Monat: Juni 2026

TTT-Abluft im LKW-Kofferaufbau

(C) Ernst und Meike Wagner

Wie wir unsere Nachbarschaft mit unserer Filter geschützt haben

Es gibt Themen im Ausbau eines LKW-Kofferaufbaus, über die spricht man gerne. Solaranlage. Wasserversorgung. Elektrik.

Und dann gibt es die TTT-Abluft.

Also genau die Luft, die entsteht, wenn ein Mensch auf einer Trocken-Trenn-Toilette das tut, wofür Trocken-Trenn-Toiletten ursprünglich erfunden wurden.

Ihr wisst ja selbst: Beim Stuhlgang wird die Luft durchaus veredelt. Und zwar jedes Mal mit einer ganz eigenen Note. Mal kräftig mit langem Nachhall, mal eher dezent und zurückhaltend. Eine Art Überraschungsei für die Nase.

Spätestens bei der Planung unserer Trocken-Trenn-Toilette stand deshalb die Frage im Raum: Wohin mit dieser ganz besonderen Luft?

 

Warum unsere TTT-Abluft nicht durchs Dach geht

Die meisten Ausbauer führen die Abluft ihrer TTT durch das Dach. Klingt zunächst logisch.

Allerdings haben wir mittlerweile genügend Löcher in unseren Kofferaufbau gebohrt, um zu wissen: Löcher im Dach haben die unangenehme Eigenschaft, irgendwann Wasser durchzulassen. Nicht immer. Nicht sofort. Aber oft genau dann, wenn man gerade glaubt, alles perfekt gemacht zu haben.

Nach unseren Erfahrungen aus dem Ausbauverlauf – vom Einbau der PSK-Tür bis zu den diversen Abdichtungsorgien mit gefühlt mehreren Badewannen Sika – wollten wir einfach möglichst wenige Dachdurchführungen haben.

Die Entscheidung fiel deshalb auf eine Bodenentlüftung.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Die Abluft unserer Trocken-Trenn-Toilette verlässt den Koffer direkt durch den Fahrzeugboden.

Eigentlich eine saubere Lösung.

Eigentlich.

 

Das Nachbarschaftsproblem

Dann kam die Erkenntnis.

Während die Abluft auf dem Dach vom Fahrtwind und der Atmosphäre großzügig verteilt wird, landet die Luft bei einer Bodenentlüftung deutlich näher an den Mitmenschen.

Besonders dann, wenn man gemütlich auf einem Stellplatz steht, die Nachbarn ihre Campingstühle aufbauen und der Wind beschließt, genau in die falsche Richtung zu wehen.

Wir mögen unsere Nachbarn.

Zumindest meistens.

Und wir möchten auch nach dem Toilettengang noch gegrüßt werden.

Also musste eine Lösung her.

 

Die Idee: Eine eigene Aktivkohle-Filteranlage

Wie so oft begann alles mit einem Gedanken:

„Wie schwer kann das schon sein?“

Ein Satz, der im Selbstausbau ungefähr dieselbe Wirkung hat wie „Das dauert nur fünf Minuten.“

Am Ende dauert es zehn Tage, vier Bestellungen und einen Besuch am 3D-Drucker später.

Unsere Lösung basiert auf einem 70er HT-Rohr, das über eine Verjüngung auf DN50 reduziert wird. Die DN50-Seite wird später durch den Boden nach außen geführt.

 

(C) Ernst und Meike Wagner (C) Ernst und Meike Wagner

 

Damit war die Grundkonstruktion geschaffen.

Jetzt musste nur noch verhindert werden, dass unser Filter die Luftnote ungefiltert in die Umwelt entlässt.

 

Der Aufbau des Filters

 

(C) Ernst und Meike Wagner (C) Ernst und Meike Wagner

Für die Innenseite haben wir zunächst ein passendes Gitter konstruiert und mit dem 3D-Drucker hergestellt.

