Monat: Februar 2026

Elektrik zieht ein

(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Irgendwann kommt in jedem Kofferaufbau der Moment, an dem man merkt: Jetzt wird’s ernst. Kein Holz, kein Blech, kein Dämmstoff mehr – sondern Elektrik. Diese unsichtbare Macht, die alles kann, aber nur dann, wenn man sie respektiert. Oder zumindest so tut, als wüsste man genau, was man da gerade verkabelt.

Bei uns zog die Elektrik nicht leise ein. Sie kam mit Kabeltrommeln, Kabelkanälen, Stirnrunzeln und der leisen Frage im Hinterkopf: „Haben wir das wirklich richtig geplant?“

Das Herzstück: Der Elektrokasten neben dem Eingang

Der Standort unserer zentralen elektrischen Anlage befindet sich direkt neben dem Eingang. Quasi der Ort, an dem alle Fäden – oder besser gesagt Kabel – zusammenlaufen. Von hier aus werden sämtliche Leitungen im Fahrzeug verteilt. Eine Entscheidung, die sich später als goldrichtig herausgestellt hat. Kurze Wege, gute Zugänglichkeit und im Notfall kommt man schnell ran, ohne halb im Bettkasten verschwinden zu müssen.

(C) Ernst und Meike Wagner

Ganz wichtig: Trennung von 230V und Gleichstrom. Nicht nur, weil Vorschriften das so wollen, sondern auch, weil wir keine Lust auf spontane Effekte hatten, die man sonst nur aus YouTube-Videos kennt. Um die beiden Stromarten schon auf den ersten Blick unterscheiden zu können, haben wir uns für orange Kabel bei 230V entschieden. Eindeutig, unmissverständlich und selbst im Halbschlaf zu erkennen.

Kabel auf Abstand – weil Wasser und Strom keine Freunde sind

Eine unserer besten Entscheidungen: Alle Leitungen werden hängend im Zwischenboden verlegt. Warum? Ganz einfach. Wasser hält sich nicht an Baupläne. Es sucht sich immer den tiefsten Punkt und breitet sich dort aus, als hätte es das alleinige Nutzungsrecht. Elektrik hingegen reagiert darauf eher… gereizt.

Durch die räumliche Trennung von Wasser und Elektrik stellen wir sicher: Sollte es jemals zu einem Wasserbruch kommen, bleibt die Elektrik davon unbeeindruckt. Oder zumindest größtenteils. Und genau deshalb bleibt der Boden frei und die Kabel schweben elegant darüber.

Die Unterkonstruktion aus Aluprofilen hat hier gleich zwei Vorteile. Erstens: stabil. Zweitens: perfekt, um Kabelkanäle daran zu befestigen. Und falls man später feststellt, dass ein Kabel doch lieber links statt rechts laufen sollte – kein Problem. Umsetzen, neu befestigen, keine Spuren. Das hat sich wirklich bewährt.

(C) Ernst und Meike Wagner  (C) Ernst und Meike Wagner (C) Ernst und Meike Wagner

Erste Etappe: Kleiderschrank, Bett und Nasszelle

Zuerst ging es mit allen Leitungen Richtung Kleiderschrank, Bett und Nasszelle. Für den Kleiderschrank haben wir ein 4 mm² Doppelkabel als Hauptleitung verlegt, an dem später die USB-Dosen hängen. Parallel dazu ein weiteres 4 mm² Kabel Richtung Bett – zuständig für Licht im Kleiderschrank, im Bettkasten, unter dem Bett und natürlich für die legendäre Bayernluft.

Von diesen Hauptleitungen zweigen dann 1,5 mm² Kabel zu den einzelnen Verbrauchern ab. Am Kopfende des Betts haben wir zusätzlich zwei 4 mm² Kabel verlegt: eines für die Nasszelle und eines für Bettkastenlicht, Nachtlicht und den Ventilator am Bett. Prioritäten müssen sein.

