Bau der Nasszelle
Es gibt Projekte am LKW, die fühlen sich an wie ein großer Meilenstein. Und dann gibt es Projekte wie den Bau der Nasszelle. Die fühlen sich eher an wie eine Mischung aus Tetris, Schach und einem schlechten Heimwerkerfilm auf Kabel 1 um 2 Uhr nachts.
Denn während unser Holzlager in den letzten Monaten eher aussah wie die Außenstelle eines mittelständischen Sägewerks, war eigentlich von Anfang an klar: Das Zeug muss irgendwann auch mal verbaut werden. Schließlich hatten wir laut unserem Datenblatt vom 13.09.2024 rund 850 Kilo Holz an Bord. Wobei man fairerweise sagen muss: Ein Teil davon bestand aus schweren Paletten und Trennplatten, die niemals ihren Weg in den Ausbau finden sollten. Trotzdem bleibt die Erkenntnis bestehen: Unsere Nasszelle wird kein Leichtbauprojekt. Eher Kategorie „massiver Bunker mit Duschoption“.
Der Anfang klang noch harmlos. Die 15-mm-Holzwände mussten zunächst auf Raumhöhe gekürzt werden. Also Kreissäge raus, messen, markieren, nochmal messen, nochmal kontrollieren, ob man wirklich richtig gemessen hat und dann trotzdem hoffen, dass man nicht aus Versehen die teure Platte in ein überdimensioniertes Frühstücksbrett verwandelt.

Danach ging es an die Aluprofile. Ablängen, zusammenbauen, fluchen, wieder auseinanderbauen, nochmal messen und am Ende ein Gestell erschaffen, das tatsächlich exakt die Maße der zukünftigen Nasszelle hatte. Als wir das Ganze dann an seine spätere Position geschoben haben und die erste gekürzte Wand daneben stand, kam dieser magische Moment:
„Wow… das sieht ja wirklich aus wie eine Nasszelle!“

Na gut. Eher wie eine Nasszelle im Rohbau nach einem kleinen Erdbeben. Aber immerhin.
Ab diesem Punkt begann allerdings der Teil des Projekts, bei dem man merkt, dass auf YouTube irgendwie nie die wirklich wichtigen Probleme gezeigt werden. Die Wand auf der Bettseite hat nämlich zwei Seiten. Klingt banal. Ist es nicht.
Die Duschseite muss komplett ohne sichtbare Schrauben oder Löcher montiert werden, damit Wasser später nicht beschließt, heimlich in irgendwelche Konstruktionen einzuwandern und dort ein eigenes Biotop zu gründen. Die Bettseite wiederum besteht aus einer dünnen Dekorplatte, die logischerweise von der Bettseite aus befestigt werden muss. Gleichzeitig muss aber genau zwischen diesen beiden Wandseiten das Aluprofil an der Kofferaußenwand verschraubt und verklebt werden.
Mit anderen Worten:
Man soll Dinge verschrauben, an die man später nicht mehr rankommt, ohne dabei sichtbare Schrauben zu erzeugen, obwohl man eigentlich Schrauben braucht.
Ein absolut normales Ausbauproblem also.
Nach mehreren Denkpausen, diversen „Das müsste doch eigentlich gehen“-Momenten und mindestens einem längeren Starren gegen die Wand war klar: Ganz ohne Löcher in der Dekowand wird es nicht funktionieren. Unser aktueller Plan ist deshalb, diese Öffnungen später sauber zu verschalen und daraus kleine Ablagen zu machen. Irgendwo muss die Brille schließlich hin. Oder die Taschentücherbox. Oder die mentale Stabilität, die man während dieses Bauabschnitts verliert.

Zusätzlich mussten noch Querträger für die gegenüberliegende Wand gesetzt werden – also die Seite neben unserem Kühlschrank. Natürlich ebenfalls so, dass man später keine sichtbaren Aluprofile sieht. Bedeutet im Klartext: Weitere Durchführungen in der Duschwand planen, markieren und vorbereiten. Denn wenn man schon kompliziert baut, dann wenigstens konsequent.
Und genau ab da entwickelte sich der gesamte Nasszellenbau zu einer endlosen Schleife aus:
Gestell aufbauen.
Wände anhalten.
Nachmessen.
Feststellen, dass man irgendwo eine Durchführung vergessen hat.
Alles wieder abbauen.
Neue Markierungen setzen.
Wieder aufbauen.
Noch etwas vergessen.
Wieder abbauen.
Irgendwann hatten wir das Gefühl, die Nasszelle häufiger auf- und abgebaut zu haben als manche Leute ihr IKEA-Regal nach einem Umzug.
Aber irgendwann passiert tatsächlich das Unfassbare:
Es passt plötzlich alles.
Die Wände standen. Die Querträger waren verschraubt und verklebt. Nichts wackelte mehr bedenklich und überraschenderweise war auch keine Wand plötzlich 3 Zentimeter zu kurz. Ein emotionaler Höhepunkt im Ausbauverlauf.
Natürlich hielt dieses Hochgefühl exakt bis zu dem Moment, als uns auffiel, dass ja noch Toilette und Waschbecken eingebaut werden müssen.
Denn die möchten nicht einfach irgendwo herumstehen wie verlorene Festivalgäste. Beide brauchen stabile Befestigungen, sinnvolle Positionen und genügend Platz. Also begann direkt die nächste Planungsrunde.
Vorher musste allerdings noch die dritte Wand eingebaut werden – ebenfalls mit dem gleichen Dekor wie die bereits montierten Wände. Und genau hier meldete sich unser Plisseekasten zurück. Dieses unscheinbare Bauteil, das beschlossen hatte, plötzlich extrem weit aus der Wand herauszuragen und damit sämtliche Planungen zu sabotieren.

Also musste der komplette Kasten erstmal wieder demontiert werden. Zusätzlich hatten wir beim ursprünglichen Bau damals noch extra Rahmen gesetzt, damit keine Hohlräume entstehen. Eigentlich eine gute Idee. Jetzt allerdings eher Kategorie „Vergangenheit sabotiert Gegenwart“.
Auch diese Rahmen mussten wieder entfernt werden. Gleichzeitig blieb die Sorge bestehen, dass die notwendigen Abstände später noch passen müssen, damit der Plisseekasten überhaupt wieder montiert werden kann. Und natürlich bedeutete das Ganze auch: längere Schrauben besorgen.
Weil ein Ausbauprojekt erst dann vollständig ist, wenn man wegen einer einzigen Schraubenlänge nochmal in den Baumarkt fahren darf.
Am Ende zeigt der Bau der Nasszelle mal wieder ziemlich deutlich, wie viel Zeit in den Dingen steckt, die später niemand sieht. Wenn irgendwann alles fertig ist, sieht man eine Dusche, ein Waschbecken und eine Toilette.
Was man nicht sieht:
Die Stunden voller Messfehler.
Die hundertmal verschobenen Aluprofile.
Die spontanen Planänderungen.
Und zwei Menschen, die irgendwann nachts zwischen Holzplatten sitzen und ernsthaft diskutieren, ob man eigentlich auch einfach draußen duschen könnte.

Aber genau das macht den Ausbau am Ende aus. Und irgendwie lieben wir diesen Wahnsinn ja trotzdem.