Allein dieser Schritt kostete uns mehr Zeit als ursprünglich für die komplette Abluftanlage eingeplant war.

Warum?

Weil ein 3D-Drucker grundsätzlich erst dann perfekte Ergebnisse liefert, wenn man bereits drei Fehlversuche produziert hat.

Das scheint ein Naturgesetz zu sein.

Auf das erste Gitter wurde ein Aktivkohlevlies eingelegt.

Darauf folgte etwa ein Zentimeter Aktivkohlegranulat.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Dieses wiederum wurde mit einer weiteren Lage Aktivkohlevlies abgedeckt.

Anschließend kam ein Sieb darüber, damit die Aktivkohle auch dort bleibt, wo sie hingehört.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Danach konstruierten und druckten wir einen passenden Halter für den Lüfter.

Langsam begann das Ganze tatsächlich auszusehen, als hätten wir einen Plan.

 

Der Lüfter bekam seine eigene Sicherheitsabteilung

Der Lüfter selbst sollte natürlich möglichst lange seinen Dienst verrichten.

Deshalb bekam er auf beiden Seiten zusätzlich Dunstabzugsvlies spendiert.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Nicht weil wir besonders ordentlich sind.

Sondern weil wir wissen, dass Insekten erstaunlich kreativ werden können, wenn sie rotierende Technik entdecken.

Zusätzlich verhindert das Vlies, dass sonstiger Schmutz den Lüfter irgendwann außer Betrieb setzt.

Anschließend wurden die gedruckten Bauteile miteinander verschraubt.

Der große Vorteil:

Das Aktivkohlematerial kann später problemlos gewechselt werden.

Gleichzeitig lässt sich der Lüfter austauschen, ohne dass wir dabei die komplette Aktivkohlefüllung durch den Koffer verteilen müssen.

Denn seien wir ehrlich:

Aktivkohlegranulat verteilt sich ungefähr genauso gerne wie Sägemehl, Metallspäne und alle anderen Materialien, die man eigentlich nur an einer bestimmten Stelle haben möchte.

 

Doppelt hält besser

Weil wir gerade dabei waren, haben wir denselben Filter noch ein zweites Mal gebaut.

Allerdings ohne Lüfter.

Dieser zweite Filter sitzt an der Entlüftung unseres Grauwassertanks.

Wer unseren Beitrag über den Einbau des Grauwassertanks gelesen hat, weiß bereits, wie viel Liebe, Planung und gelegentliche Verzweiflung in diesem System steckt.

Der zusätzliche Aktivkohlefilter sorgt nicht nur dafür, dass mögliche Gerüche reduziert werden.

Er verhindert gleichzeitig auch, dass sich Insekten für einen dauerhaften Aufenthalt in unseren Tanks entscheiden.

Und das betrachten wir durchaus als Vorteil.

 

Fazit: TTT-Abluft ohne Ärger mit den Nachbarn

Am Ende haben wir eine Lösung gefunden, mit der wir sehr zufrieden sind.

Die TTT-Abluft wird weiterhin durch den Boden abgeführt.

Wir vermeiden zusätzliche Dachdurchführungen.

Die Aktivkohlefilter reduzieren mögliche Gerüche erheblich.

Und die Wahrscheinlichkeit, dass uns Nachbarn künftig wegen olfaktorischer Belästigung vom Stellplatz vertreiben möchten, sinkt hoffentlich ebenfalls deutlich.

Ob die Anlage perfekt funktioniert?

Das wird die Praxis zeigen.

Aber wie bei jedem Schritt unseres LKW-Kofferaufbaus gilt:

Wir haben geplant.

Wir haben gebaut.

Wir haben zwischendurch geflucht.

Und bisher ist noch nichts explodiert.

