Monat: September 2026

Selber schreinern unter Zeitdruck

(C) Ernst und Meike Wagner

 

In einer Woche soll es losgehen.

Das Fahrzeug steht beim Schreiner.

Alles ist geplant.

Alles ist vorbereitet.

Hurra!

Na gut … wir hätten es besser wissen müssen.

Denn kurz darauf kam der Anruf, der unsere komplette Planung wieder einmal auf die Probe stellte:

Die Arbeiten können leider nicht gemacht werden.

Ein Mitarbeiter hatte gekündigt, der andere war langfristig erkrankt. Kurz gesagt: Es fehlten schlicht die Kapazitäten.

Eine Woche vor Reisebeginn also keine Türen, keine Lüftungsfronten und noch einige andere Kleinigkeiten, die man bei einem Wohnmobil erstaunlicherweise tatsächlich braucht.

Was tun?

Ganz einfach:

Selber schreinern.

Plan B: Ärmel hoch und los

Zum Glück bot uns die Schreinerei an, die Werkstatt nutzen zu dürfen, damit wir zumindest die Reisebereitschaft herstellen konnten.

Dafür unseren allerherzlichsten Dank!

Ohne diese Möglichkeit wären wir ziemlich aufgeschmissen gewesen.

Jetzt mussten nur noch Platten her.

Und zwar schnell.

Zum Glück hatten wir noch die Zwischenplatten, die beim Transport unserer Furnierplatten zum Einsatz gekommen waren.

Nicht unbedingt die Platten, die wir uns ausgesucht hätten – aber ganz ehrlich: Der Inhalt des Schrankes ist bei der Materialauswahl erstaunlich anspruchslos.

Hauptsache, die Tür geht zu.

Und noch wichtiger:

Der Inhalt bleibt drin.

Drei Tage Schreiner spielen

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Also haben wir innerhalb von drei Tagen die Türen für den Kleiderschrank und den Elektroschrank gebaut, sämtliche Lüftungsfronten gefertigt und die Schubladen des Küchenblocks angepasst, umgeleimt und wieder eingebaut.

Drei Tage.

Das klingt nach guter Planung.

War es aber nicht.

Es war eher eine Mischung aus Zeitdruck, Improvisation und der Erkenntnis, dass man mit einem Akkuschrauber erstaunlich viel Unsinn anstellen kann.

Aber irgendwie hat es funktioniert.

(C) Ernst und Meike Wagner (C) Ernst und Meike Wagner (C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Das 20er Aluprofil – unser neuer bester Freund

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Besonders spannend wurde die Frage, wie man eine Tür an einem 20er Alu-Konstruktionsprofil befestigt.

Auf dem Papier sah das natürlich ganz einfach aus.

In der Realität eher nicht.

Wir haben verschiedene Lösungen ausprobiert. Manche waren brauchbar, andere … sagen wir es diplomatisch … haben uns wichtige Erkenntnisse für die Zukunft geliefert.

Die Lösungen waren nicht optimal.

Aber genau dafür sind solche Provisorien schließlich da.

Wir wissen jetzt ziemlich genau, worauf wir bei den endgültigen Türen achten müssen.

Und das ist doch auch etwas wert.

Man baut.

Man stellt fest, dass es nicht funktioniert.

Man baut um.

Man flucht.

Man baut wieder.

Und irgendwann sagt man:

„Ja, genau so wollte ich das eigentlich von Anfang an.“

 

Hauptsache reisefertig

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Am Ende waren die Türen dran, die Lüftungsfronten montiert und die Schubladen wieder an ihrem Platz.

Nicht alles perfekt. Nicht alles endgültig.

Aber reisefertig.

Und genau das war das Ziel.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Der Selbstausbau unseres LKW-Fernreisemobils zeigt uns immer wieder: Man kann noch so schön planen – irgendjemand oder irgendetwas kommt garantiert um die Ecke und hat eine andere Idee.

Diesmal war es der Schreiner.

Beim nächsten Mal ist es wahrscheinlich eine Schraube, die genau dort sitzt, wo eigentlich keine Schraube sitzen sollte. Wir bleiben gespannt.

Denn eines haben wir inzwischen gelernt:

Beim Fernreisemobil-Ausbau ist nicht die Frage, ob etwas schiefgeht.

Die Frage ist nur:

Wie schnell finden wir eine Lösung – und wie gut können wir hinterher behaupten, dass genau das so geplant war? 😎

Also: Ärmel hoch, Werkzeug raus und weitermachen.

