Die Nasszelle – nimmt Formen an
Es gibt beim Ausbau eines LKW-Kofferaufbaus diesen schönen Moment, an dem man denkt: „So, jetzt müssen wir eigentlich nur noch alles zusammenbauen.“
Wer unseren Bau der Nasszelle verfolgt hat, weiß allerdings: Dieser Satz ist gefährlich.
Sehr gefährlich.
Denn „nur noch zusammenbauen“ bedeutet bei uns erfahrungsgemäß ungefähr so viel wie „Das dauert nur fünf Minuten“. Und wir wissen inzwischen beide, was aus solchen Aussagen wird.
Diesmal geht es um die Nasszelle. Und damit um einen Bereich, der spätestens in zwei Wochen funktionieren muss. Dann soll es nämlich auf Tour gehen. Die Toilette ist bereits gebaut und wartet darauf, endlich ihren bestimmungsgemäßen Zweck erfüllen zu dürfen. Wer wissen möchte, wie wir dieses stille Örtchen gebaut haben, kann sich unseren Beitrag Bau der Toilette anschauen.
Jetzt musste also die Nasszelle selbst fertig werden.
Erst einmal alles vorbereiten

Die gute Nachricht:
Wir haben inzwischen tatsächlich alle Teile vorgefertigt, angepasst und optimiert.
Die noch bessere Nachricht:
Eigentlich müssen wir jetzt nur noch alles zusammenstecken und verkleben.
Eigentlich.
Dieses kleine Wort begleitet uns inzwischen wie ein treuer Reisegefährte durch den gesamten LKW-Ausbau.
Die einzelnen Bauteile wurden also nochmals angepasst, kontrolliert und dort optimiert, wo wir beim ersten Zusammenbau festgestellt haben: „Das könnte man vielleicht noch besser machen.“
Was übersetzt meistens bedeutet:
„Das passt so nicht.“
Also wieder auseinanderbauen.
Anpassen.
Fluchen.
Nochmal anpassen.
Und irgendwann passt es dann tatsächlich.
Aus einer Wand wird eine Tür


Besonders spannend wurde es bei der Wand unterhalb des Handwaschbeckens.
Hier haben wir eine Tür beziehungsweise Klappe vorgesehen. Dafür wurde zunächst die Öffnung ausgesägt.
Und jetzt kommt der Trick:
Das ausgesägte Stück sollte nicht im Müll landen, sondern gleich die Tür selbst werden.
Klingt zunächst ziemlich clever.
Ist es auch.
Bis man versucht, dieses ausgesägte Stück wieder so einzubauen, dass man später möglichst nicht sieht, dass es überhaupt einmal ausgesägt wurde.
Genau hier lag die eigentliche Herausforderung.
Die Tür musste so angebracht werden, dass die gesamte Fläche von außen möglichst wie aus einem Guss aussieht.
Kein sichtbarer Versatz.
Keine unnötigen Spalten.
Keine „Hier hat jemand eine Tür eingebaut“-Optik.
Also wurde gemessen, ausgerichtet, probiert und wieder ausgerichtet.
Irgendwann sah es tatsächlich so aus, wie wir es uns vorgestellt hatten.
Manchmal funktioniert unser Plan also doch.
Nicht immer.
Aber manchmal.
Das Handwaschbecken bekommt Licht

Als Nächstes wurde das Brett montiert, auf dem später das Handwaschbecken sitzt.
Dieses Brett haben wir von innen verschraubt.
Das hat gleich zwei Vorteile: Die Befestigung ist sauber und von außen möglichst unsichtbar.
Und weil wir offenbar inzwischen der Meinung sind, dass ein Handwaschbecken alleine noch nicht genug Technik enthält, kam natürlich auch gleich die Beleuchtung dazu.
Die Innenbeleuchtung wurde verlegt und mit einem Magnetschalter versehen.
Das bedeutet:
Tür auf – Licht an.
Tür zu – Licht aus.
Eigentlich ziemlich simpel.
Aber genau solche Kleinigkeiten machen später den Unterschied zwischen „funktioniert irgendwie“ und „funktioniert im Alltag angenehm“.
Und da wir unseren LKW-Ausbau nicht nur anschauen, sondern irgendwann auch darin leben wollen, darf es ruhig ein bisschen komfortabel sein.
Natürlich fehlt noch ein Loch