Für unseren Ausbauverlauf ist das bereits ein voller Erfolg.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Bau der Toilette

(C) Ernst und Meike Wagner

Warum man für einen stillen Ort erstaunlich viel Zeit braucht

Dass der Bau einer Toilette so lange dauern kann, hätte ich mir zu Beginn unseres Ausbaus niemals ausgemalt. Ehrlich gesagt dachte ich naiv, man stellt das Ding irgendwo hin, schraubt ein paar Bretter zusammen und fertig. So ungefähr wie man sich als Kind vorstellt, ein Haus zu bauen: vier Wände, Dach drauf, einziehen.

Heute wissen wir: Eine Toilette im Fernreisemobil ist eher eine Mischung aus Möbelbau, Ergonomie-Studium, Feinmechanik und einer kleinen Portion Wahnsinn.

Nachdem die Nasszelle ihren Platz gefunden hatte und der Kühlschrank bereits eingezogen war, konnten wir endlich auf den Vorarbeiten aufbauen, die wir beim Projekt Bettkasten, bei den Wandverkleidungen, beim Kleiderschrank und bei der Wasserversorgung geschaffen hatten. Also zumindest dachten wir, dass sie „endlich“ an der Reihe wäre. Tatsächlich begann damit eines der Projekte, bei dem man jeden Abend überzeugt ist, viel geschafft zu haben, nur um am nächsten Morgen festzustellen, dass man eigentlich lediglich zwei Bretter versetzt hat.

 

Die Wissenschaft der perfekten Sitzhöhe

Bevor überhaupt etwas gebaut werden konnte, musste zunächst die wichtigste aller Fragen geklärt werden:

Wie hoch soll die Toilette eigentlich werden?

Wer jetzt denkt, das wäre schnell entschieden gewesen, hat offensichtlich noch nie zwei Menschen dabei beobachtet, wie sie immer wieder Probe sitzen, messen, diskutieren und erneut Probe sitzen.

Wir haben unzählige Sitzproben durchgeführt. Von außen betrachtet muss das vermutlich ausgesehen haben, als würden wir eine olympische Disziplin trainieren. Aber schließlich soll die Sitzposition nicht nur funktional sein, sondern auch bequem. Schließlich verbringt man dort unter Umständen mehr Zeit als ursprünglich geplant.

Nachdem die optimale Höhe feststand, haben wir in der bereits eingebauten Nasszelle ein Aluprofil eingezogen, auf dem die Toilette später ruhen wird. Parallel dazu entstand das Grundgerüst für die übrigen Toilettenbestandteile.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Die Sache mit dem Waschbecken und dem Schädel-Hirn-Trauma

Mindestens genauso wichtig war die Position des Handwaschbeckens.

Denn was nützt die schönste Toilette, wenn man sich nach jedem Toilettengang beim Aufstehen den Kopf stößt?

Unser Ziel war es, die Nasszelle so zu gestalten, dass man sie verlässt wie ein zivilisierter Mensch und nicht wie jemand, der gerade eine Kneipenschlägerei verloren hat.

Also wurde gemessen, ausprobiert, wieder gemessen und erneut ausprobiert. Dabei spielte nicht nur die Höhe eine Rolle, sondern auch die Tiefe des Waschbeckens.

Als schließlich alles feststand, entstand das Gestell für das zukünftige Handwaschbecken. Zumindest fast.

Denn selbstverständlich haben wir ein Brett zunächst zu kurz abgesägt.

Warum?

Weil es zum Ausbau eines Expeditionsmobils offenbar dazugehört, jedes wichtige Bauteil mindestens zweimal herzustellen. Das erste Mal zum Üben, das zweite Mal dann richtig.

Zusätzlich haben wir unter dem Waschbecken eine Verkleidung gebaut, um das Gesamtbild der Dusche abzurunden. In diese Verkleidung sägten wir direkt eine Öffnung, deren ausgesägtes Teil später als Tür dienen soll. Dadurch entsteht später der Eindruck, als wäre alles aus einem einzigen Stück Holz gefertigt worden.

Zumindest solange niemand weiß, wie oft wir vorher nachgemessen haben.