(C) Ernst und Meike Wagner

230V: Robust, orange und nicht beleidigt bei Berührung

Zusätzlich wurden 230V-Kabel vom Unterbett (aka Keller) Richtung Elektrokasten geführt – und von dort wieder zurück in den Keller sowie weiter zur Nasszelle. Hier kamen 2,5 mm² Kabel zum Einsatz. Robust gegen Scheuern, Öl und Säure. Ein Kabel, das nicht gleich beleidigt ist, wenn es mal etwas rauer zugeht. Genau das, was man in einem LKW-Kofferaufbau braucht.

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Zweite Bauphase: Boiler, Küche und die große Freiheit draußen

In der zweiten Bauphase gingen die 230V-Leitungen weiter Richtung Boiler, Kühlschrank und Wohnbereich. Ein weiteres Kabel versorgt die Küche, den hinteren Wohnbereich und den Außenbereich. Natürlich alles fein säuberlich in eigenen Kabelkanälen, so wie es die Vorschriften verlangen – und unser innerer Monk es sowieso nicht anders zugelassen hätte.

Parallel dazu wurden auch reichlich 12V-Kabel verlegt:
Ein 6 mm² Doppelkabel für den Kühlschrank, 4 mm² Doppelkabel für den Wohnbereich mit USB-Dosen und ein 2 mm² Doppelkabel für die Lichtversorgung innen und außen. Für die Außenversorgung kam noch ein 4 mm² Doppelkabel dazu, sowie ein 6 mm² Doppelkabel für den externen Solaranschluss.

Kabel, Kabel, nichts als Kabel

Inzwischen haben wir mehrere Meter Kabel verlegt. Viele Meter. Sehr viele Meter. Und trotzdem fühlt es sich so an, als wären wir gerade mal warmgelaufen. Denn vergessen wir nicht: Alle Schalter wollen ebenfalls versorgt werden. Und Schalter vermehren sich in einem Ausbauprojekt ungefähr so schnell wie gute Ideen kurz vor dem Einschlafen.

Aber Schritt für Schritt nimmt alles Form an. Und auch wenn es zwischendurch aussieht wie ein farbenfrohes Spaghetti-Monster im Zwischenboden – am Ende wissen wir, wofür jedes einzelne Kabel da ist. Meistens zumindest.

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Einbau des Kleiderschranks – Das Finale

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(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Da wir die Bayernluft ungewöhnlich verbauen (ja, wir lieben Herausforderungen), mussten wir das Ansaugrohr mit Amaflex dämmen, damit sich bei der hohen Luftfeuchte nicht sofort Kondenswasser bildet. Der Taupunkt sollte so weit wie möglich im Rohrwandbereich sein – physikalisch sinnvoll, emotional eher dramatisch. Also Dämmung unter den Zwischenboden, dann Rohrverbindungen im Schrankinneren. Hätte ein Physik-Professor gehofft, es wäre elegant. Wir nennen es: funktional mit B-Note.

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Endlich durften die IKEA-Körbe rein! – Hurra! Doch Stop. Die Sichtwand, die dem Schrank „ein Gesicht geben sollte“, hatte sich leicht verzogen (ständiges Stehen war wohl zu viel für ihren selbstbewussten Charakter).

Also standen wir wieder vor Ungenauigkeiten beim Verschrauben. Zwei Schrauben fanden ihren vorgesehenen Platz nicht. Eine davon hat beim Versuch des Wiederanschraubens sogar die Einschraubmutter mit herausgezogen. Herzlichen Glückwunsch, liebe Physik – wir sehen uns wieder beim nächsten Projekt.

(C) Ernst und Meike Wagner

Der vorletzte Schritt: Die Bayernluft endgültig wasserdicht und dämmtechnisch abgeschlossen. Rohre fixieren, damit sie während der Fahrt nicht anfangen zu tanzen.

Was noch fehlt, um diesen Kleiderschrank zur Legende zu machen:

  • Ein Boden oberhalb des IKEA-Korbsystems,

  • die Türen,

  • eine Kleiderstange,

  • und natürlich der Anschluss der Elektrik.

Aber hey: Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut – und wir haben immerhin den Schraubenzieher wieder gefunden. 😄

Beginn – Einbau des Kleiderschranks

(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Wenn du dachtest, einen Kleiderschrank in einen LKW zu bauen sei ungefähr so kompliziert wie ein IKEA-BILLY ohne Anleitung… dann herzlichen Glückwunsch, du liegst richtig. Willkommen zu einem weiteren Kapitel unseres unperfekten Perfektionismus – diesmal mit Aluminium, IKEA und der Bayernluft, die uns ständig in die Quere kommt.

