Tag: 30. Oktober 2026

2. Wasserschaden

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Wenn der Koffer plötzlich weint

Naja … ein Wasserschaden ist es eigentlich nicht.

Aber es hat viel Aufwand bedeutet.

Und genau deshalb bekommt das Ganze natürlich einen eigenen Beitrag.

Denn nach all den Arbeiten an unserem LKW-Kofferaufbau kam irgendwann der Moment, auf den man als Selbstausbauer gleichzeitig hinfiebert und den man am liebsten vermeiden möchte:

Die erste richtige Ausfahrt.

Drei Tage unterwegs. Nicht nur mal kurz um den Block, sondern mit unserem HeilixBlechle so, wie es später auch einmal genutzt werden soll.

Und was soll ich sagen?

Es lief.

 

Die erste Ausfahrt – und plötzlich funktioniert tatsächlich alles

Strom war immer ausreichend vorhanden.

Wasser ebenfalls.

Der Kühlschrank lief und kühlte, wie er sollte – und das sogar bei ungefähr 35 Grad Außentemperatur.

Die Toilette?

Absolut top.

Die Kühlbox funktionierte bestens.

Die Küche erfüllte ihren Zweck.

Kurz gesagt:

Alles in bester Ordnung.

Nach monatelangem Bauen, Planen, Messen, Nachmessen, Fluchen, Umplanen und gelegentlichem „Das müsste jetzt aber wirklich passen“ war das schon ein ziemlich ungewohntes Gefühl.

Es funktionierte einfach.

Fast schon verdächtig.

Wer unseren Ausbauverlauf kennt, weiß allerdings: Wenn bei uns etwas zu gut läuft, sollte man besser nicht zu laut darüber sprechen.

Das Universum hört mit.

 

Glück gehabt – oder doch nicht?

Glücklicherweise hatten wir uns auf unserem Stellplatz etwas umgestellt.

Dadurch stand unser Kofferaufbau leicht schräg.

Damals dachten wir noch:

„Na gut, ist halt nicht ganz gerade.“

Später stellte sich heraus:

Das war vermutlich unser Glück.

Denn irgendwann sehe ich an einer Ecke unseres Koffers etwas, das dort definitiv nicht hingehört.

Wasser.

Es läuft aus dem Koffer.

Wasser!

Aus unserem Koffer!

Und wie Bernhard flegt zu sagen: „Ich glaub ich hab ein Kabelbrand am Herzschrittmacher“

Ich:

„Hääää???“

Was soll das?

Nach all den Überlegungen zur Wasserversorgung sollte doch gerade so etwas nicht passieren.

Und genau für solche Situationen hatte ich beim Bau mehrere Abläufe im Koffer vorgesehen.

Nicht etwa, weil ich übervorsichtig bin.

Also … vielleicht ein bisschen.

Aber hauptsächlich natürlich, weil ich ein Genie bin.

Zumindest in meiner eigenen Vorstellung.

Die Abläufe haben jedenfalls eine wichtige Aufgabe: Sollte irgendwo Wasser austreten, soll es möglichst schnell nach außen gelangen, bevor wir im Koffer eine kleine Wellnesslandschaft eröffnen.

Eine Badewanne war beim Ausbau nämlich nicht vorgesehen.

Zumindest nicht im Boden.

Die Fehlersuche beginnt

 

(C) Ernst und Meike Wagner  (C) Ernst und Meike Wagner

 

Die Ursache war vermeintlich schnell gefunden.

Der Pundmann-Wasserboiler war undicht.

Na prima.

Also Boiler wieder ausgebaut.

Das ist übrigens eine der schönsten Tätigkeiten beim Selbstausbau:

Man baut etwas sorgfältig ein, freut sich darüber, dass es endlich funktioniert – und baut es kurze Zeit später wieder aus.

Man könnte das auch als Kreislaufwirtschaft bezeichnen.

Oder als Beschäftigungstherapie.

Der Boiler wurde in ausgebautem Zustand überprüft.

Und jetzt wurde es interessant.

Denn:

Alles dicht.

Kein Tropfen.

Nichts.

Gar nichts.

Der Boiler machte plötzlich genau das, was ein Wasserboiler machen soll:

Er hielt Wasser.

Natürlich.

Warum sollte er auch genau dann undicht sein, wenn man ihn zur Fehlersuche ausbaut?

Das wäre ja viel zu einfach.

Vielleicht war der Wasserdruck das Problem

 

(C) Ernst und Meike Wagner

 

Also begann das große Grübeln.

Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass ich dem Boiler beim ersten Test den maximal möglichen Leitungsdruck zugemutet hatte.

Das System unserer Wasserversorgung arbeitet grundsätzlich mit einem definierten Druck.

Wenn das Wasser erwärmt wird, dehnt es sich aus.

Und wenn sich Wasser ausdehnt, steigt bei einem geschlossenen System natürlich der Druck.

Soweit die Theorie.