 

Mehr Beinfreiheit für die wichtigen Momente

Die Toilette selbst wurde mit einem schrägen Brett an die Duschwanne angepasst.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

Der Hintergrund ist denkbar einfach: Füße benötigen Platz. Besonders dann, wenn man auf einer Toilette sitzt.

Diese Schräge sorgt dafür, dass ausreichend Beinfreiheit vorhanden ist und man nicht das Gefühl bekommt, in einer überdimensionierten Schuhschachtel zu sitzen.

In diese Schräge haben wir zusätzlich ein Nachtlicht integriert. Dieses lässt sich bequem vom Bett aus schalten.

Denn seien wir ehrlich:

Niemand möchte nachts um drei Uhr von einem Flutlicht begrüßt werden, das heller ist als die Landebahn eines internationalen Flughafens.

So bleibt der nächtliche Gang zur Toilette angenehm und die Augen behalten zumindest eine minimale Chance, nicht sofort vollständig zu erblinden.

 

Wenn ein Feststoffbehälter plötzlich höchste Priorität bekommt

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Nachdem die Grundkonstruktion stand, ging es an die eigentliche Sitzgelegenheit.

Alle waagerechten Flächen erhielten unser schwarzes Dekor, natürlich auch die spätere Sitzfläche.

Zusätzlich haben wir seitlich schmale Fächer integriert, damit Toilettenartikel ihren festen Platz bekommen.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt dabei unser Feststoffbehälter.

Denn dieser sollte exakt sitzen.

Wirklich exakt.

Die Vorstellung, dass sich dessen Inhalt bei der nächsten Passstraße oder einer spontanen Ausweichbewegung selbstständig macht und auf Entdeckungstour durch das Fahrzeug geht, motivierte uns ausreichend, hier lieber etwas genauer zu arbeiten.

Ein fester Sitz ist in diesem Fall definitiv eine gute Idee.

 

Die Kunst, ein Loch an die richtige Stelle zu setzen

 

(C) Ernst und Meike Wagner

Nun begann die Phase, in der plötzlich jedes Maß entscheidend wurde.

Der Trenneinsatz musste perfekt zur Toilettenbrille passen.

Die Toilettenbrille musste perfekt zum Feststoffbehälter passen.

Und alles zusammen musste so positioniert werden, dass die Ergebnisse eines erfolgreichen Toilettengangs auch tatsächlich dort landen, wo sie landen sollen.

Manche Dinge möchte man lieber vor dem ersten Praxistest sorgfältig durchdenken.

Nachdem sämtliche Eventualitäten berücksichtigt waren, konnten die Platten vorbereitet werden.

Die Platte, in die später der Trenneinsatz eingeklebt werden sollte, musste beweglich bleiben. Schließlich soll sich der Feststoffbehälter später problemlos entnehmen lassen.

Außerdem musste der Urinablauf jederzeit zugänglich bleiben und gleichzeitig ausreichend Abstand zur Rückwand vorhanden sein, damit Deckel und Brille später überhaupt geöffnet werden können.

Kurz gesagt:

Ein erstaunlich komplexes Projekt für etwas, das man im Alltag normalerweise für selbstverständlich hält.

 

Fräsen, kleben und hoffen

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Als Nächstes wurde das Loch für den Trenneinsatz ausgeschnitten.

Anschließend frästen wir eine Vertiefung exakt in der Stärke des Einsatzes aus, damit später alles bündig und sauber abschließt.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Danach erhielt der Deckel seine Scharniere und sämtliche Bewegungsabläufe wurden mehrfach getestet.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Bevor der Trenneinsatz endgültig eingeklebt werden konnte, klebten wir sämtliche angrenzenden Flächen sorgfältig ab. Die Klebeflächen wurden ausgeschnitten, gereinigt, entfettet und mit Aktivator vorbereitet.

Dann kam der entscheidende Moment.

Kleber auftragen.

Einsatz einsetzen.

Ausrichten.

Nicht mehr atmen.

Und warten.

Anschließend wurde das Klebeband entfernt.

