich näher an den Mitmenschen.

Besonders dann, wenn man gemütlich auf einem Stellplatz steht, die Nachbarn ihre Campingstühle aufbauen und der Wind beschließt, genau in die falsche Richtung zu wehen.

Wir mögen unsere Nachbarn.

Zumindest meistens.

Und wir möchten auch nach dem Toilettengang noch gegrüßt werden.

Also musste eine Lösung her.

 

Die Idee: Eine eigene Aktivkohle-Filteranlage

Wie so oft begann alles mit einem Gedanken:

„Wie schwer kann das schon sein?“

Ein Satz, der im Selbstausbau ungefähr dieselbe Wirkung hat wie „Das dauert nur fünf Minuten.“

Am Ende dauert es zehn Tage, vier Bestellungen und einen Besuch am 3D-Drucker später.

Unsere Lösung basiert auf einem 70er HT-Rohr, das über eine Verjüngung auf DN50 reduziert wird. Die DN50-Seite wird später durch den Boden nach außen geführt.

 

(C) Ernst und Meike Wagner (C) Ernst und Meike Wagner

 

Damit war die Grundkonstruktion geschaffen.

Jetzt musste nur noch verhindert werden, dass unser Filter die Luftnote ungefiltert in die Umwelt entlässt.

 

Der Aufbau des Filters

 

(C) Ernst und Meike Wagner (C) Ernst und Meike Wagner

Für die Innenseite haben wir zunächst ein passendes Gitter konstruiert und mit dem 3D-Drucker hergestellt.

Allein dieser Schritt kostete uns mehr Zeit als ursprünglich für die komplette Abluftanlage eingeplant war.

Warum?

Weil ein 3D-Drucker grundsätzlich erst dann perfekte Ergebnisse liefert, wenn man bereits drei Fehlversuche produziert hat.

Das scheint ein Naturgesetz zu sein.

Auf das erste Gitter wurde ein Aktivkohlevlies eingelegt.

Darauf folgte etwa ein Zentimeter Aktivkohlegranulat.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Dieses wiederum wurde mit einer weiteren Lage Aktivkohlevlies abgedeckt.

Anschließend kam ein Sieb darüber, damit die Aktivkohle auch dort bleibt, wo sie hingehört.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Danach konstruierten und druckten wir einen passenden Halter für den Lüfter.

Langsam begann das Ganze tatsächlich auszusehen, als hätten wir einen Plan.

 

Der Lüfter bekam seine eigene Sicherheitsabteilung

Der Lüfter selbst sollte natürlich möglichst lange seinen Dienst verrichten.

Deshalb bekam er auf beiden Seiten zusätzlich Dunstabzugsvlies spendiert.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Nicht weil wir besonders ordentlich sind.

Sondern weil wir wissen, dass Insekten erstaunlich kreativ werden können, wenn sie rotierende Technik entdecken.

Zusätzlich verhindert das Vlies, dass sonstiger Schmutz den Lüfter irgendwann außer Betrieb setzt.

Anschließend wurden die gedruckten Bauteile miteinander verschraubt.

Der große Vorteil:

Das Aktivkohlematerial kann später problemlos gewechselt werden.

Gleichzeitig lässt sich der Lüfter austauschen, ohne dass wir dabei die komplette Aktivkohlefüllung durch den Koffer verteilen müssen.

Denn seien wir ehrlich:

Aktivkohlegranulat verteilt sich ungefähr genauso gerne wie Sägemehl, Metallspäne und alle anderen Materialien, die man eigentlich nur an einer bestimmten Stelle haben möchte.

 

Doppelt hält besser

Weil wir gerade dabei waren, haben wir denselben Filter noch ein zweites Mal gebaut.

Allerdings ohne Lüfter.

Dieser zweite Filter sitzt an der Entlüftung unseres Grauwassertanks.

Wer unseren Beitrag über den Einbau des Grauwassertanks gelesen hat, weiß bereits, wie viel Liebe, Planung und gelegentliche Verzweiflung in diesem System steckt.

Der zusätzliche Aktivkohlefilter sorgt nicht nur dafür, dass mögliche Gerüche reduziert werden.

Er verhindert gleichzeitig auch, dass sich Insekten für einen dauerhaften Aufenthalt in unseren Tanks entscheiden.

Und das betrachten wir durchaus als Vorteil.

 

Fazit: TTT-Abluft ohne Ärger mit den Nachbarn

Am Ende haben wir eine Lösung gefunden, mit der wir sehr zufrieden sind.

Die TTT-Abluft wird weiterhin durch den Boden abgeführt.

Wir vermeiden zusätzliche Dachdurchführungen.

Die Aktivkohlefilter reduzieren mögliche Gerüche erheblich.

Und die Wahrscheinlichkeit, dass uns Nachbarn künftig wegen olfaktorischer Belästigung vom Stellplatz vertreiben möchten, sinkt hoffentlich ebenfalls deutlich.

Ob die Anlage perfekt funktioniert?

Das wird die Praxis zeigen.

Aber wie bei jedem Schritt unseres LKW-Kofferaufbaus gilt:

Wir haben geplant.

Wir haben gebaut.

Wir haben zwischendurch geflucht.

Und bisher ist noch nichts explodiert.

Für unseren Ausbauverlauf ist das bereits ein voller Erfolg.

 

(C) Ernst und Meike Wagner