Schon ganz früh, bevor Woodies und Schraubenliebe uns als Paar verband, wussten wir: Ein Schrank soll rein. Und zwar einer, der am Ende nicht aussieht, als hätte ihn ein Betrunkener konzipiert. 😉

Alles begann mit einem Rahmen aus Aluprofilen. Nicht irgendein Rahmen. Ein Rahmen, der perfekte Maße haben sollte. Also haben wir ihn gebaut, wieder angepasst, wieder verworfen, und wieder neu angepasst. Klingt nach Perfektion? – War es nicht. Aber immerhin mussten wir erstmal den Zwischenboden und die Lüftungsrohre der Bayernluft verbauen, die natürlich abhängig von der späteren Position des Schrankes sind. Und ohne IKEA-Korbsystem? Vergiss es. Das musste vorher drin sein, sonst hätte nix gepasst. – So ähnlich hatten wir es mit der Küche bereits praktiziert.

(C) Ernst und Meike Wagner (C) Ernst und Meike Wagner

Mit dem Rahmen in ungefähren Maßen von: „Sollte ungefähr passen“ gingen wir zur Holzwand über. Schraubzwingen dran, erstmal mit 3 mm Löchern vorbohren (so wie wir es bereits mit unseren Bettkasten geübt hatten) – damit man später auch schön gerade bohren kann, dachten wir. Und dann: sägen. Natürlich mit etwa 2 cm Überhang – weil wir bei allem Optimismus nie vergessen, ein bisschen Chaos mit einzubauen.

(C) Ernst und Meike Wagner

In einem besonders brillanten Moment hatten wir die glorreiche Idee, die Schranktür in den Schrank verschwinden zu lassen.
Spoiler: war keine gute Idee. 🤦‍♂️

Mit auf 5 mm aufgebohrten Löchern und Senkkopf-Fräskunst war das Aluprofil endlich bereit für Schrauben, die wir mit Einschraubmuttern so platzierten, dass von außen wirklich nichts zu sehen ist. – Wenn man denn richtige Einschraubmuttern in einem 11 mm Brett findet, ohne dass sie wieder rausschauen. Kleiner Tipp: Viel Kaffee hilft. Und Gelassenheit. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

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Nachdem das Gestell 20-mal an- und abgebaut war (gefühlte 200), kam der große Moment: Der definitive Einbau.
Zuerst die Wand am Bett fixiert, dann das Alugestell festgeschraubt und final an der Außenwand verschraubt. – Puh. Anschließend alle Kabel durch den Boden in den Schrank verlegt, Kabelkanäle verschraubt (damit es auch schick aussieht) und die Löcher für Zigarettenanzünder sowie die Bedienfelder unserer Heizung gebohrt. Natürlich alles vorher festgelegt, sonst hätten wir jetzt USB-Stecker aus der falschen Ecke fischen müssen. 😉

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Es wird warm – und zwar richtig Teil 3 Abgas und Verkabelung

 

 

Abgase, Schalldämpfer und schwäbische Improvisation

Jetzt fehlten noch Luftansaugung, Abgasführung und Schalldämpfer. Die Abgasrohre führten wir gemeinsam auf der Beifahrerseite nach außen und schlossen dort – stilecht – Moped-Schalldämpfer an.

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Blöd nur:
Anschlussstutzen: 25 mm Außendurchmesser
Schalldämpferrohre: 24 mm Innendurchmesser

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Ein Millimeter, der über Glück oder Verzweiflung entscheidet. Zum Glück hatten wir Zugriff auf eine Werkstatt, in der die Anschlussstutzen kurzerhand auf 24 mm gestaucht wurden. Gemacht, getan – und plötzlich passte alles wie angegossen.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön und Vergeltsgott an unsere Werkstatt. Ohne euch wäre das hier sehr viel lauter geworden.