Und tatsächlich:

Eine perfekte Naht.

Manchmal geschehen beim Ausbau eben doch kleine Wunder.

 

(C) Ernst und Meike Wagner

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Fast fertig – zumindest bis zum nächsten Bauabschnitt

Zum Schluss wurden Toilettenbrille und Deckel montiert.

Das Einstreu wird künftig in einem separaten Staufach links neben der Sitzposition untergebracht. Dieses Fach soll später noch kippbar ausgeführt werden, damit alles bequem erreichbar bleibt.

Damit sitzt nun nahezu alles an seinem endgültigen Platz.

Zumindest theoretisch.

Bevor die Toilette endgültig verschraubt werden kann, müssen noch die Arbeiten an der Elektrik und der Wasserversorgung abgeschlossen werden. Wer unsere Beiträge zum Elektroschrank oder zur Wasserversorgung verfolgt hat, ahnt bereits, dass auch diese Projekte nicht ganz ohne Überraschungen verlaufen sind.

Erst danach können wir die gesamte Konstruktion wieder wie ein Puzzle für Erwachsene zusammensetzen und sämtliche Fugen dauerhaft abdichten.

Was wir aus diesem Bauabschnitt gelernt haben?

Eine Toilette ist offensichtlich weit mehr als nur eine Toilette.

Und manchmal benötigt man für den Bau eines stillen Örtchens deutlich mehr Zeit, als man jemals für dessen Benutzung benötigen wird.

Aber genau solche Projekte machen den Ausbau unseres Expeditionsmobils aus. Viele kleine Herausforderungen, viele kreative Lösungen und gelegentlich die Erkenntnis, dass ein zu kurz abgesägtes Brett eigentlich nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zum fertigen Fahrzeug ist.

 

 

Categories: Ausbauverlauf, Koffer, Toilette

Anbau des Unterfahrschutzes

(C) Ernst und Meike Wagner

Eine Stunde Schrauben, Fluchen und Hoffen

Nachdem der Kofferaufbau seinen Platz auf dem Fahrgestell gefunden hatte, stand der nächste Punkt auf der Ausbau-Liste an: der Anbau des Unterfahrschutzes. Klingt nach einer überschaubaren Aufgabe. Und tatsächlich – diesmal sollte uns kein unerwarteter Weltuntergang, keine abgerissene Schraube und auch kein komplett neu zu erfindendes Bauteil begegnen. Wobei wir inzwischen bei jedem Arbeitsschritt fest davon ausgehen, dass das Universum zumindest einen kleinen Überraschungsmoment für uns bereithält.

 

 

Bevor es losging, möchten wir zunächst einen herzlichen Gruß an Sebastian schicken. Von ihm haben wir den kompletten Unterfahrschutzsatz gekauft. Vielen Dank an dieser Stelle für die schnelle Lieferung und die unkomplizierte Abwicklung.

 

Wer jetzt denkt, so ein Unterfahrschutz sei lediglich ein etwas größer geratenes Stück Blech, der irrt gewaltig. Das Teil bringt ein durchaus respektables Eigengewicht mit. Zumindest genug, dass wir uns recht schnell gegen die Strategie „einfach mal mit einer Hand hochhalten und mit der anderen verschrauben“ entschieden haben. Unsere Krankenversicherung hätte diese Variante vermutlich ebenfalls nicht befürwortet.

 

Also erfolgte die Montage in mehreren Schritten.

 

Zunächst mussten die vorhandenen Kabelbäume angehoben werden. Dafür wurden die Kabelbinder vom Leiterrahmen gelöst. Dabei fiel uns auf, dass die Kabelbinder vermutlich werksseitig zusätzlich mit kleinen Gummiringen zum Leiterrahmen hin gepuffert wurden. Eine dieser typischen Kleinigkeiten, die man erst bemerkt, wenn man etwas auseinanderbaut. Natürlich hätten wir die Gummiringe auch einfach ignorieren können. Aber nachdem wir bereits an anderen Stellen gelernt haben, dass die Entwickler bei Mercedes meistens einen guten Grund für solche Details hatten, wurden die Gummiringe später selbstverständlich wieder mit eingefädelt.