Warum einfach, wenn es auch selber geht? 🚚🔧

Der TTT-Pipi-Tank

 

Für den Pipi-Tank hatten wir bereits vor einiger Zeit zwei handelsübliche 20-Liter-Kanister besorgt.

Warum zwei?

Ganz einfach: Einer wird eingebaut, der andere dient als Ersatz.

Denn wenn man mit dem HeilixBlechle unterwegs ist, möchte man nicht unbedingt irgendwo am schönsten Stellplatz der Welt feststellen, dass der Pipi-Tank voll ist und man nun dringend einen passenden Ersatzbehälter auftreiben muss.

Also lieber gleich einen zweiten Kanister einpacken.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Der verbaute Kanister bekam in den Deckel eine Durchführung aus Messing. Darüber sollte später der Schlauch vom TTT-Pipiablauf den Urin direkt in den Kanister befördern.

Damit es beim Einlaufen draußen nicht fröhlich vor sich hinplätschert, kam auf die Innenseite des Deckels zusätzlich ein Schlauch.

Die Idee dahinter war eigentlich genial.

Der Schlauch sollte die Flüssigkeit an der Innenwand entlangführen und damit das typische „Plitsch-Platsch“ vermeiden.

Kleiner Spoiler:

War keine gute Idee.

Aber dazu irgendwann später mehr.

Unten am Kanister kam noch ein handelsüblicher Wasserhahn dran. Damit lässt sich der Tank später relativ unkompliziert entleeren.

Und natürlich durfte auch die Entlüftung nicht fehlen.

Denn wenn Flüssigkeit in einen geschlossenen Behälter laufen soll, muss die verdrängte Luft irgendwo hin. Sonst sitzt irgendwann die Luft im Tank und erklärt dem Urin sehr überzeugend, dass heute leider kein Einlass mehr möglich ist.

Also Loch rein.

Entlüftung dran.

Fertig.

Zumindest auf dem Papier.

 

 

 

Erst einmal musste der Tank überhaupt irgendwo hin

Bevor wir uns mit der Frage beschäftigen konnten, wie der Urin in den Kanister kommt, mussten wir erst einmal klären, wie der 20-Liter-Kanister überhaupt dauerhaft am Fahrzeug befestigt werden sollte.

Denn auch 20 Liter Flüssigkeit bringen zusammen mit dem Kanister ordentlich Gewicht auf die Waage. Einfach rein stellen und hoffen, dass er während der Fahrt nicht plötzlich eigene Reisepläne entwickelt, war deshalb keine Option. – Auch hier hat Anton, fix wie er ist – schnell eine Lösung gezaubert. Du bist der Beste!! – Danke dafür.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Also musste eine vernünftige Halterung her.

Hierfür hat Anton ein Stück Riffelblech passend für den Kanister zugeschnitten und entsprechend abgekantet.

Das Riffelblech wurde anschließend auf die zuvor am Fahrzeug angebrachten Träger verschraubt.

Und plötzlich hatte unser Pipi-Tank einen festen Sitz.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Der zweite Kanister darf derweil als Ersatz mitreisen und darauf warten, dass sein großer Auftritt kommt.

Hoffentlich möglichst spät.

Oder besser gesagt: hoffentlich überhaupt nicht.

 

 

Ach ja …. und dann kam die erste Probefahrt

Kommen wir noch einmal zu unserem genialen Schlauch an der Innenseite des Kanisters.

Die Idee war gut.

Die Umsetzung ebenfalls.

Zumindest theoretisch.

Bei der ersten Probefahrt zeigte sich allerdings, dass Theorie und Praxis beim Selbstausbau ungefähr so gut miteinander harmonieren wie Holzstaub und frisch geputzte Fahrzeuge.

Der Schlauch, der die Flüssigkeit eigentlich schön an der Wand entlangführen sollte, stellte sich als eher suboptimale Lösung heraus.

Also flog er wieder raus.

Und siehe da:

Ohne Schlauch funktioniert das System deutlich besser.

Manchmal muss man eben erst etwas einbauen, testen und wieder ausbauen, um herauszufinden, dass es auch ohne dieses etwas funktioniert.

Das nennt man bei uns inzwischen nicht mehr Fehler.

Das ist iteraktive Optimierung.

Klingt gleich viel professioneller.

 

 

Aber Hurra – die Toilette funktioniert!

