Vorbereitungen für die Umschlüsselung

 

 

Es gibt diese Momente im Ausbau eines Fernreisemobils, in denen man plötzlich merkt: Jetzt wird’s ernst. Nicht mehr nur Flex, Holzstaub und „Ach, das machen wir später noch hübsch“, sondern Behörden, Vorschriften und Menschen mit Klemmbrett. In unserem Fall bedeutete das: Die Umschlüsselung unseres LKW zum Wohnmobil rückt näher.

Und genau an diesem Punkt wurde uns klar, dass wir uns langsam – wirklich langsam – einen Terminplan überlegen sollten. Also nicht nur das klassische „Das bauen wir irgendwann mal ein“, sondern eher „Wann genau muss das Ding so aussehen, dass der TÜV nicht spontan in Ohnmacht fällt?“.

Wer unseren bisherigen Ausbau verfolgt hat, weiss ja: Perfektion ist bei uns eher ein dynamischer Zielzustand. Wer sich das Elend bzw. den Fortschritt noch einmal ansehen möchte, findet den bisherigen Wahnsinn übrigens hier in unserer Kategorie: „Ausbauverlauf“ – dort sieht man sehr schön, wie aus einem LKW nach und nach etwas entsteht, das irgendwann einmal entfernt an ein Wohnmobil erinnern könnte.

Unser Fahrzeug ist aktuell noch ganz offiziell für den Güterverkehr zugelassen. Das klingt wichtig, fühlt sich aber im Moment ungefähr so passend an wie ein Smoking beim Ölwechsel. Ziel ist natürlich die Umschlüsselung zum Sonderkraftfahrzeug Wohnmobil.

Das bedeutet allerdings:
Man braucht jemanden, der sich das ganze Projekt anschaut und am Ende sagt: „Ja, das kann man guten Gewissens als Wohnmobil durchgehen lassen.“

Klingt einfach.

Ist es nicht.

Denn wie wir lernen durften, darf das nicht jeder TÜV-Prüfer machen. Auch hier gibt es – Überraschung – Vorschriften. Der Prüfer benötigt nämlich eine besondere Befähigung, um ein Vollgutachten nach §21 StVZO durchführen zu dürfen.

Mit anderen Worten:
Man braucht einen Prüfer, der nicht nur Ahnung hat, sondern auch offiziell Ahnung haben darf.

Also begann eine kleine Odyssee durch Telefonate, E-Mails und gelegentlich ratlose Gesichter. Der typische Gesprächsverlauf war ungefähr so:

„Hallo, wir bauen gerade einen LKW zum Wohnmobil um…“

Kurze Pause.

„…ah.“

Noch längere Pause.

„Dafür brauchen Sie jemanden mit §21.“

Genau. Den suchen wir ja.

Nach einigen Umwegen – und vermutlich dank einer guten Portion Glück – haben wir dann tatsächlich einen Prüfer gefunden, der sich unseres Projekts annehmen wollte. Auch wenn „Zeit haben“ bei ihm eher bedeutet: ein sehr kleines Zeitfenster zwischen zwei sehr großen Terminen.

An dieser Stelle möchten wir wirklich einmal ein großes Dankeschön aussprechen. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass jemand sich die Zeit nimmt, sich ein halb fertiges, staubiges und teilweise noch sehr optimistisches Ausbauprojekt anzuschauen.

Der Prüfer war also bereits bei uns und hat sich unser Fahrzeug im aktuellen Zustand angesehen. Das ist ungefähr so, als würde man einem Architekten eine Baustelle zeigen, bei der noch nicht ganz klar ist, ob es ein Haus oder doch eher ein modernes Kunstprojekt wird.

Wir haben ihm also unseren aktuellen Ausbaustand präsentiert – inklusive der typischen Baustellenklassiker:

  • „Hier kommt später noch etwas hin.“

  • „Das ist nur provisorisch.“

  • „Die Schrauben tauschen wir natürlich noch.“

Er blieb erstaunlich ruhig.

Und dann kam das Dokument ins Spiel, das jeder angehende Wohnmobilbauer irgendwann kennenlernen sollte:

👉 https://shop.tuev-verband.de/merkblaetter/MB-FZMO-Fahrzeug-und-Mobilitaet/Anforderungen-an-die-Fahrzeugart-Wohnmobil-MB-FZMO-740

Das TÜV-Verband Merkblatt MB FZMO 740 beschreibt ziemlich genau, welche Anforderungen ein Fahrzeug erfüllen muss, um als Wohnmobil zu gelten. Wir können nur jedem ans Herz legen, da einmal reinzuschauen – idealerweise bevor man anfängt, Dinge fest einzubauen, die später wieder raus müssen.

Glücklicherweise konnten wir bei unserem Ausbau bereits einige dieser Anforderungen berücksichtigen. Nicht unbedingt, weil wir besonders clever sind, sondern eher, weil wir uns frühzeitig ein bisschen eingelesen haben. Und weil wir das Internet sehr intensiv mit Fragen genervt haben.

Wer sehen möchte, wie sich diese Planung in unserem Ausbau niedergeschlagen hat, findet dazu ebenfalls einige Beiträge im bisherigen Ausbauverlauf:

Nach der Besichtigung kam der Satz, der uns für den Rest der Woche erstaunlich gute Laune beschert hat:

„Ihr seid eigentlich ganz gut dabei.“

Man muss verstehen: Für uns klang das ungefähr so, als hätte jemand gesagt:
„Das wird am Ende vermutlich wirklich ein Wohnmobil.“

Natürlich gab es auch einige Hinweise und Vorgaben. Dinge, die noch umgesetzt werden müssen, Dinge, die so bleiben können, und Dinge, bei denen man besser nicht nachfragt, warum sie so sind.

Aber insgesamt war das Feedback positiv genug, dass wir gemeinsam einen groben Terminplan für die Abnahme festlegen konnten.

Wenn alles halbwegs nach Plan läuft – und wir nicht wieder in eine spontane „Das könnten wir auch noch schnell ändern“-Phase verfallen – möchten wir Ende April den ersten Versuch der Umschlüsselung wagen.

Bis dahin muss das Fahrzeug im Groben den Anforderungen für ein Wohnmobil entsprechen.

Das bedeutet:

Schlafen, sitzen, kochen und wohnen muss erkennbar sein.

Ob alles perfekt ist?
Natürlich nicht.

Aber perfekt ist im Fahrzeugausbau ohnehin ein sehr theoretisches Konzept.

Falls jetzt jemand denkt, dass mit der Umschlüsselung der Ausbau abgeschlossen ist, müssen wir leider enttäuschen.

Ein Fahrzeugausbau ist wie eine Dauerbaustelle mit Rädern.

Es gibt immer noch etwas zu verbessern, umzubauen oder komplett neu zu denken. Wer uns also weiterhin bei diesem kreativen Chaos begleiten möchte, wird auch in Zukunft genügend Material im Ausbauverlauf finden:

Denn eines können wir jetzt schon versprechen:

Langweilig wird es ganz bestimmt nicht.