In Kombination aus hohem Ausgangsdruck und Erwärmung könnte der Druck im Boiler also über den zulässigen Bereich gestiegen sein.

Und irgendwo muss der Druck dann hin.

Wasser sucht sich bekanntlich seinen Weg.

Und Wasser hat dabei ungefähr so viel Respekt vor unseren Bauplänen wie wir vor einem weiteren Umbau.

Aber warum kommt das Wasser dort heraus?

Genau hier wurde es für mich allerdings interessant.

Im Boiler befindet sich ein Überdruckventil.

Wenn der Druck zu hoch wird, kann dieses Ventil Wasser ableiten.

Das Problem:

Warum wird das Wasser dann direkt aus dem Boiler herausgeführt?

Dafür gibt es doch ein eigenes Überdruckventil, das ich zusätzlich installiert und sogar nach außen geführt habe.

Genau dafür.

Das sollte doch eigentlich der kontrollierte Weg sein.

Und nicht:

„Hallo, ich bin Wasser. Ich suche mir jetzt selbst einen Ausgang.“

Was mich zusätzlich stutzig machte:

Nachdem wir den Druck auf ein normales Niveau abgelassen hatten, trat kein weiteres Wasser mehr aus.

Gar nichts.

Und genau das passt für mich nicht so recht zu einer klassischen Undichtigkeit.

Denn wenn irgendwo wirklich eine undichte Stelle vorhanden wäre, müsste dort doch eigentlich weiterhin Wasser austreten.

Tut es aber nicht.

Zumindest bisher.

(C) Ernst und Meike Wagner

Also wieder einbauen und hoffen?

Was bleibt einem in so einer Situation?

Natürlich.

Den Boiler wieder einbauen.

Denn genau so funktioniert professioneller Selbstausbau.

Erst ausbauen.

Dann prüfen.

Nichts finden.

Dann wieder einbauen.

Und anschließend besonders aufmerksam zuhören, ob irgendwo Wasser tropft.

Vielleicht ist das ja die eigentliche Definition von Vertrauen:

Man baut ein Teil wieder ein, obwohl man nicht hundertprozentig verstanden hat, warum es vorher überhaupt Wasser verloren hat.

Der Boiler sitzt jedenfalls wieder an seinem Platz.

Und aktuell ist alles dicht.

Wassermelder – weil Vertrauen gut, Kontrolle aber schöner ist

Ganz ohne Konsequenzen wollten wir die Geschichte allerdings nicht lassen.

Rund um den Boiler haben wir deshalb mehrere Wassermelder platziert.

Sollte sich also irgendwo wieder ein Tropfen selbstständig machen, bekommen wir hoffentlich mit, bevor aus einem kleinen Tropfen ein Innenausbau mit Schwimmbadfunktion wird.

Das ist vielleicht ein bisschen paranoid.

Aber wer einmal monatelang einen LKW-Kofferaufbau ausgebaut hat, entwickelt irgendwann eine sehr persönliche Beziehung zu Flüssigkeiten.

Vor allem zu solchen, die sich nicht dort befinden, wo sie hingehören.

Denn Wasser ist im Grunde ein ziemlich beeindruckendes Zeug.

Man gibt ihm einen Schlauch.

Man gibt ihm eine Leitung.

Man gibt ihm einen Ablauf.

Man gibt ihm klare Anweisungen.

Und Wasser antwortet:

„Danke für die Vorschläge.“

Fazit: Kein Wasserschaden. Aber trotzdem Arbeit.

Am Ende können wir aktuell Entwarnung geben.

Unser vermeintlicher Wasserschaden war kein klassischer Wasserschaden.

Der Pundmann-Wasserboiler ist wieder eingebaut.

Das System funktioniert.

Der Druck ist auf einem normalen Niveau.

Und bisher bleibt alles trocken.

Ob unsere Vermutung mit dem zu hohen Druck tatsächlich die Ursache war, werden wir allerdings erst mit der Zeit und weiteren Tests sicher wissen.

Deshalb bleiben die Wassermelder erst einmal dort, wo sie sind.

Denn genau das ist für uns ein wichtiger Teil des gesamten Ausbaukonzepts:

Nicht alles muss beim ersten Versuch perfekt sein.

Aber man sollte Probleme möglichst früh erkennen.

Unsere erste Ausfahrt hat jedenfalls gezeigt, dass die grundsätzliche Technik funktioniert – und gleichzeitig genau das getan, was eine erste Probefahrt tun soll:

Sie hat uns auf die Stellen aufmerksam gemacht, bei denen wir noch einmal genauer hinschauen müssen.

Und damit hat unser HeilixBlechle seine erste Prüfung bestanden.

Nicht mit voller Punktzahl.

Aber immerhin ohne dass wir einen Swimmingpool einbauen mussten.

Für einen selbstgebauten LKW-Kofferaufbau ist das doch schon einmal ein ziemlich guter Anfang.

Fortsetzung folgt.

Natürlich.

Irgendwas wird uns schon noch einfallen.