Damit war es tatsächlich geschafft.

Der TTT-Pipiablauf führt nach außen.

Der Schlauch führt in unsern 20-Liter-Kanister.

Der Kanister sitzt sicher auf ihrer Riffelblech-Halterung.

Die Entlüftung funktioniert.

Der Wasserhahn ist montiert.

Und vor allem:

Die Toilette ist funktionstüchtig.

Categories: Ausbauverlauf, Koffer, Toilette

Hängeschrankgestell für die Dinette

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Es gibt Arbeiten beim Ausbau eines LKW-Kofferaufbaus, bei denen man sich vorher denkt: „Das ist schnell gemacht.“

Und dann gibt es Arbeiten, bei denen man sich nachher fragt, warum zur Hölle man dafür eigentlich so lange gebraucht hat.

Der Hängeschrank in unserer Dinette gehört irgendwo dazwischen.

Eigentlich ist die Sache recht simpel: Ein Gestell bauen, ein paar Platten befestigen, Schrauben rein und fertig.

Eigentlich.

Wer unseren bisherigen Bau des Küchenblocks verfolgt hat, kennt das Prinzip bereits. Aluprofile, Holz, Schrauben, messen, nochmal messen und irgendwann die Erkenntnis, dass das Ganze tatsächlich dort sitzt, wo es sitzen soll.

Da wir beim Bau des Hängeschrankgerüsts in der Küche bereits etwas Erfahrung sammeln konnten, war die Aufgabe diesmal deutlich entspannter.

Also theoretisch.

 

 

Erst einmal das Gestell bauen

Bevor wir zur Schreinerei fahren konnten, musste der Hängeschrank in der Dinette fertiggestellt sein. Schließlich soll später nicht irgendwo ein Möbelstück nach dem anderen entstehen, das aussieht, als hätte jedes davon einen anderen Besitzer.

Der Hängeschrank soll sich optisch in den restlichen Innenausbau einfügen.

Das Gestell war deshalb wieder klassischer HeilixBlechle-Möbelbau: Aluprofile, genaues Ausmessen und die Hoffnung, dass wir diesmal aus unseren bisherigen Fehlern gelernt haben.

Und tatsächlich:

Das Grundgestell war erstaunlich schnell gebaut.

Fast schon verdächtig schnell.

Wir hatten ja bereits beim Küchenblock und beim Bettkasten gelernt, dass Aluprofile zwar wunderbar flexibel sind, diese Flexibilität aber gerne dazu führt, dass man ein Bauteil auch fünfmal auseinanderbauen kann, obwohl es eigentlich schon fertig war.

Diesmal lief es besser.

Das Gestell passte.

Die Maße stimmten.

Nichts war spontan drei Zentimeter zu lang.

Wir wurden misstrauisch.

 

 

Das eigentliche Problem: Schrauben

Natürlich lag das Problem nicht beim Gestell.

Das Problem lag – wie so oft – bei den Schrauben.

Man glaubt gar nicht, wie schnell man bei einem solchen Projekt die Übersicht über die notwendigen und vorhandenen Schrauben verliert.

Am Anfang denkt man:

„Ein paar Schrauben haben wir doch.“

Am Ende sitzt man vor ungefähr 37 Sortierkästen und fragt sich, warum man eigentlich fünf verschiedene M5-Schrauben besitzt, die alle fast gleich aussehen, aber natürlich genau die falsche Länge haben.

Für einen vernünftigen Ausbau braucht man gefühlt mindestens 200 unterschiedliche Schrauben.

Unterschiedliche Länge.

Unterschiedliche Dicke.

Unterschiedliche Kopfform.

Unterschiedliche Ausführung.

Und vermutlich gibt es auch noch Schrauben mit unterschiedlichem Charakter.

Die einen sind kooperativ.

Die anderen verschwinden grundsätzlich unter dem Fahrzeug.

Und dann gibt es die Schrauben, die exakt die richtige Länge haben – bis man sie tatsächlich braucht.

Natürlich fehlten auch uns immer wieder die passenden Exemplare.

Also Schrauben nachbestellen.

Warten.

Feststellen, dass wieder eine andere Variante fehlt.

Noch einmal bestellen.

Man könnte meinen, wir bauen einen LKW-Kofferaufbau.