Ein Handwaschbecken braucht Wasser.
Wasser braucht Schläuche.
Und Schläuche brauchen Platz.
Also musste in das Brett natürlich noch eine Öffnung für die Abläufe und Wasserschläuche.
Das Loch wurde entsprechend ausgesägt und anschließend sauber abgerundet.
Warum?
Weil wir während der Fahrt nicht möchten, dass unsere Schläuche permanent an einer scharfen Kante scheuern.
Das wäre ungefähr so, als würde man einen Reifen absichtlich über eine Glasscherbe rollen lassen und anschließend überrascht sein, dass die Luft fehlt.
Also lieber vorher ordentlich machen.
Das Handwaschbecken wurde anschließend auf dem Brett verklebt.
Auch an der Wandseite wurde natürlich alles sauber abgedichtet und mit Sika 522 verfugt.
Denn Feuchtigkeit hinter den Wänden ist ungefähr so willkommen wie ein Motorschaden am ersten Urlaubstag.
Also gar nicht.
Und dann kamen die Wasserschläuche

Jetzt wurde es richtig interessant.
Die Wasserschläuche mussten an der Duscharmatur und am Handwaschbecken angeschlossen werden.
Damit war es aber natürlich noch lange nicht getan.
Denn wenn irgendwo Wasser hineinfließt, muss es irgendwann auch wieder heraus.
Also mussten gleichzeitig sämtliche Abläufe angepasst, adaptiert und angeschlossen werden.
Eine Mammutaufgabe.
Oder anders gesagt:
Wir haben aus einem kleinen Badezimmer eine hydraulische Versuchsanlage gemacht.
Wer unseren bisherigen Ausbauverlauf kennt, weiß, dass Wasser bei uns ohnehin ein eigenes Kapitel verdient. Schließlich haben wir uns bereits ausführlich mit Frischwasser und Abwasser beschäftigt.
Und gerade beim Abwasser haben wir gelernt:
Ein Ablauf sieht auf einer Zeichnung immer wesentlich einfacher aus als im fertig ausgebauten LKW.
Da treffen Schläuche auf Wände, Wände auf Böden, Böden auf Tanks und irgendwo dazwischen möchte man selbst auch noch Platz zum Arbeiten haben.
Warum einfach, wenn es auch mit vier Adaptern geht?
Anschließen, testen und hoffen
Nachdem sämtliche Schläuche und Abläufe angeschlossen waren, kam der vermutlich wichtigste Teil:
testen.
Denn bevor man alles endgültig verschließt und verfugt, sollte man wissen, ob das Wasser tatsächlich dort ankommt, wo es ankommen soll.
Und vor allem:
Ob es irgendwo ankommt, wo es definitiv nicht ankommen soll.
Also wurde alles auf Funktion geprüft.
Wasser marsch!
Und siehe da:
Es funktioniert.
Das ist einer dieser Momente beim Selbstausbau, in denen man kurz innehält und sich denkt:
„Vielleicht können wir das tatsächlich.“
Dieser Gedanke hält meistens ungefähr bis zum nächsten Bauteil.
Jetzt wird endgültig verfugt

Nachdem alles angeschlossen und auf Funktion geprüft war, ging es an die letzte große Abdichtungsrunde.
Alle Kanten innerhalb der Nasszelle wurden verfugt.
Das Ziel ist klar:
Keine Feuchtigkeit soll hinter die Wände gelangen.
Keine versteckten Wasserwege.
Keine kleinen Überraschungsbiotope.
Keine spätere Entdeckung nach dem Motto:
„Komisch, warum riecht es hier eigentlich nach Feuchtigkeit?“
Wir hoffen also sehr, dass unsere Abdichtung genau das tut, was sie soll.
Dicht sein.
Hoffentlich.
Das Wort „hoffentlich“ ist beim Ausbau übrigens kein technischer Fachbegriff.
Es fühlt sich manchmal aber verdächtig danach an.

Für die erste Reise ist die Nasszelle bereit
Damit ist die Nasszelle für unsere erste Reise tatsächlich funktionsfähig.
Die Toilette ist eingebaut.
Das Handwaschbecken sitzt.
Die Duscharmatur ist angeschlossen.
Die Wasserleitungen sind verlegt.
Die Abläufe funktionieren.
Die Beleuchtung schaltet über den Magnetschalter.
Und die Kanten sind abgedichtet.
Was noch fehlt?
Natürlich.
Duschvorhang und Schränke.
Aber das kommt nach der Reise.
Man muss schließlich auch noch ein paar Baustellen übriglassen. Sonst würde uns unterwegs vermutlich langweilig werden.
Und außerdem haben wir inzwischen gelernt:
Wenn etwas beim ersten Versuch tatsächlich fertig wird, sollte man misstrauisch werden.
Für die erste Fahrt ist die Nasszelle jedenfalls bereit.
Und damit sind wir unserem Ziel wieder ein gutes Stück näher gekommen:
Aus einem ehemaligen LKW-Kofferaufbau wird langsam, aber ziemlich sicher, unser Zuhause auf Rädern.
Mal sehen, was bis zur Abfahrt noch alles schiefgehen kann.
Wir bleiben optimistisch.
Das ist wahrscheinlich das Wichtigste beim Selbstausbau.
Und ein bisschen Sika.
Sehr viel Sika.