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Innenraum: Kabelsalat, aber organisiert

Unter dem Fahrzeug war nun alles sicher verbaut, also ging es nach innen. Sämtliche Leitungen wanderten in Kabelkanäle, zusätzlich haben wir externe Temperatursensoren verbaut. Dazu kamen Strom- und Steuerleitungen zu den Bedienteilen.

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Diese haben wir an unserem Kleiderschrank montiert – so können wir die Heizung bequem vom Bett aus steuern. Luxus pur. Dafür mussten die Leitungen allerdings spannungsfrei und vibrationssicher in eigenen Kanälen verlegt werden. Kein Klappern, kein Scheuern, kein späteres Bereuen.

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Der große Elchtest 🔥

Der erste Testlauf – auch liebevoll der große Elchtest genannt – verlief ausgesprochen erfolgsversprechend. Beide Heizungen liefen, nichts roch verdächtig und es wurde… nun ja… warm. – mit 4KW Sehr warm. Mission erfüllt.

(C) Ernst und Meike Wagner

Jetzt fehlen nur noch die Luftschläuche im Koffer, aber das ist ein Thema für ein anderes Kapitel im Ausbauverlauf. Wir wollen es ja spannend halten.

Wer mehr über unseren Ausbau erfahren möchte:
→ schaut euch auch die anderen Beiträge im Ausbauverlauf an. Trackbacks, Pingbacks, interne Verlinkungen – ihr wisst schon. 😉

Categories: Ausbauverlauf, Heizung, Koffer

Es wird warm – und zwar richtig Teil 2 – Kraftstoff

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Diesel – aber bitte ordentlich beschriftet

Der nächste Schritt ließ nicht lange auf sich warten: Dieselzulaufleitungen. Beide Heizungen bekamen ihre eigene Leitung, fein säuberlich gemeinsam in einen Kabelschlauch eingefädelt und unter dem Fahrzeug Richtung Dieseltank verlegt.

Ganz wichtig – und wir können das nicht oft genug sagen: beschriften.
HZ 1 und HZ 2. Überall. Immer. Denn spätestens im Störfall einer Heizung wird man sich selbst dankbar sein, nicht Detektiv spielen zu müssen. Diese Logik haben wir übrigens konsequent bei allen Kabelarbeiten durchgezogen. Ordnung ist, wenn man trotzdem weiß, was man getan hat.

(C) Ernst und Meike Wagner

Die Einbauanleitung der Autotherm war dabei unser ständiger Begleiter (und moralischer Kompass):

  • Maximale Länge von Magnetpumpe zur Heizung: 4 Meter

  • Vom Dieseltank zur Magnetpumpe: maximal 1 Meter

  • Einbauhöhe und Neigung der Pumpen: 15–20 Grad

Mit all diesen Vorgaben im Hinterkopf haben wir die Position der zwei Magnetpumpen festgelegt, ebenfalls beschriftet, die Flussrichtung beachtet und sie auf ein Brett geschraubt. Dieses Brett wiederum wurde mit Vibrationsdämpfern am Fahrzeugrahmen befestigt. Alles sauber verbunden. Für den ersten Testlauf diente ein Dieselkanister, dessen Entnahmestutzen wir einfach mal pragmatisch hineingesteckt haben. Ingenieurskunst auf schwäbisch.

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Strom, Stecker und philosophische Fragen

Danach ging es an die Stromleitungen der Magnetpumpen. Diese wurden direkt an der Heizung durch den Boden geführt und entlang derselben Trasse wie die Dieselleitungen verlegt. Beim Crimpen der Stecker stellte sich dann die existenzielle Frage: Wo ist Plus, wo ist Minus?

(C) Ernst und Meike Wagner

Nach längerem Hin und Her (und der Erkenntnis, dass Magnetpumpen da recht entspannt sind) war klar: egal. Trotzdem haben wir eine saubere Logik eingehalten und alle Stecker gleich aufgebaut. Einfach fürs gute Gefühl. Der Unterbau war damit fast bereit für den ersten Testlauf.

Testweise muss erst mal der Dieselkanister herhalten. – Ein weiteres Loch im Dieseltank? – Lieber mal noch nicht.

Categories: Ausbauverlauf, Heizung, Koffer