Tatsächlich betreiben wir offenbar einen kleinen Schraubenhandel mit angeschlossenem Wohnmobil.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Wenn eine Schraube zur Projektverzögerung wird

Das Schöne an unserem Ausbau ist ja, dass aus jedem noch so kleinen Problem eine Geschichte werden kann.

Beim Kleiderschrank hatten wir bereits reichlich Gelegenheit, uns mit Einschraubmuttern, Aluprofilen und der wunderbaren Welt der Millimeter auseinanderzusetzen.

Beim Hängeschrank war es diesmal nicht ganz so dramatisch.

Dafür fehlten eben immer wieder die passenden Schrauben.

Und natürlich kann man das Bauteil nicht einfach fertigstellen und die fehlenden Schrauben später einsetzen.

Zumindest nicht, wenn man möchte, dass am Ende alles vernünftig befestigt ist.

Also wieder:

Schraubenkiste öffnen.

Suchen.

Fluchen.

Feststellen, dass die passende Schraube nicht dabei ist.

Online bestellen.

Zwei Tage warten.

Schraube einsetzen.

Feststellen, dass jetzt eine andere fehlt.

Man kennt es.

Wer einen Camper selbst ausbaut, kennt es vermutlich sogar sehr gut.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Aber irgendwann hängt er

Nach einigen kleinen Unterbrechungen war es dann tatsächlich soweit.

Das Gestell war fertig.

Die benötigten Schrauben waren vorhanden.

Zumindest fast alle.

Und der Hängeschrank konnte an seinen endgültigen Platz in der Dinette.

Damit war wieder ein Punkt auf unserer langen Ausbau-Liste erledigt.

Und diesmal sogar einer, bei dem wir nicht den halben Innenausbau auseinandernehmen mussten.

Das darf man ruhig einmal erwähnen.

Wer unseren bisherigen Ausbauverlauf verfolgt, weiss, dass das bei uns keineswegs selbstverständlich ist.

Normalerweise gehört zu einem neuen Bauteil mindestens eine vergessene Durchführung, eine falsche Schraubenlänge oder irgendein Teil, das nach dem Zusammenbau übrig bleibt und uns minutenlang nervös macht.

Diesmal blieb dieses Drama weitgehend aus.

Wir werden langsam besser.

Oder einfach vorsichtiger.

Wobei ich persönlich eher auf vorsichtiger tippe.

 

 

Noch eine Woche bis zur Abreise

Und dann wurde es langsam ernst.

Eine Woche noch bis zur geplanten Abreise.

Der Termin bei unserem Schreiner stand fest.

Das Fahrzeug sollte zur Schreinerei, damit unser HeilixBlechle im Innenraum endlich den letzten Schliff bekommt.

Zumindest war das der Plan.

Für die Arbeiten waren ungefähr drei bis vier Tage vorgesehen.

Drei bis vier Tage.

Klingt machbar.

Fast schon entspannt.

Nach über zwei Jahren Ausbau hatten wir uns diese Fähigkeit zur völligen Selbstüberschätzung schließlich hart erarbeitet.

Das Fahrzeug war vorbereitet.

Der Hängeschrank war eingebaut.

Die wesentlichen Arbeiten waren erledigt.

Also konnten wir eigentlich beruhigt zur Schreinerei fahren.

Eigentlich.

 

 

Und dann kam natürlich alles anders

Wer jetzt unseren bisherigen Ausbauverlauf kennt, wird vermutlich schon ahnen, was passiert ist.

Richtig.

Es kam alles anders.

Natürlich.

Denn offenbar hat unser HeilixBlechle inzwischen eine eigene Persönlichkeit entwickelt.

Und diese Persönlichkeit mag Überraschungen.

Wir wollten also eigentlich nur noch zur Schreinerei fahren, dort drei bis vier Tage verbringen und anschließend mit einem nahezu fertigen Innenraum wieder nach Hause kommen.

Ein schöner Plan.

Ein realistischer Plan.

Ein völlig naiver Plan.

Was dann tatsächlich passiert ist, ist allerdings eine andere Geschichte.

Und genau diese Geschichte erzählen wir im nächsten Kapitel unseres Ausbauverlaufs.

Denn wie heißt es bei uns inzwischen so schön:

Wenn etwas im Ausbau „nur noch schnell fertig“ gemacht werden muss, sollte man vorsichtshalber schon einmal einen Kaffee aufsetzen.

Und vielleicht auch gleich die Schraubenkiste bereithalten.

Man weiß ja nie. 😎🔧🚚

Fortsetzung folgt.