 

Im zweiten Schritt konnten die Halterungen des Unterfahrschutzes am Leiterrahmen befestigt werden. Hierfür werden die bereits vorhandenen Bohrungen im Rahmen genutzt, sodass kein Bohren erforderlich war (Der TÜV hätte hier erhebliche Einwände). Die Halterungen wurden zunächst lediglich mit einer Mutter fixiert. So konnten sie sich noch leicht bewegen und sauber am Leiterrahmen anliegen.

 

 

(C) Ernst und Meike Wagner (C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Anschließend wurde der eigentliche Unterfahrschutz an den seitlichen Halterungen befestigt. Jetzt begann das bekannte Spiel aus Halten, Ausrichten, Schrauben suchen, Schrauben wieder fallen lassen, Schrauben erneut suchen und so tun, als wäre das alles Teil des Plans gewesen.

 

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Nach und nach wurden sämtliche Schrauben eingesetzt und sowohl mit den Seitenhaltern als auch mit dem eigentlichen Unterfahrschutz verschraubt. Zum Einsatz kamen selbstverständlich selbstsichernde Muttern, damit sich später nicht irgendwann auf einer Landstraße ein Teil unseres Ausbaus selbstständig macht und auf eigene Weltreise geht.

 

 

(C) Ernst und Meike Wagner (C) Ernst und Meike Wagner

 

 

Nachdem alle Komponenten an ihrem Platz waren, wurden sämtliche Schraubverbindungen nochmals kontrolliert und gleichmäßig angezogen. Erst wenn man jede Mutter mindestens dreimal überprüft hat, beginnt langsam das Gefühl einzusetzen, dass vielleicht tatsächlich alles fest ist.

 

Ein Vorgang, den wir inzwischen fast schon ritualisiert haben.

 

Spätestens seit Projekten wie dem Einbau unserer Terrassentür, dem Rahmen für die Schiebetür oder dem Doppelten Boden haben wir gelernt, dass Nachkontrolle deutlich angenehmer ist als spätere Fehlersuche.

Zum Abschluss konnten die zuvor gelösten Kabelbäume wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückkehren. Mit neuen Kabelbindern und den bereits erwähnten Gummiringen wurden sie wieder ordentlich am Leiterrahmen befestigt.

Und damit war die Aktion auch schon abgeschlossen.

 

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Für den kompletten Anbau des Unterfahrschutzes haben wir insgesamt etwa eine Stunde benötigt. Das ist für unsere Verhältnisse beinahe schon rekordverdächtig. Normalerweise schaffen wir es bei solchen Arbeiten zuverlässig, mindestens ein neues Problem zu entdecken, drei weitere Baustellen zu eröffnen und den ursprünglichen Arbeitsauftrag völlig aus den Augen zu verlieren.

 

Diesmal nicht.

 

Der Unterfahrschutz sitzt, die Kabel sind wieder ordentlich verlegt und ein weiterer Punkt auf der langen Ausbau-Liste konnte erfolgreich abgehakt werden. Fast schon verdächtig reibungslos.

Wer unseren bisherigen Ausbau verfolgt hat, weiß allerdings: Wenn ein Arbeitsschritt problemlos funktioniert, bedeutet das meistens nur, dass die nächste Überraschung bereits irgendwo hinter der nächsten Ecke wartet.

Fortsetzung folgt.

Weitere Beiträge aus unserem Ausbauverlauf findet ihr natürlich ebenfalls hier auf Heilixblechle.de. Unter anderem den Bericht zum Kofferaufbau, den Vorbereitungen am Fahrgestell sowie den zahlreichen kleinen und großen Herausforderungen, die ein Expeditionsmobil-Projekt zwangsläufig mit sich bringt.